(David Berger) Immer häufiger greifen betroffene Privatpersonen zum Selbstschutz und zum Schutz ihrer Kinder, aber auch um andere zu warnen, zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Wo die Polizei dann scheinbar den Täter- vor den Opferschutz stellt, entsteht ein verhängnisvoller Teufelskreis.

Gestern berichteten wir von dem raschen Fahndungserfolg der Polizei im Falle des sexuellen Missbrauchs eines zwölfjährigen Mädchens durch einen Immigranten aus Ghana im Regionalexpress von Freiburg nach Mülheim.

Täter konnte durch „Fahnungsfotos“ der Mutter rasch gefasst werden

Die Freude über diesen raschen Erfolg wird allerdings überschattet durch ein Verhalten der Polizei bei den Ermittlungen, das viele Menschen nicht verstehen:

Die Polizei war vor allem auch deshalb so rasch erfolgreich, weil die Mutter der 12-Jährige eine Art Hilferuf auf Facebook mit Fotos von dem Verdächtigen gepostet hatte, der sich unglaublich rasch verbreitete.

Obwohl Facebook das Foto schon nach kurzer Zeit als mit den „Gemeinschaftsrichtlinien“ unvereinbar gelöscht hatte.

Die Freiburger Polizei, die in letzter Zeit immer wieder durch sehr bizarre Aktionen auffiel, warnte daraufhin statt vor dem Täter, vor solchen Privatfahndungen:

„Die Veröffentlichung von Porträtfotos ohne Einverständnis des Abgebildeten sei eine Straftat und auch das Teilen solcher Inhalte sei problematisch.“ – so auch die Lokalpresse.

Offensichtlich noch während der Täter auf freiem Fuß und damit eine Gefahr für weitere Kinder war, ließ die Freiburger Polizei auf Facebook wissen: „Auf Facebook kursiert derzeit ein Fahndungsaufruf samt Lichtbild des Gesuchten. Wir weisen an dieser Stelle darauf hin, dass das Veröffentlichen von Portraitfotos ohne Einverständnis des Abgebildeten eine Straftat darstellt und auf Strafantrag durch die Polizei verfolgt wird.

Die Öffentlichkeitsfahndung im Internet samt Lichtbild des Gesuchten obliegt der Polizei und Staatsanwaltschaft und wird nach Beschluss eines Gerichts durchgeführt.

Auch das Teilen eines entsprechenden Beitrags kann bereits eine Veröffentlichung darstellen.“

Juristisch argumentiert die Polizei hier sicher unanfechtbar, aber praktisch hat dies zur Folge, dass es teilweise zu Verzögerungen um bis zu einem Jahr bei der Fahndung mit Fahndungsbildern kommt. Böse Zungen behaupten sogar, dass dies besonders bei bestimmten Tätergruppen der Fall ist. Was solch ein Täter innerhalb eines Jahres weiter an Leid verursacht, kommt hier nicht vor.

Wenn die Opfer zu Straftätern erklärt werden

Für diese Warnaktion wurde das Foto der Mutter des Opfers benutzt, so dass diese auch öffentlich von der Polizei getadelt wurde. Zugleich wurde allen mit dem Strafrecht gedroht, die durch das Teilen des Aufrufs der Mutter bei der Suche nach dem Täter halfen und zugleich potentielle weitere Opfer und deren Eltern warnten!

Sicher ist dies von der Polizei nicht beabsichtigt, psychologisch aber ist völlig klar, welche Folgen solche Aktionen der Polizei haben: Potentielle Opfer werden weiter eingeschüchtert, die Tätergruppen können sich freuen, so viel Schutz zu erhalten. Eine Strategie, die in keiner Weise präventiv gegen weitere Verbrechen wirkt!

Statt darüber nachzudenken, warum die Menschen in Deutschland immer mehr die Eigeninitiative ergreifen, um sich und ihre Kinder zu schützen, macht sich also die Polizei Freiburg vor allem Sorgen um den Schutz der Daten und Privatsphäre des (vermutlichen) Täters. Das mag rein juristisch gesehen nicht falsch sein. Aber es dürfte das rasch voranschreitende Schwinden des Vertrauens in die Polizei und Justiz weiter vorantreiben. Ein Desaster für einen Rechtsstaat.

***

Sie wollen die Arbeit von PP unterstützen? Dann ist das hier möglich:

PAYPAL

… oder auf Klassische Weise per Überweisung:

IBAN: DE04 3002 0900 0803 6812 81
BIC: CMCIDEDD – Kontoname: David Berger – Betreff: Spende PP