„Verlassen und ermordet vom Staat“: Demo gegen Corona-Maßnahmen auch in Palermo

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Die Geschichten der Redner entsprechen denen, die wir von Demonstrationen oder aus unserem Umfeld in Deutschland kennen: verwirrende und wechselnde Verordnungen, keine wirkliche staatliche Unterstützung, kein Politiker, der etwas von den wahren Problemen der Menschen hören will, Arbeitsplatzverluste und Verschuldung der Bevölkerung, der bevorstehende Ruin des Tourismus, kultureller Einrichtungen und vieler vieler Berufe. Ein Gastbeitrag von Dr. Wulf D. Wagner

Kaum ließ ich meinen letzten Beitrag auf Philosophia Perennis mit der Hoffnung auf die nicht ewige Geduld der Sizilianer enden, erhielt ich die Nachricht, dass sich in Palermo am Gründonnerstag um 16:30 Uhr eine Demonstration von  #ioapro (= ich öffne) ereignen würde.

Pünktlich angekommen auf der prächtigen Piazza Pretoria inmitten der Altstadt herrschte nahezu gähnende Leere. Letztendlich waren wohl 100–150 Menschen zusammengekommen, um die engagierten Veranstalter nicht alleine in der Sonne stehen zu lassen.

Die Redner fragten sich, ob es den Palermitanern doch noch zu gut gehe, um für ihre Interessen aufzustehen. Denn tatsächlich ist die Stadt voll, geshoppt wird, getrunken wird vor den Bars auch, spazierengehen ist noch nicht verboten, jedoch Manifestationen wie diese sind es tatsächlich und die Strafe kann theoretisch 400 € pro Person betragen, wie mir gesagt wurde. Die wenige Polizei – teils in Zivil – ließ es aber mit einem gnädigen Blick auf sich beruhen.

„Verlassen und ermordet vom Staat“

Erstaunlich ist die geringe Teilnahme auch deshalb, weil mittlerweile an vielen geschlossenen Restaurants und Bars der Stadt Protestplakate kleben: Abbandonati e uccisi dallo stato (Verlassen und ermordet vom Staat).

Die Geschichten der Redner entsprechen denen, die wir von Demonstrationen oder aus unserem Umfeld in Deutschland kennen: verwirrende und wechselnde Verordnungen, keine wirkliche staatliche Unterstützung, kein Politiker, der etwas von den wahren Problemen der Menschen hören will, Arbeitsplatzverluste und Verschuldung der Bevölkerung, der bevorstehende Ruin des Tourismus, kultureller Einrichtungen und vieler vieler Berufe.

Staatsmedien: „Ihr Italiener seid die einzigen, die meckern!“

Für mich war der Hinweis eines der jungen Redner interessant, dass die Staatsmedien den Italienern einreden, sie seien die Einzigen, die meckern, alle anderen Europäer würden die Maßnahmen ihrer Regierungen brav und zustimmend mittragen. Ich klärte den jungen Mann erst einmal über die vielen und bei weitem größeren Protestbewegungen in Deutschland auf. Selbst in deutschen Kleinstädten, wie der Erzgebirgestadt Annaberg, sind viele Bürger und Bürgerinnen seit Monaten weit aktiver und widerständiger als hier in Palermo. – Übrigens waren die Veranstalter am 31. März in Neapel und brachten in der Millionenstadt gerade einmal 300 Menschen auf die Straße. Nun ziehen sie weiter nach Rom, wo am 6. April eine – so hofft man – endlich größere Demonstration stattfinden soll, damit dann am 7. April möglichst viele Bars und Restaurants trotz Verbot öffnen.

Mir zeigte der Tag einmal wieder, warum ich 2018 auf Philosophia Perennis mit der Veröffentlichung erster Artikel zu Italien begann. Obgleich unsere Regierungen und Staatsmedien laufend von Europa reden, unterrichten uns Letztere nicht mehr breit und vielfältig über die anderen Länder und Nationen. Das erledigen mittlerweile viele der alternativen Medien, und so ist zu hoffen, dass auch die verschiedenen Veranstalter der Proteste gegen die Einschränkungen unserer Grund- und Freiheitsrechte sich besser über die Grenzen hinweg austauschen und vernetzen werden, um sich gegenseitig zu stärken. Denn die Probleme, die Panikmache, die abstrusen Verordnungen und das Regierungsversagen sind EU-weit gleich.

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Autor: Dr. Wulf D. Wagner lebt als Historiker in Palermo und Berlin. Für den Verlag Manuscriptum übersetzte er 2019 „Ich bin Matteo Salvini“.

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