… eines von vielen Zitaten, mit denen derzeit eine Gruppe aus dem Umfeld des Bauernhofs von Schnellroda und der Identitären Bewegung Twitter mit Homo-, USA- und Israelhass überziehenden Kommentaren zuschüttet. In diesem Fall von dem Twitteraccount „uftrag“, dem Martin Sellner (der sich bislang allerdings in der Debatte sehr sachlich und korrekt verhalten hat) und André Poggenburg folgen. 

Auch unter den „freien Medien“ ist nicht nur alles Friede und Freude. Der Kampf gegen einen gemeinsamen Gegner verdeckte in der Öffentlichkeit oft die Differenzen, die zwischen den sehr unterschiedlichen Publizisten bestehen.

Gegen die „jüdische Weltverschwörung“

Was aber, wenn auf einmal klar wird, dass es eine dort eine – wenn auch nur am Rande wirkende – Gruppe gibt, die als Hautgegner nicht die Islamisierung und die linken Feinde unserer Demokratie und unseres Rechtsstaates ausgemacht hat, sondern die Juden und Katholiken, Israel, die USA, Steve Bannon und die offene freiheitliche Gesellschaft?

Was wenn diese Gruppe dann auch noch von sich glaubt, als einzige ganz orthodox die „Rechten Deutschlands“ zu repräsentieren, während ihr Einfluss im Sturzflug begriffen ist und sie verbal um sich zu schlagen beginnen wie die Antifa, aber im Stil der untergegangenen Seite „kreuz.net“?

Vorwürfe: Der Schwule hat Sex mit dem eigenen Hund

Hintergrund: Schon vor etwa 2 Jahren hatte die „Sezession“ einen Kommentar frei geschaltet, in dem behauptet wurde, ich hätte Sexualverkehr mit unserem Hund – erst nach Androhung rechtlicher Schritte wurde der Text von Jörg Kubitschek gelöscht – Dass er mir jetzt einen „hochempfindlichen Ton“ vorwirft, zeigt anschaulich, wie normal für das schwül-homophobe Sezessionsumfeld solch ein Stil zu sein scheint.

Und dann kommen immer wieder Ausdrücke, die zeigen, dass man in diesen  sich als eliär verstehenden Kreisen unsere Verfassung und die offene Gesellschaft ebenso verachtet wie bei den Islamisten:

„die liberale Witzfigur David Berger“ – „Der liberale Nestbeschmutzer David Berger!“ – „Liberale semitische Unzuchtsau“ …

Ich habe gestern Abend noch mit Oliver Flesch und Uta Ogilvie darüber gesprochen:

Nach Ausstrahlung dieses Live-Interviews, das versuchte versöhnliche Töne anzuschlagen, hat sich der Hass der „Neurechten“ auf Twitter noch einmal deutlich gesteigert.

Rechtsextreme Gewaltdrohungen schon seit 2012

Und für die vielen, die sich fragen, wie es mir damit geht: Ich bin solche Angriffe – sowohl von rehcts als auch von links – seit Langem gewöhnt. Viele meiner Vorträge zwischen 2012 und 2014 konnten wegen rechtsextremer Gewaltdrohungen nur unter Polizeischutz stattfinden. Vorausgegangen waren diesen Drohungen immer verbale Ausfälle, die den derzeitigen im Stil und Inhalt sehr sehr ähneln. Vgl, dazu: David Berger Schwuler Theologe wird bedroht im KstA und „Sie sind eine Schande für unsere Kirche!“ in SZ.

Unterscheidung der Geister

Und schließlich gilt es das Nützliche an solchen Debatten zu sehen. Sie tragen enorm zu einer „Unterscheidung der Geister“ bei. Ein Kommentator zu den Vorfällen bemerkte in diesem Sinne zu der hier beschriebenen Subkultur:

„Das sind für mich keine „eigenen Reihen“. Diese Leute treffen sich sowohl in Methodik als auch teilweise in dem, was sie bekämpfen, am äußerst rechten Rand mit den Antifa-Linken. Beide sind kollektivistisch Denkende, für die das Individuum nichts zählt. Daher gehören auch beide gleichermaßen bekämpft. Neurechte Solidarität ist hier fehl am Platz, sonst ist die Glaubwürdigkeit dahin.

Diese Scheidung der Geister findet derzeit auch bei der Identitären Bewegung hinter den Kulissen statt. Vor diesem Hintergrund sind die blank liegenden Nerven so mancher Protagonisten vielleicht besser zu verstehen. Mit dem Einschlagen auf Sündenböcke (Homosexuelle, Juden usw.) werden sie den Riss, der längst durch ihre „Bewegung“ geht, aber kaum aufhalten können. Ganz im Gegenteil.

Wikipedia: „Schuldkult“ ist ein politischer Kampfbegriff Rechtsextremer

Add.: Zum Thema Schuldkult sei hier die Wikipedia zitiert:

„Als „Schuldkult“„Schuld-Kult“ oder „Kult mit der Schuld“ bezeichnen vor allem deutsche Rechtsextremisten, Vertreter der Neuen Rechten und Rechtspopulisten die nach 1945 entstandene Erinnerungskultur zu den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands, besonders das Gedenken an den Holocaust. Dieser politische Kampfbegriff ist Teil eines Geschichtsrevisionismus, der die deutsche Verantwortung für die NS-Verbrechen und deren Folgen abwehrt, abwertet, leugnet oder verharmlost. Er stellt die Erinnerung an die NS-Zeit demagogisch als Unterdrückung Deutschlands dar, die künftige deutsche Generationen dauerhaft mit einer angeblichen Kollektivschuld belasten, ihren Nationalstolz demütigen und ihre selbstbestimmte Zukunft verhindern solle.[1] Damit verbunden werden die NS-Verbrechen oft gegen Kriegsverbrechen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg aufgerechnet. Mit der Verdrängung der NS-Zeit werden nationalistische politische Ziele angestrebt.“

In diesem Sinne habe ich mich energisch gegen die Verwendung dieses Begriffs in unserem Talk ausgesprochen.