Samuel P. Huntington hat vor über 25 Jahren die These vom Kampf der Kulturen in die öffentliche Debatte gebracht. Sie besagt, dass internationale Konflikt in Zukunft entlang von kulturellen, insbesondere religiösen Allianzen verlaufen werden. Es wird Zeit, dass wir seine Schlussfolgerungen wieder ernstnehmen. Ein Gastbeitrag von Achill Patras

Im Sommer 1993 verfasste Huntington einen ersten Artikel über seine These, nach der die Existenz der einen Weltzivilisation Unsinn sein. Interessanterweise stieß besonders in der islamischen Welt die These von wetteifernden Zivilisationen auf offene Ohren. Denn sie repräsentiert zentrale islamische Glaubensätze vom Haus des Friedens (Islam) und Haus des Krieges (Welt der Nicht-Muslime), das noch von den Muslimen erobert werden muss.

Im „Westen“ war das Konzept dagegen sehr umstritten. Insbesondere Linke träumten seit 1989 vom „Ende der Geschichte“. Alle Unterschiede zwischen Menschen sind nach linker Vorstellung ausschließlich strukturell-ökonomischer Natur. Jegliche Ungleichheit oder Fehlentwicklung wie Kriminalität ausschließlich das Resultat von Diskriminierung. Der Einfluss von gesellschaftlicher Prägung, Geschichte und Religion auf menschliches Verhalten ist nach dieser Vorstellung vollkommen konstruiert.

Dass eine gemeinsame Geschichte und Religion sehr wohl eine entscheidende Rolle spielt, muss man dagegen Konservativen und Patrioten nicht erklären. Aber die Thesen von Samuel P. Huntington spielen in patriotischen Diskursen und organisatorischer Praxis kaum eine Rolle mehr.

Der Kalte Krieg ist auch in der Bündnispolitik vorbei

Vielmehr sind Überlegungen zu einer europäischen Bündnispolitik meist von einem Kalten Krieg-Denken der 80er Jahre bestimmt. Sollte ein patriotisches Europa lieber mit Trump oder Putin paktieren? Oder am besten ganz alleine bestehen? Autoren die in einer Ost-West Logik verhaftet sind, haben allerdings den Ernst der Lage nicht erkannt. Die demographische Katastrophe rollt auf uns zu und es wird höchste Zeit für eine neue Bündnispolitik.

Eine alternative Außenpolitik muss dabei patriotische Überzeugungen auf eine internationale Ebene übersetzen können. Neben interessegeleiteten Bündnissen, die hier nicht diskutiert werden sollen, muss Europa auch feste und dauerhafte Allianzen entwickeln.

Die Ameropa Allianz

Die naheliegendste Allianz für Europa wäre dabei nicht nur eine fortgeführte Allianz mit den USA, sondern auch ein Ausbau der Kooperation mit Lateinamerika. Die Vorteile dieser Ameropa-Allianz liegen in drei essentiellen Punkten.

Europäische Sprache und abendländische Prägung

So herrschen im gesamten Doppelkontinent Amerika europäische Sprachen als Muttersprachen vor. Nur in Bolivien und Peru dominieren in Teilen der Bevölkerung indigene indianische Sprachen. Zudem war sowohl Nord- als auch Südamerika über mehrerer Jahrhunderte europäisch regiert und abendländisch kulturell geprägt. Während Gutmenschen glauben, Werte in einwöchigen Integrationskursen vermitteln zu können, ist im Falle von den Amerika von einer sehr nachhaltigen europäischen Prägung auszugehen.

Religiöse Bande – der katholisch-geprägte Kontinent

Während viele Länder der Welt durch den europäischen Kolonialismus geprägt wurden, ist in beiden Amerikas auch die Religion der europäischen Zivilisation das Christentum fest verankert. Südamerika ist dabei immer noch der katholische Kontinent schlechthin, auch wenn die Kirche hier viele Austritte beklagen musste.

Rom und der Papst spielen für Südamerika eine wichtige Rolle, wenn auch der aktuelle argentinische Papst keine positive Rolle für Europa spielt. Eine starker Faktor in den meisten amerikanischen Staaten sind zudem protestantische Kirchen, insbesondere Freikirchen. Diese spielten auch eine gewichtige Rolle bei der Mobilisierung für die Wahl des neuen Rechten Präsidenten Brasilien Jair Bolsonaro und dessen Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt. Israel erhält aktuell aus dem fernen Brasilia mehr politische Unterstützung als aus Berlin. Ein Armutszeugnis für uns Deutsche.

Ethnische Abstammung – Sind europäische Auswanderer keiner Europäer mehr?

Während europäische Sprachen und das Christentum auch im Südlichen Afrika vorherrschend sind, ist die Bevölkerung Südamerikas zudem mehrheitlich europäischer Abstammung. Dabei gibt es sowohl alt-spanische und alt-portugiesische Abstammung aus den ersten Jahrhunderten der europäischen Besiedlung ab 1500, als auch große Auswanderungsgruppen aus Süd-, West und Osteuropa im 19. und 20 Jahrhundert.

In Staaten wie Brasilien, Venezuela, Paraguay und Argentinien gibt es eine signifikante Anzahl von Nachfahren deutscher Auswanderer, die zum Teil sogar die deutsche Sprache erhalten haben.

Die hier kurz skizzierten engen Bande zwischen den drei Kontinenten spielen in den aktuellen Diskussionen im patriotischen Lager leider kaum eine Rolle. Dabei scheint es eigentlich unlogisch nicht von einer einheitlichen oder zumindest verbundenen Zivilisation zu sprechen.

Die innereuropäischen Unterschiede zwischen dem Jahrhunderte osmanisch besetzten orthodoxen Griechenland und dem katholischen Irland sind deutlich größer als zwischen Italien und Argentinien, welches eine italienisch-stämmige Bevölkerung von über 50% hat. Dabei wird sogar von der neurechten Identitären Bewegung richtigerweise eine pan-europäische Identität von Griechenland bis Irland propagiert. Warum sollten wir als Patrioten dann keine enge Allianz mit Südamerika forcieren?

Intensivierung der Kooperation notwendig

Zudem stellt sich die Frage, ob Europa auf Dauer auf solche Verbündete verzichten kann. Dabei stellt Lateinamerika ein großes Potential für relativ leicht integrierbare Einwandergruppen nach Europa da, die die demographische Katastrophe abwenden könnten. Dabei ist natürlich nicht die Rede von illegalen Einwanderern aus gescheiterten Staaten Mittelamerikas, die versuchen die US-amerikanische Grenze zu stürmen.

Die wirtschaftliche Kooperation ist zum gegenseitigen Nutzen ausbaufähig und wird hoffentlich durch den Abschluss eines neuen Freihandelsabkommens mit dem Mercosur Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) intensiviert. Wichtigstes Bindeglied zwischen Europa und den Amerika bleibt aber der christliche Glaube und als wichtigste Institution die katholische Kirche.

Auch dies ist ein wichtiger Grund, das christliche Erbe Europas nicht aussterben zu lassen. Die Wahl Bolsonaro zeigt, dass die konservative Welle auch Lateinamerika erfasst hat. In Zukunft wird es für Patrioten also immer mehr Kooperationsmöglichkeiten mit Lateinamerika geben. Die Geschichte der ameropäischen Zivilisation hat gerade erst begonnen.

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