Angesichts der Corona-Maßnahmen machen die Inflationszahlen keinen Sinn mehr. Denn dabei werden die Preise von vielen Gütern und Dienstleistungen über die Zeit verglichen. Aber ein großer Teil dieser Güter und vor allem Dienstleistungen ist durch die staatlichen Corona-Maßnahmen nicht mehr erhältlich. Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Alexander Dilger

Offiziell haben wir sowohl in Deutschland als auch in der ganzen Eurozone eine leichte Deflation mit Inflationsraten von aktuell -0,2 bzw. -0,3 Prozent. Die EZB nimmt das wahrscheinlich demnächst zum Anlass, um ihre schon vorher nicht wirksamen Maßnahmen weiter auszudehnen. Diese Situation und die Diskussion darüber haben wir schon seit etlichen Jahren, aber ich möchte heute auf etwas anderes hinaus.

Reisepreise von vor einem Jahr mit denen heute vergleichen?

Angesichts der Corona-Maßnahmen machen die Inflationszahlen aus meiner Sicht keinen Sinn mehr. Denn dabei werden die Preise von vielen Gütern und Dienstleistungen über die Zeit verglichen. Aber ein großer Teil dieser Güter und vor allem Dienstleistungen ist durch die staatlichen Corona-Maßnahmen nicht mehr erhältlich.

Wie will man z. B. die Preise von Reisen vor einem Jahr mit denen heute vergleichen, wenn die meisten Reisen ganz verboten oder faktisch kaum möglich sind. Aus Konsumentensicht könnte man für solche Reisen (nahezu) unendlich hohe Preise ansetzen, aus Anbietersicht hingegen eher Preise von null (oder auch beliebig hohe Preise bei einer Menge von null?). Alternativ könnte man schauen, wie sich ein vergleichbares Erlebnis auf andere Weise erreichen lässt, z. B. durch eine ganz andere noch erlaubte Reise, die aber deutlich teurer wäre. Angeordnete Quarantäne ließe sich auch mit einem (hohen) Preis versehen. Im Ergebnis hätten wir dann aber nicht eine geringe Deflation, sondern eine sehr hohe Inflation.

Inflationskonzepte machen nur in Marktwirtschaft Sinn

Für ein vergleichbares Konsumerlebnis wie letztes Jahr müsste man ein Vielfaches ausgeben. Das ist für die meisten Menschen zu teuer, weshalb sie weniger Geld ausgeben, aber eben auch weniger konsumieren und eine starke Nutzeneinbuße haben. Dabei handelt es sich nicht einfach um ein Messproblem, sondern die gängigen Inflationskonzepte machen nur in einer Marktwirtschaft Sinn.

Wenn der Staat den Bürgern detailliert vorgibt, was sie überhaupt noch kaufen dürfen (zu oftmals auch noch staatlich regulierten Preisen), dann verlieren die Preise ihre Lenkungsfunktion und das Geld an Bedeutung. So habe ich mehr Geld auf dem Konto, aber weniger Verwendungsmöglichkeiten dafür und einen geringeren Nutzen. Andere haben hingegen weniger Geld, weil der Staat ihnen den Verkauf ihrer Güter und Dienstleistungen untersagt oder zumindest stark einschränkt. Einigen zahlt der Staat dafür großzügige Hilfe, für die sie sich aber auch eher weniger kaufen können als früher. Real ist also das Geld stark entwertet worden, was sich jedoch in den offiziellen Inflationszahlen nicht widerspiegelt.

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Alexander Dilger ist Professor an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Der Beitrag erschien zuerst auf seinem Blog ALEXANDER DILGER.

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