(Ramin Peymani) Der Deal steht. Zwar muss er noch vom britischen Parlament abgesegnet werden, doch ist der mehrere Hundert Seiten starke Entwurf für den EU-Austritt des Königreichs offenbar ein Kompromiss, mit dem alle Beteiligten gut leben können.

Großbritannien wird demnach Herr seiner Fischereipolitik, scheidet als EU-Finanzier aus und darf die Einwanderung nach eigenen Vorstellungen regulieren. Monatelang hatte Premierministerin May dem Sturm standgehalten, der nicht nur aus dem beleidigten Europa, sondern auch aus den eigenen Reihen kam.

Einen Minister nach dem anderen hat sie dabei gehen sehen, manch enge Vertraute gar wie Innenministerin Amber Rudd oder “Brexit”-Minister David Davis.

Großbritannien und EU sagen sich im kommenden Frühjahr Lebewohl

Am Mittwoch präsentierte sie nun voller Stolz das Dossier: Großbritannien und EU sagen sich im kommenden Frühjahr Lebewohl. Zwar beinhaltet der Deal keine harte Trennung, wie sie mancher Hardliner in Mays konservativer Partei gerne gehabt hätte, doch darf mit Fug und Recht behauptet werden, dass sich das Kämpfen für die zwischenzeitlich in Nöte geratene Regierungschefin gelohnt hat.

Theresa May gab die “Eiserne Lady”, wobei sie ihr Vorbild Margaret Thatcher niemals wird erreichen können. Schon ihr ungelenker Gang steht dem im Weg. Während die echte “Eiserne Lady” stets aufrecht und mit festem Schritt den Saal betrat und schon durch ihr Mienenspiel die versammelte Männerriege einzuschüchtern wusste, schleicht May eher heran, immer eine Spur zu freundlich. Offensichtlich hat sich ihre Maxime, Brüssel nicht um jeden Preis vor den Kopf zu stoßen, aber nun ausgezahlt.

Es gab keine Alternative: Die Europäische Union braucht einen geordneten “Brexit” noch mehr als Großbritannien

Beide Seiten wussten, dass es keine Alternative zu einem anständigen Miteinander geben würde, wollte man den Kontinent nicht durch zu viel Sturheit in eine Krise stürzen. Dabei braucht die Europäische Union einen geordneten “Brexit” noch mehr als Großbritannien.

Denn während die Briten durch ihre enge Allianz mit den Vereinigten Staaten und den schier unerschöpflichen Nachschub an Arbeitskräften aus den Commonwealth-Staaten relativ unabhängig von den Launen Europas sind, schmerzt Brüssel der Verlust eines der größten EU-Nettozahler ebenso sehr wie der Wegfall von mehr als 66 Millionen Einwohnern, was nicht nur die Gesamtbevölkerung der Europäischen Union auf unter 450 Millionen drückt, sondern auch den Verlust enormer Wirtschaftskraft bedeutet.

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