(David Berger) Um die „Identitäre Bewegung“ ist es still geworden. Nun scheint auch der Führer der Schnellrodaer Sezessionsblase, Götz Kubitschek, sein einstiges Lieblingsprojekt fallen zu lassen. Das legt jedenfalls ein Interview mit einer rechtsextremen Zeitschrift nahe. Welche Motive könnten ihn bei der Aktion getrieben haben?

Gibt es die „Identitäre Bewegung“ eigentlich noch, mag sich mancher fragen, der nicht gerade auf Twitter einem der vielen, immer wieder neu erstellten Accounts mit 4-5 Followern (darunter Martin Sellner und die „Sezession“) folgt? Denn nach diversen Spenden- und Steuerskandalen ist es ruhig um die Aktivisten geworden, die das, was sie „patriotische Bewegung“ nennen, eigentlich mit dem Abhalten von Fackelmärschen und der provokativen Entfaltung von Betttuchbanner mit eindeutigen Botschaften anführen wollten.

Einige Aktivisten scheinen aus guten Gründen auf eine Weltreise von Wien bis Indien aufgebrochen, andere sind dabei – motiviert durch interne Skandale (Männliche IB-Aktivisten sollen sich in Whatsapp-Gruppen über die verschiedenen Intimgerüche von weiblichen Aktivistinnen ausgetauscht haben) Alternativgruppen zu gründen.

Bis „zur Unberührbarkeit kontaminiert“

So ist von den einstmals spektakulären Aktionen nicht viel geblieben – außer vielleicht die permanenten Spendenaufrufe einiger Aktivisten, die den Aktivismus offensichtlich gut gebrauchen konnten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Und vermutlich auch noch ein wenig darüber hinaus.

Viele fragen sich nun, ob genau diese Konkurrenz beim Spendeneinsammeln zu einer Art Zerwürfnis zwischen der IB und ihrem einstigen größten Fan Götz Kubitschek führte, der sonst doch als Fachmann für die Vernetzung rechtsextremer Kräfte in die AfD hinein gilt. Wie dem auch sei: In einem Interview in der aktuelle Ausgabe der rechtsextremen österreichischen Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ (nicht zu verwechseln mit der deutschen Zeitschrift gleichen Namens, deren Chefredaktion der verdiente Prof. Ockenfels OP innehat) scheint Kubitschek seine einstige Kampftruppe fallen lassen: Bis zur Unberührbarkeit sei die IB „kontaminiert“ lässt er da wissen.

Die Zusammenstellung der IB als „mieser Cocktail“?

Dort wird Kubitschek zur Einstufung der IB durch den Verfassungsschutz als rechtsextrem befragt und lässt wissen:

„Manche Leute und Gruppierungen werden zu ‚weißen Billiardkugeln’ gemacht, mit denen dann andere Kugeln ins Loch gestoßen werden sollen – Sie kennen das Spiel, nehme ich an. Mit Blick auf die Identitären war das zu erwarten, es war ziemlich bald klar, dass diese Rolle genau dieser Bewegung zugedacht wäre. Jung, aktivistisch, die eine oder andere einschlägige Biographie von rechtsextremistisch zu identitär (…): Das sind die Zutaten für einen miesen Cocktail, und alle Beteuerungen und Alltagsbeweise für die völlige Friedfertigkeit haben nichts mehr retten können.“

Und er schließt daraus mit der für ihn und sein Umfeld typischen, selbstviktimisierenden Larmoyanz:

„Zum einen ist dieser wirklich gute Ansatz einer patriotischen, nicht-extremen und sehr kreativen Jugendbewegung nun bis zur Unberührbarkeit kontaminiert. Das bedeutet: Es wird nichts Großes mehr daraus. Zum anderen hat sich der Gegner durch diesen Umgang mit der IB ‚bis zur Kenntlichkeit entstellt’ – ein lehrreicher Vorgang.“

Woher auf einmal dieser Stimmungswandel Kubitscheks kam, ist nicht klar. Bekannt ist, dass der auf einem Bauernhof in Sachsen-Anhalt lebende, ehemalige Soldat im „konservativen Spektrum“ immer wieder als Spaltpilz wirkt. Besonders dann, wenn es um den stark umkämpften Markt des Spendensammelns und eventuell lukrativer Posten bei der AfD geht.

Finanzielle Konkurrenz zu „EinProzent“ oder geplante Karriere bei der AfD?

Beides könnte auch diesmal als Motiv für sein offensichtliches Fallenlassen der IB in Frage kommen: Steht doch die IB auf der Unvereinbarkeitsliste und spekulieren manche darüber, Kubitschek könnte zu dem Hofstaat des Björn Höcke gehören, mit dem er Ende des Monats in die Parteiführung stürmen möchte.

Aber auch finanzieller Neid könnte eine Rolle spielen: wie die Spenden- und Steuerskandale der letzten Monate zeigen, haben Aktivisten der IB ungeheure Summen an Spenden generiert – die allerdings nicht in Kubitscheks Spendensammelprojekt „EinProzent“ flossen.

Inhaltliche Differenzen oder gar Einsicht wird man – nach dem, was man von Kubitschek seit vielen Jahren kennt – in jedem Fall ausschließen können.