…in Gesellschaft mit einer „modernen“ Prophetin? Ein Gastbeitrag von Dr. Udo Hildenbrand

 Schon die auf Mohammed bezogene Fragestellung der Artikelüberschrift kann irritieren. In christlichen Medien ist diese Frage – so oder ähnlich gestellt –  eher selten zu lesen oder in Interviews zu hören. Als Christ, der in Sachen Islam einigermaßen bewandert ist, wurde ich erstmals vor einiger Zeit in einer christlichen Publikation mit dieser seltsamen Frage konfrontiert.

Ungläubig  rieb  ich mir die Augen, glaubte, nicht recht zu lesen und fragte mich: Wie kann ein theologisch profilierter Autor überhaupt ernsthaft diese Frage stellen, die von ihm natürlich auch bejaht wird? Ist ihm doch zweifellos die christliche Lehre bekannt: Die Heilssendung der alttestamentlichen Propheten ist mit Jesus Christus abgeschlossen und in ihm zugleich vollkommen erfüllt. Und Mohammed hat etwa 600 Jahre nach Christus gelebt.

Neue Propheten im Christentum  mit antichristlichen bzw. areligiösen Motiven?

Wer meint, der Prophet des Islam könne auch ein Prophet für uns Christen sein, könnte beim Papst den Antrag stellen, Mohammed möglichst „subito“ auch noch zum Kirchenvater zu proklamieren. Mohammed als Prophet der Christen, dazu noch  einer ihrer Kirchenväter! Ob dieser abstrusen Vorstellung greift man sich unwillkürlich mit beiden Händen an den Kopf. Selbst-Islamisierung pur!

Und dann ist da noch das 16-jährige Mädchen aus Schweden, das einige Leute  wohl ebenfalls gern in den Prophetenstand erheben möchten Mit ihr hätten wir sogar noch eine „moderne“ Prophetin, weithin mit größter Aufmerksamkeit bedacht,  auch von höchsten Persönlichkeiten und Gremien unseres Planeten.

Der Effizienz  ihres Anliegens wegen ist ihr allerdings dringend anzuraten,  mit gewohnter Strenge und voller Prophetenmut ihre harsch fordernden Klima-Vorträge auch noch vor den politischen und geistlichen Machthaben etwa in China und Russland, in Indien und Pakistan sowie  in anderen Ländern der islamischen Welt zu halten. Fraglich ist allerdings, ob sie dort – wenn überhaupt –  ohne Komplikationen hörbereite und auch geduldige  Ohren fände, so wie vor wenigen Monaten anderswo, von der Weltöffentlichkeit miterlebt.

Und das famose Resultat der Prozedur mit den beiden neuen „Propheten des Christentums“? Wir hätten einen „Propheten“ mit antichristlichen und antihumanen  Motiven, dazu noch  eine „Prophetin“, die gar keine religiösen Motive hat. Da kann man nur noch hocherfreut jubeln:

 

Wahrhaft glaubwürdige  Propheten,

lichterfüllte Vorbildgestalten  der Christenheit

mit langersehnten  neuen Perspektiven für das Christentum.

Zum vollkommenen Glück  fehlt jetzt uns nur noch

die Heiligsprechung der Erwählten! 

 Mohammeds Leben und Lehre christentum-kompatibel?

Scherz beiseite. Bei der Frage, ob Mohammed als Prophet von uns Christen anerkannt werden bzw. ob er ein Prophet für uns Christen sein kann, gewinnt man jedenfalls den Eindruck, als ob den so Fragenden die Biographie und die Lehre Mohammeds, auch die Geschichte des Islams völlig unbekannt oder einfach gleichgültig ist.

Doch nicht nur außerislamische Quellen, die ja von Vornherein verdächtig zu sein scheinen, nein, originäre islamischen Quellen berichten von Mohammeds Taten und gleicherweise ganz offen auch von seinen Untaten. Diese Quellen sind: Der Koran, der Hadith und die Sira.

Ohne an dieser Stelle alle bekannten, mehr als nur fragwürdigen Verhaltensweisen und Taten Mohammeds aufzählen zu wollen, müssten in Beantwortung der Frage, ob Mohammed ein Prophet für uns Christen sein kann, zunächst etwa folgende, insbesondere auf dessen Leben und Lehre bezogene Fragen gestellt werden. Diese wären dann jeweils quellenbezogen zu beantworten:

▪ Hat Mohammed nicht zahlreiche Kriege geführt, ursprünglich christliche Regionen unterworfen und islamisiert,

▪ jüdische Stämme aus Medina vertrieben und ihr Vermögen an sich gerissen,

▪ seinem Ziehsohn die Frau „ausgespannt“,

Frauen als Kriegsbeute in seinen Harem aufgenommen?

▪ Hat er nicht zentrale Inhalte des christlichen Glaubens geleugnet und bekämpft?

▪ Hat er nicht Juden und Christen als gottlos und als Lügner bezeichnet, sie (bestenfalls) zu Menschen zweiter Klasse erklärt und gemacht?

▪ Steht die Lebensführung  des Stifters des Islam nicht im denkbar schärfsten Gegensatz zum Leben und Handeln Jesu Christi?

▪ Gibt es nicht die Fülle unüberbrückbarer theologischer und ethischer Divergenzen zwischen dem Christentum und der Religion Mohammeds?

▪ Hat nicht  der Islam in seiner über 1400-jährigen Geschichte den christlichen Glauben in vielen Regionen dieser Welt, bedrängt, bekämpft und z. T. auch nahezu vollständig ausgerottet?

▪ Gibt es in den heute 56 islamisch dominierten Ländern ein einziges Land, in dem Christen und andere nichtmuslimische Minderheiten die gleichen Rechte wie Muslime haben?

Wer sich auch nur ansatzhaft mit dem Islam beschäftigt hat, weiß um die mehr als nur problematischen Fakten, die hinter diesen Fragen stehen. Und diese Fakten sprechen eine unzweideutige Sprache. Deshalb lautet auf die Frage: „Mohammed: Auch ein Prophet für uns Christen?“ die glasklare Antwort: NEIN! Alles andere ist Verirrung und Verwirrung. Dazu die zusammenfassende Kurzbegründung:

  1. Das Leben und die Lehre Mohammeds.
  2. Die unüberhohlbare Erfüllung und Vollendung der Heilssendung der alttestamentlichen Propheten durch Jesus Christus.

Im Übrigen  entbehrt es auch jeglicher Logik, dass sich ein und derselbe Gott in  so widersprüchlicher Weise geoffenbart hat, dass er sich nämlich sowohl in Jesus Christus, danach noch   in Mohammed geoffenbart haben soll. Ein christlicher Glaube mit Mohammed als Prophet wäre jedenfalls  nicht mehr mein christlicher Glaube, gewiss auch nicht der Glaube all jener Christen, die über die Religion Mohammeds informiert sind.

Gott sei Dank gibt es wahrscheinlich nur vereinzelt derartige verirrte und verwirrende  Exoten, die sich mit ihrer ominös-islamophilen, aus christlicher Sicht nicht nachvollziehbaren Denkweise den Propheten des Islams auch  als einen Propheten für uns Christen vorstellen können. Und die Sache mit dem Mädchen Greta wird erfahrungsgemäß ohnehin bald der Vergangenheit angehören …

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Der Verfasser dieses Beitrages ist Mitautor des Buches „Freiheit und Islam. Fakten, Fragen Forderungen“. Es umfasst 848 Seiten, kostet im Buchhandel 34 € und kann auch direkt von den Autoren portofrei und mit Rechnung erworben werden. E-mail: Reinhard.Wenner@gmx.de