Klerikale Rollenspiele: Als Marx und Bedford-Strohm das Essen an Obdachlose austeilten

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Kaffee aus der Thermoskanne - Marx wird zum Bekennerbischof, der für 10 Minuten Unter Armen lebt ,,, (c) Screenshot Youtub

„Heute mal in anderer Rolle“ (Bedford-Strohm) – Eine Rolle, die die Kirche glaubwürdiger macht? Ein Gastbeitrag von Dr. Juliana Bauer

Das Foto über dem PP-Beitrag vom 3.Mai „Kirche 2060 – Die (theologische) Revolution frisst ihre Kinder“ zauberte bei mir ein süffisantes Lächeln hervor: wie gerupft stehen die beiden „Repräsentanten“ der beiden großen Kirchen Deutschlands da und grinsen dumm-dämlich in die Kamera bzw. vor sich hin. Da macht das Foto vom 1.Mai in Domradio doch mehr „Mut“, auf dem sich die „führenden Repräsentanten“ (Domradio) mit weißen Küchenschürzen, der eine   lachend, der andere – fast etwas verschämt – schmunzelnd, der Öffentlichkeit darstellen…! Das Foto, vom evangelischen Landesbischof von Bayern, Bedford-Strohm, ins Netz gestellt und von Domradio sofort aufgegriffen und seiner Leserschaft präsentiert, wird durch Bedford-Strohms beigefügten Text erhellt:

„Kardinal Marx und ich heute mal in anderer Rolle: wir haben heute Mittag bei der Obdachlosenhilfe im Haneberghaus der Abtei Sankt Bonifaz in der Münchner Innenstadt Mittagessen ausgeteilt…“

Wauuu! Alle Achtung! Eine wichtige soziale Tätigkeit, von christlich-brüderlicher Nächstenliebe inspiriert. Oder? Die Interpretationen zu diesem speziellen, zwei- bis dreistündigen Engagement gehen auseinander. Mich jedenfalls schüttelte es, als ich die beiden Herren mit ihren Schürzen sah. Was mich auch veranlasste, dem Domradio einen entsprechenden Kommentar zu liefern. Aber immerhin: die beiden Groß-Repräsentanten erinnern sich mal wieder der „schon länger hier lebenden“ (Merkel) Menschen unseres Landes, insbesondere der in letzter Zeit immer häufiger durch noch nicht so lange hier Lebende traktierten und geschundenen Obdachlosen.

Doch möchte ich den PP-Lesern meinen Kommentar nicht ganz vorenthalten, der letztlich als Frage an die Redakteure des Domradio abgefasst war:

Sind Sie allen Ernstes der Auffassung, mit diesem Bericht über die ach so bedeutenden Repräsentanten der beiden großen Kirchen Deutschlands ein besonders leuchtendes rotes Röcklein bei den Gläubigen zu gewinnen?

Wenn mir ein Monatslohn von 12.000,- € in den Hintern geblasen wird wie dem wohlgenährten – und unwürdigen – Nachfolger des Hl. Korbinian von München und Freising (auch Bedford-Strohm wird mit mehreren 1.000 € mtl. abgefüllt), kann ich auch gerne mal „in anderer Rolle“ auftreten und den sozialen Menschen spielen.“

Staatsdiener statt Diener Gottes – Die Gehälter der kirchlichen Repräsentanten oder

„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“ (Mt 22,21)

Inzwischen machte ich mich mittels mehrerer Quellen über die Gehälter des Erzbischofs von München und Freising, Reinhard Marx, und des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm kundig. Und siehe da – der Landesbischof steht seinem katholischen Kollegen in Nichts nach: er darf sich jeden Monat über ein Gehalt von rund 12.289,- € freuen. Noch aufschlussreicher für mich war eine ganz spezielle Information über die umfangreichen Zuzahlungen, die Kardinäle aus dem Vatikan erhalten. Dass Marx als bayerischer Bischof von der bayerischen Staatsregierung ein Gehalt von rund 12526,- € erhält, dazu freies Wohnen im Palais Holnstein, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dass er aber als Kardinal überdurchschnittliche Zulagen und Prämien aus Rom erhält, die monatlich bis zu 10.000,- €, unter Umständen sogar bis zu 15.000,- € brutto, großenteils sogar steuerfrei, ausfallen können, dürfte vielen Katholiken unbekannt sein.

