Donnerstag, 1. Dezember 2022

Russland bietet verfolgten deutschen Regimekritikern Asyl an

(David Berger) Eigentlich wollte Berlin den Russen, die vor Putin flohen, Zuflucht gewähren. Doch nur 16 Russen nahmen das Angebot bislang an. Nun wartet Moskau mit einem Gegenangebot auf: Asyl für Deutsche, die hier in Deutschland verfolgt werden, weil sie sich der Ent-Demokratisierung unseres Landes widersetzen.

Deutschland, besonders Berlin gilt neben einigen anderen europäischen Ländern als Ort, an dem sich immer mehr Russen Zweitwohnsitze anschaffen oder gar in die wärmeren und  hipperen Gefilde – etwa an der französischen Riviera (Nizza usw.) auswandern. Das sind die reichen Russen, die sich das leisten können. Daneben gibt es freilich auch die Wirtschaftsflüchtlinge, die sich hier ein besseres Leben versprechen und jene, die aus politischen Gründen das Russland Putins verlassen wollen oder gar müssen.

Nur 16 Russen kamen

Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg kam von Berlin aus das großzügige Angebot an alle Russen, die nicht länger unter dem „Hitler-Nachfolger“ Putin leben wollen, in die Bundeshauptstadt zu emigrieren. Doch „mittlerweile kehrt Ernüchterung ein. So wurden laut RBB24 bisher nur 16 Russen mit ihren Familien aufgrund individueller Verfolgung in Deutschland aufgenommen; trotz verschärfter Repressionen in Russland.“ (Quelle)

In diesem Zusammenhang könnte nun ein Konter der russischen Regierung jenen helfen, die seit 2015, spätestens aber seit der Corona-Krise verzweifelt fragten: Weg aus Deutschland, aber wohin?

Denn der ehemaligen Präsident und stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, hat in seinem Telegram-Kanal angeboten, „Deutschen, die Olaf Scholz oder die Bundesregierung kritisieren“, in Russland so eine Art Asyl zu bieten. Die dazu gehörigen Einreisebestimmungen sollen demnach baldmöglichst für deutsche Staatsbürger deutlich erleichtert werden.

Russischer Freiheitssinn

Im Gegenzug will er die geflohenen Russen, die aus politischen Gründen gerne nach Deutschland möchten, frei ziehen lassen: „Mit anderen Worten, an diejenigen, die sich ihrem Land widersetzen und wollen, dass es besiegt wird. Nun […] lassen wir sie so schnell wie möglich zu den Deutschen gehen“.

Da bekommt der „Große Austausch“ eine ganz neue Bedeutung. Noch wird in den sozialen Netzwerken AfD-Sympathisanten, Impfverweigerern, Rechtspopulisten und Pazifisten spöttisch empfohlen, doch das Angebot Medwedews anzunehmen. Aber so weit ist der Spott dieser Leute von Ernst gar nicht mehr entfernt.

Wenn die Besten gehen…

Gerade wirtschaftlich scheint Russland ein heißer Tipp zu sein: Die Währung verfestigt ihre Stärke, Öl und Gas sind billig, Lebensmittel reichlich vorhanden, sodass auch jene, die nicht das Einkommen von Herrn Habeck oder Herrn Lindner haben, dort weiterhin öfter als alle zwei Wochen duschen können, satt werden und im Winter nicht mit daunengefüllten Wohnanzügen in ihrer Wohnung verharren müssen. Hinzukommt, dass die von Focus und Bild in den letzten Wochen immer wieder angekündigte Eroberung Moskaus durch Selenskyjs Truppen von Tag zu tag unwahrscheinlicher wird.

Sollte wirklich eine größere Anzahl an Menschen – und das wären dann vermutlich eher die Charakter- und Finanzstarken – diesem Angebot Moskaus folgen, hätte das für das ohnehin schwer angeschlagenen Deutschland wirtschaftlich katastrophale Folgen.

Update 01.06.22, 7h: Vorbild Uruguay

Einer der PP-Leser schreibt mir zu dem Beitrag: „Sollte wirklich eine größere Anzahl an Menschen – und das wären dann vermutlich eher die Charakter- und Finanzstarken – diesem Angebot Moskaus folgen, hätte das für das ohnehin schwer angeschlagenen Deutschland wirtschaftlich katastrophale Folgen.“ (Zitat s.o.)

Das hat schon begonnen. Ich kann ihnen aus eigener Beobachtung sagen, dass sich hierzulande gerade aus einem Rinnsal ein Strom entwickelt. Ich lebe seit 6 Jahren in Uruguay, und war die Anzahl der Neuzuwanderer die ersten Jahre eher spärlich, geben sich im Augenblick gerade Unternehmer und Mehrfachmillionäre die Klinke in die Hand. Und Uruguay ist ein kleines Land mit nur 3,5 Millionen Einwohnern.“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Besteller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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