Der Schriftsteller Heinrich Böll gilt als „das Gewissen der Nation“, als eine große moralische Autorität und als ein geistiger Vater der Grünen. Er diente den Grünen als Namensgeber für ihre parteinahe Stiftung. Doch wie er die Afrikaner und ihre Kultur bezeichnete, verblüfft mich. Wird jetzt die grüne Heinrich-Böll-Stiftung ihren Namen ändern? Ein Gastbeitrag von Dr. Alexander Ulfig

Zufällig stieß ich auf ein Video, offensichtlich eine SWR-Produktion, in dem Ausschnitte aus Interviews mit Heinrich Böll gezeigt werden. Es ist allgemein bekannt, dass Heinrich Böll ein kritisches, ja ablehnendes Verhältnis zum institutionalisierten Katholizismus hatte.

Er sagt ab Minute 12:34 eines Interviews Folgendes: „Ich brauche keinen organisierten Katholizismus. Der ist mir fremder als irgendeine Negersprache, die ich höre und nicht verstehe, ja!“

 

Verachtung der afrikanischen Sprachwelt und -vielfalt

Habe ich das richtig gehört? Oder habe ich mich verhört? Böll benutzt offensichtlich das N-Wort, äußert sich mit „irgendeine Negersprache“ sehr abschätzig über Afrikas Sprachwelt und ihren Reichtum. Und das als Schriftsteller!!! Er lächelt dann noch sarkastisch und besserwisserisch.

Ich kann nicht glauben, dass es Heinrich Böll ist, der diesen Satz ausspricht. Er, „das Gewissen der Nation“, „der gute Mensch von Köln“, der Humanist, der linke Katholik, der Linksintellektuelle, der Kämpfer für den Frieden, der geistige Vater der Grünen, die Galionsfigur der Grünen.

Wird jetzt die grüne Heinrich-Böll-Stiftung umbenannt?

Die Grünen haben ihre Stiftung nach Heinrich Böll benannt. Doch hat seine Äußerung, insofern sie den Grünen bekannt ist, irgendwelche Konsequenzen? Wird jetzt die Heinrich-Böll-Stiftung ihren Namen ändern? Und was würde dazu Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung sagen? Sie hat sich den Kampf gegen Rassismus auf die Fahnen geschrieben. Hat man ihr das überhaupt schon gemeldet?

Dr. Alexander Ulfig, geboren in Kattowitz (Polen), lebt als freier Autor. Er veröffentlichte u.a. Wege aus der Beliebigkeit, Baden-Baden 2016.

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