Da erhalten nun die Worte von Papst Franziskus für mich, dass der Titel des Kardinals der Titel eines besonderen Dieners Jesu Christi sei und nicht das Emporsteigen auf der Karriereleiter bedeute, einen üblen Geschmack: dient der Kardinalstitel nicht der Karriereförderung, so, nebst heiligen Zielen! wie der Bereitschaft zum Märtyrertum für Christus! doch auch der Sicherung des Mammons – denn auch bei vielen Dienern Jesu Christi gilt offenbar nach wie vor die alte römische Redewendung:  pecunia non olet = Geld stinkt nicht. Viele dieser „Gottesmänner“ vergessen wohl zu gern, was ihr Herr unmissverständlich darlegte: „Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen“ (Mt 6, 24).

Und was die Bereitschaft zum Märtyrertum für Christus betrifft – da sehe ich schwarz bei dem Erzbischof von München und Freising! Versteckte er doch schon sein Bischofskreuz auf dem heiligen Tempelberg zu Jerusalem vor den Musulmanen!

Marx und Bedford-Strohm spielen ihre Rolle

Nun denn:

„Kardinal Marx und ich heute mal in anderer Rolle: wir haben heute Mittag bei der Obdachlosenhilfe im Haneberghaus der Abtei Sankt Bonifaz in der Münchner Innenstadt Mittagessen ausgeteilt… … Musiker der Münchner Staatsoper haben wunderbare Musik gemacht“

Ein Rollen-Spiel also, wie ich Domradio schrieb:

„Ein Spiel für die Presse! Verlogen-pharisäisch! Sind Sie sich eigentlich nicht zu schade dafür, über solch lächerliche Spielchen zu berichten?“

Zu diesem Spiel passt auch die Musik der Münchner Staatsoper. Spielen Musiker der Staatsoper den obdachlosen Menschen an einem gewöhnlichen Wochentag manchmal auch, wenn der Erzbischof und der Landesbischof nicht anwesend sind? Machen sie diesen Menschen an einem normalen Wochentag mit ihrer Musik auch mal eine Freude? Ich würde es wunderbar finden, wenn mir die Musiker der Staatsoper oder die Brüder von St. Bonifaz diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten könnten.

„Heute mal in anderer Rolle.“ Ein Rollen-Spiel!

War es Ihnen so wichtig, Herr Bischof, Ihre Rolle dann unmittelbar im Netz zu veröffentlichen? War es Ihnen so wichtig, Ihrer beider Rolle in den Vordergrund der Öffentlichkeit zu spielen, „damit sie von den Leuten gesehen werden“?

Wie sagte doch Jesus von Nazareth, dessen Worte Matthäus überliefert, Jesus Christus, den Sie und der Erzbischof von München und Freising verkünden:

„Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden“, Mt 23,5. … „So auch ihr“ (wandte sich Jesus an die Schriftgelehrten – heute wohl an die Theologen): „Von außen scheint ihr vor den Menschen gerecht, aber innen seid ihr voller Heuchelei“, Mt 23, 28

Es liegt mir fern, die „Segensspuren“ der kirchlichen Arbeit, wie Bedford-Strohm das Engagement der Brüder von St. Bonifaz und der vielen ehrenamtlichen Helfer nennt, zu schmälern oder gar in den Dreck zu ziehen. Nein, ich habe vor diesen Menschen eine hohe Achtung. Ich kritisiere ebenso wenig, dass er diese so unendlich wertvolle Arbeit in die Öffentlichkeit rückt. Ich spreche ihm und seinem katholischen Amtskollegen auch nicht ab, diese Arbeit mit Spenden zu unterstützen.

