Die katholischen Bischöfe des lateinischen Ritus baten Papst Franziskus am Aschermittwoch, die Ukraine und Russland dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. Ein Gastbeitrag von Hélène de Lauzun

Die Mehrheit der Christen in der Ukraine gehört heute der orthodoxen Gemeinschaft an. Daneben gibt es eine katholische Gemeinschaft des östlichen Ritus, die Unierten, die etwa 10 % der Gläubigen ausmachen, und eine katholische Gemeinschaft des lateinischen Ritus, die etwa 1 % der Gläubigen, d.h. etwa 450.000 Menschen, unter der Erzdiözese Lemberg versammelt. Der lateinische Ritus bemüht sich, eine Schlüsselrolle bei der Entschärfung des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland zu spielen.

Die Botschaft von Fatima

Die katholischen Bischöfe des lateinischen Ritus baten Papst Franziskus am Aschermittwoch, die Ukraine und Russland dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen.

Die Petition, die auf ihrer Website veröffentlicht wurde, bezieht sich auf den Appell, den die Gottesmutter an die Kinder von Fatima gerichtet hat. Die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens ist eine der Bitten, die in einer Privatoffenbarung an die drei Kinder am 13. Juli 1917 geäußert wurden. Schwester Lucia soll dem Papst gesagt haben, dass „die Jungfrau Maria ihr das Versprechen gab, dass diese Weihe die Bekehrung Russlands und eine Periode des Weltfriedens einleiten würde“.

Papst Johannes Paul II. nahm am 25. März 1984 eine Weihe vor, ohne jedoch Russland ausdrücklich zu erwähnen, was die erneute Bitte der ukrainischen Bischöfe erklären könnte.

Nach jeder Messe Weihetext beten

Die ukrainischen Katholiken des lateinischen Ritus wurden von ihren Bischöfen aufgefordert, in ihrem privaten Gebet sowie am Ende jeder Messe einen Weihetext zu rezitieren. Neben den Katholiken ist auch die ukrainisch-orthodoxe Gemeinschaft auf verschiedene Kirchen aufgeteilt, was sich auch auf die Position der Gläubigen im Krieg auswirkt.

Es gibt zwei ukrainisch-orthodoxe Kirchen, von denen eine seit 2019 als autokephale Kirche anerkannt ist und die andere als dissident. Eine dritte Kirche ist dem Moskauer Patriarchat rechenschaftspflichtig. Vor einigen Tagen hat diese dritte Kirche – Metropolit Onuphre, Primas der vom Moskauer Patriarchat abhängigen ukrainisch-orthodoxen Kirche – eine Erklärung veröffentlicht, in der er das Engagement seiner Kirche für die Verteidigung der territorialen Integrität der Ukraine betont und den Krieg mit Russland als schwere Sünde vor Gott verurteilt:

Ukrainisch-orthodoxer Primas: Wiederholung der Sünde Kains

Titian, Kain und Abel

„Indem wir die Souveränität und Integrität der Ukraine verteidigen, appellieren wir an den Präsidenten Russlands und bitten um ein sofortiges Ende des Bruderkriegs. Das ukrainische und das russische Volk sind aus dem Taufbecken des Dnjepr hervorgegangen, und der Krieg zwischen diesen Völkern ist eine Wiederholung der Sünde Kains, der seinen eigenen Bruder aus Neid erschlug. Ein solcher Krieg hat weder vor Gott noch vor den Menschen eine Rechtfertigung.“

Mit dieser unmissverständlich formulierten Erklärung distanzierte er sich von seinem Patriarchen Kyrill von Moskau, der nicht antworten wollte.

Russland: Enge Verknüpfung von Kirche und Politik

Kirills Schweigen zeugt von seiner Feindseligkeit gegenüber seinem ukrainischen Untergebenen. Patriarch Kirill ist in der Tat ein glühender Anhänger der Politik von Wladimir Putin. Er hat die Ausrufung der Autokephalie der ukrainisch-orthodoxen Kirche im Jahr 2019, die vom Patriarchat von Konstantinopel anerkannt wurde, nie anerkannt. In einem solchen Konflikt ist der Glaube eng mit der Politik verknüpft.

(c) Screenshot YT

Zur Autorin: Hélène de Lauzun studierte an der École Normale Supérieure de Paris.

Sie lehrte französische Literatur und Zivilisation in Harvard und promovierte in Geschichte an der Sorbonne.

Sie ist die Autorin von „Histoire de l’Autriche“ (Perrin, 2021).

Der Artikel erschien in englischer Sprache zuerst auf THE EUROPEAN CONSERVATIVE. Übersetzung David Berger.

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