(David Berger) Stellen Sie sich vor, Sie engagieren sich seit Jahren gegen Gewalt und Missbrauch von Kindern in der muslimischen Welt in den sozialen Netzwerken. Und erhalten dann auf einmal eine Anzeige, die besagt, Sie würden Gewalt verherrlichen und Kinderpornographie verteilen. So erging es der AfD-Politikerin Laleh Hadjimohamadvali. Vielen ist sie sicher von ihren Reden bei Frauenmärschen bekannt. Ich habe mit ihr über das Vorgefallene gesprochen. (Update am Ende)

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Liebe Frau Hadjimohamadvali, Sie müssen sich am 19. Dezember vor Gericht verantworten. Sie haben immer so einen freundlichen, seriösen Eindruck auf mich gebracht. Wie kommt es, dass Sie nun anscheinend kriminell wurden?

Meine Mutter und ich sind 1986 nach Deutschland geflohen, nach dem gegen sie ein Hinrichtungsbefehl erlassen worden ist. Das hat sie aus der Zeitung erfahren. Das Jahr vor der Flucht haben wir uns innerhalb des Irans, elf mal jeweils woanders versteckt. Jedes Mal haben uns die Basidji gefunden und zu meinem Vater zurück gebracht. Somit wurde mir der Kampf gegen Ungerechtigkeit in die Wiege gelegt.

Aber das ist eben der Iran und nicht Deutschland

In Deutschland sehe ich schon lange viele Parallelen. Deutschland verwandelt sich wie einst der Iran. Wenn die Menschen hier den Islam haben möchten, so sollten sie alle seine Seiten kennen lernen. Aus diesem Grund versuche ich mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen aufzuklären, denn die Zeit lässt sich nicht mehr zurück drehen, wenn das Land einmal Islamisiert worden ist.

Worum geht es jetzt bei den Vorwürfen gegen Sie genau?

Bei dem Strafverfahren geht es um angebliche Internetvergehen, einmal um ein Video, das eine Sharia-Hinrichtung auf einem öffentlichen Platz zeigt. Dazu kann ich nur sagen, dass ich selbst im Iran Zeuge von einer öffentlichen Bestrafung geworden bin. Dabei sind ein Mann und eine Frau ausgepeitscht worden. Für mich war das somit eine alltägliche Sache, die ich eben selbst aus der Heimat kenne. Diese Aufklärung betitelt man nun als Gewaltverherrlichung, wo doch jedes PC-Spiel bei weitem gewalttätiger ist.

Es steht aber noch ein anderer Vorwurf im Raum, der tatsächlich sehr schwer ist.

Ja, es geht um angebliche Verbreitung von Kinderpornos. Dabei warne und kläre ich seit vielen Jahren vor Kindesmissbrauch auf. Auf dem geteilten Bild ist ein orientalisch bekleideter Mann zu sehen, der sich an eine Wand lehnt und ein ebenfalls bekleidetes Kind in gebeugter Haltung. Das Gesicht von dem Kind ist nicht zu sehen. Man sieht es von hinten. Irgendwelche sexuellen Handlungen sind nicht erkennbar, schon gar nicht auf pornographische Weise.

Das Kleinkind hat eine Art gebeugter Haltung. Ich denke, nur ein Pädosexueller kann auf dem auf Facebook geteilten Bild Kinderporno entdecken. Ich sehe Leid, Missbrauch, Gewalt und Unterdrückung eines Kindes, wehrlos, ohne eine Stimme, ohne Schutz und ausgeliefert.

Also nichts dran an dem Vorwurf?

Was für ein unsinniger Vorwurf an mich! Wer illegale Kinderpornographie verbreiten will, macht das sicher nicht öffentlich auf Facebook! Wer wäre ich, wenn ich genau diesen Kindern nicht eine Stimme geben würde? Wenn ich nicht für sie Partei ergreifen wurde, weiß ich doch durch meine Herkunft zu gut über ihr Leid Bescheid. Nur ein Unmensch kann mich dafür verurteilen. Ein Mensch würde für die Befreiung dieser unschuldigen Kinder kämpfen.

Wie geht es nun weiter?

Kaum hatte meine Anwältin Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt, kam schon ein Gerichtstermin. Ich werde weiterhin für die Freiheit, Frieden und Frauenrechte kämpfen, bin ich doch ohne diese Dinge im Iran aufgewachsen.

Wie kann der Einsatz für Frieden und Menschenrechte strafbar sein?

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Update 10.12.18: Die AFD-Aktivistin Leyla Bilge ruft für den Tag der Gerichtsverhandlung am 19. Dezember 2018 um 13 Uhr zu einer Protestaktion auf (Franz-Josef-Röderstr. 13, Saarbrücken).

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