Ich frage mich an dieser Stelle jedoch eines: spendet Marx den Brüdern von St. Bonifaz auch 100.000 Euro? Wie er zweimal 50.000 Euro für die so genannte Seenotrettung inclusive eines kriminellen Schlepperkönigs spendete? Was natürlich der Öffentlichkeit umgehend kundgetan wurde… (in diesem Fall aber betreffs der Information der Gläubigen richtig war)! Und sonst? Den Domradio-Redakteuren, deren Begeisterung für die so „andere Rolle“ der beiden Bischöfe in ihrem Bericht durchscheint, schlug ich vor, den Herrn Erzbischof doch einmal zu fragen

„…ob er um des Himmel Reiches und um vieler „bedürftiger“ Menschen willen auf 8.000 bis 9.000 € im Monat verzichten möchte? Für Rentner z.B., die 400,- € monatlich „ihr Besitz“ nennen dürfen oder für unverschuldet erwerbslos gewordene Menschen. Fragen Sie ihn!“

„Ich werde bezahlt wie ein Oberregierungsrat, das ist aber nicht mit dem Evangelium vereinbar“

In dem gesamten Kontext sei auf etwas verwiesen, was den oben zitierten Worten Jesu zu Staatsgewalt und Gottesreich diametral entgegensteht (Mt 22,21): Die Besoldung von Geistlichen der beiden großen deutschen Kirchen, die der von Staatsbeamten im höheren Dienst entspricht und der Besoldung von Regierungsräten und Oberregierungsräten gleichzusetzen ist. Diese Tatsache veranlasste einen mir überaus gut bekannten Pfarrer, nunmehr 90 Jahre alt, einst zu folgender Aussage:

„Ich werde bezahlt wie ein Oberregierungsrat, das ist aber nicht mit dem Evangelium vereinbar.“

Und er fügte im vertraulichen Gespräch hinzu, dass er deshalb das meiste seines Geldes denen zur Verfügung stelle, die es bräuchten. Was er tat.

Ein Mann, der nie viele Worte über sich machte. Der nicht danach fragte, was die anderen über ihn dachten, sondern half. Der nichts nach Ehre und Anerkennung fragte. Der auch Kritik seiner Amtskollegen beiseiteschob. Er öffnete sein Pfarrhaus für Gestrandete, die oft monatelang eine Unterkunft bei ihm fanden „das Haus ist ja groß genug.“ Er unterstützte viele Bedürftige, obdachlose Frauen und Männer, Menschen, die einfach Hilfe brauchten.

Finanziell trieb er, als er mit 75 Jahren in den Ruhestand ging, dem Ruin zu. Er hatte sich für andere Menschen hoch verschuldet und konnte sich nicht einmal mehr eine Wohnung leisten. In einem Kloster unweit seines alten Wirkungsortes fand nun er Aufnahme „die Schwestern hier sind meine Rettung.“ In einem kleinen Zimmer „aber mit einem herrlichen Ausblick.“ Seine Schulden beglich er von seinem monatlichen „Oberregierungsratsgehalt“ auf Heller und Pfennig – mit 89 Jahren war er schuldenfrei.

Nie verlor der Geistliche seinen Humor, seine Lebensfreude. „Wissen Sie“, sagte er mir einmal, „ich bereue nichts. Ich bereue es nicht, dass ich all diesen Menschen helfen konnte.“ Und noch heute besucht er, wenn es ihm die Kräfte erlauben, „seine“ Obdachlosen.

***

Quellen:

01.05.2019  DOMRADIO

Marx und Bedford-Strohm teilen Essen an Obdachlose aus

Mal in anderer Rolle

02 November 2017, Kath Net:

12.526 Euro im Monat für Kardinal Marx

  1. OKTOBER 2013, ntv

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