(David Berger) Was der „Spiegel“ gestern anfing, um die Wahl Harder-Kühnels zur Bundestagsvizepräsidentin zu verhindern, das setzt heute PI-News unter anderem Vorzeichen fort. Im Raum stehen Verdächtigungen, die Politikerin habe Gegner in den eigenen Reihen gehabt, die ihr eine zu große Näher zum „Flügel“ bzw. Björn Höcke unterstellten. Und so ihre erfolgreiche Wahl verhinderten.

Gestern berichteten wir im Zusammenhang mit der Nichtwahl Harder-Kühnels von einem Spiegel-Artikel, der auf äußerst demagogische Weise einige Stunden vor der Wahl – weiter nicht spezifizierte – Stimmen aus der AfD aufgetan haben will, die gegen eine Wahl Mariana Harder-Kühnels zur Bundestagsvizepräsidentin seien, da sie dem „Flügel“ zu nah stehe, kurzum zu rechts sei.

Belege dafür hatte die Spiegel-Autorin natürlich nicht – außer so Abstruses wie die Tatsache, dass es ein Foto gibt, auf dem Harder-Kühnel neben Markus Frohnmaier und zwei Mitgliedern der „Jungen Alternative“ zu sehen ist.

Hat eine unseriöse Quelle wirklich so viel Aussagekraft?

Etwas erstaunt stellten dann doch viele Leser von PI-News fest, dass dort heute Morgen eine ähnliche These ventiliert wird. In dem Artikel heißt es:

„Das ist umso wichtiger, weil kurz vor der dritten Abstimmung das linke Kampfmagazin „Der Spiegel“ anonyme Stimmen aus der AfD-Fraktion zitierte, die sich gegen ihre eigene Kandidatin ausgesprochen und sie in Zusammenhang mit Björn Höcke und dem „Flügel“, also der nationalen Strömung in der Partei gebracht haben sollen. Spätestens seit dem Relotius-Skandal ist „Der Spiegel“ weiß Gott keine seriöse Quelle mehr. Es kann also sein, dass in übelster Weise von dieser Seite die Abstimmung beeinflusst wurde.“

Die letzten zwei Sätze haben es in sich, ist der letzte Satz doch missverständlich und könnte aussagen: Weil der „Spiegel“ keine seriöse Quelle für so etwas ist, hat er die ganze Sache nicht ebenso erfunden – wie damals die Gewaltdrohungen von AfD-Politikern im Bundestag -. Vielmehr kann er recht haben und kann sich tatsächlich auf Beschwerdeführer aus der AfD berufen. Eine seltsame Logik, die offensichtlich dazu dienen soll, die „Liberalen“ bzw. Höcke-Kritiker in der AfD zu beschädigen.

Fraktionsausschlüsse gefordert

Und dann weiter im PI-Artikel:

„Leider spricht jedoch einiges dafür, einer oder sogar mehrere Mitglieder der AfD-Fraktion könnten für einen solchen Parteienverrat tatsächlich verantwortlich sein. Wer die jüngsten Ereignisse in der bayerischen AfD-Fraktion verfolgt hat, wird das nicht ausschließen können. Und dass Harder-Kühnel ausgesprochene Feinde im hessischen Landesverband hat, ist auch bekannt. Deshalb muss die Fraktionsführung in Berlin unbedingt klären, wer der eigenen Kandidatin das Messer in den Rücken gestoßen haben könnte. Und wenn sich das klären lässt, müssen diese Person bzw. Personen aus der Fraktion ausgeschlossen werden.“

Auch hier werden – unter dem Pseudonym „Robert Anders“ – lediglich Vermutungen geäußert, Ross und Reiter nicht genannt. Lediglich die Behauptung, dass eine prominente Politikerin auch Kritiker in den eigenen Reihen hat, sagt noch gar nichts darüber aus, ob diese eine solch wichtige Situation wirklich genutzt haben, um gegen Harder-Kühnel zu agieren.

Aber die Intention des Schreibers wird bereist hier überdeutlich: Dem „linken“, zu „liberalen“ Teil der AfD soll die Schuld an der Wahlniederlage Harder-Kühnels in die Schuhe geschoben werden.

Vermutungen, die den Politikern der Altparteien nutzen

„Robert Anders“ agiert hier kaum seriöser als der „Spiegel“. Außer dass gleich auch noch – aufgrund purer Vermutungen – Fraktionsausschlüsse gefordert werden. Hinzukommt, dass eine solche Diskussion den Politikern der Altparteien, die derzeit wegen ihres Wahlverhaltens enorm unter Druck geraten (selbst die „taz“ kritisiert die Ablehnung Harder Kühnels hart), gerade recht kommt, um von ihrem eigenen Fehlverhalten abzulenken.

Liebe PI-ler, Ihr nehmt wegen Eurer erfolgreichen, sauberen, seriösen und journalistisch qualitätsvollen Arbeit unter allen freien Medien eine besonders anerkannte Stelle ein. Macht Euch diese bitte nicht durch solch einen Spiegel-Journalismus kaputt. Wir alle brauchen Euch noch!

Update 09.04.19, 10h: Inzwischen mehren sich die Informationen, dass an der Kritik von PI-News tatsächlich etwas dran ist. Offensichtlich handelt es sich um drei hessische AfD-Bundestagsabgeordnete, darunter einen bekannteren, die aktiv gegen die Wahl von Harder Kühnel Stimmung gemacht haben. Wenn dem so war, dann darf man darüber auch berichten, auch das der AfD schadet.