(Daniela Förster) Wo ist der gute Dorfpolizist geblieben? Er oder der Beamte aus dem Kiez, der seine Pappenheimer kennt; der bei kleinen Verstößen angemessen reagiert, ein Auge zudrückt und es bei einer Ermahnung belässt. Wohin ist er verschwunden? Der Polizist als ein Beamter, der sich nicht von seinem Menschsein gelöst hat. Der „Dorf-Sheriff“, der selbst fest im Kiez- oder Dorfleben verankert und als Respektsperson geachtet und geschätzt wird. Gibt es ihn noch?

Der Ordnungshüter, an den sich der Bürger auch mal vertrauensvoll wenden kann, der Ratschläge gibt oder ausnahmsweise sogar mal den Beichtvater spielt. Wo sind diese Leute, denen man blind vertrauen kann, dass sie für Recht und Ordnung – vor allem auch für Gerechtigkeit mit Augenmaß – sorgen?

Jahrelang wurde die Polizei vernachlässigt und gestutzt

Jahrzehnte haben es Politik und andere Verantwortliche in Bund und Land versäumt, für Nachwuchs und ordentliche Ausrüstung der Polizei zu sorgen. Deren wichtige Arbeit galt und gilt in bestimmten Kreisen noch immer als verpönt. Vor ein paar Jahren fiel unseren fehlerlosen Spitzenpolitikern dann plötzlichauf: Hoppla, Polizisten altern ja auch, möchten auch in Pension. Der Job belastet viele psychisch, Material verschleißt, die Technik rennt. Es fehlt an allen Ecken und Enden!

Also zog man die Reißleine. Nun musste wie so oft alles schnell gehen, damit möglichst niemand bemerkte, das Fehler gemacht worden waren. Die Auswirkungen der Schlampereien und Versäumnisse sollten in kürzester Zeit korrigiert werden. Teure Kampagnen wurden gestartet, um den Polizeiberuf schmackhaft zu machen. In Windeseile wurden neue Gesetze durchgepeitscht und zum Teil auch neue Ausrüstung beschafft. So steckte man als sichtbares aktivistisches Zeichen die Polizei in blaue Uniformen und passte die Fahrzeuge entsprechend an. Seht her, Bürger! Wir tun was für die Polizei!

Dienst nach Vorschrift statt Augenmaß und Fürsorge

Man verschob neue und erfahrene Beamte dahin, wo Löcher entstanden, gern auch mal auf drei verschiedene Dienststellen binnen zwei Jahren. Vor allem viele Neulinge schickte man in Ortschaften fern der Heimat, weil man die erfahrenen Beamten benötigte, um die Großstädte zu sichern. So schob man sie wie Schachfiguren auf dem Spielbrett. Doch diese Ortsfremden mit teils langen Arbeitswegen und zusammengewürfelten Mannschaften kennen kaum noch die Situation vor Ort.

Was übrig bleibt, ist Dienst nach Vorschrift. Da werden Kinder auf dem Land mit Mofas behandelt, wie ein grosser Drogendealer auf dem Kiez. Schlittenfahrende Kinder werden verjagt, deren Eltern angezeigt. Treffen von Jugendlichen am Lagerfeuer werden schon fast wie Terrorschauplätze behandelt.

Recht und Ordnung? Nur, wenn das bei der Beförderung hilfreich ist!

Aufnahme von Verkehrsunfällen sind ein lästiges Übel auf der Jagd nach Sternen und Beförderungen. Überhaupt scheint diese Jagd nach Sternen das größte Ziel geworden zu sein. Hintergrundgeschichten interessieren nicht beim Dienst nach Vorschrift. Ein freundliches Lächeln, eine väterliche Ermahnung bringt bekanntlich keine Sterne. Wie die Bevölkerung vor Ort diese Veränderung wahrnimmt, ist egal.

Ob ein gutes, vertrauensvolles und von Respekt erzeugtes Umfeld gegeben ist, spielt keine Rolle mehr. Denn man muss ja nicht dort wohnen, muss mit diesen Menschen nicht zusammen leben. Dienst nach Vorschrift! Und so wird der gute Dorfpolizist immer mehr zu einer Legendemgestalt, die es vielleicht irgendwann mal irgendwo gab.

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