Die AfD Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst, Kuratorin der Stiftung „Magnus Hirschfeld“ wird von Bild als „homophobe Hetzerin“ bezeichnet. Das Transteam von Philosophia Perennis fasste allen Mut zusammen und war beim Interviewtermin mit dabei.

Axel Hochrein, der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes LSVD, hat Nicole Höchst gar als „vollkommen homophob und transgenderfeindlich“ bezeichnet. Gut, dass ich eine transsexuelle Frau bin und mit dem, aus der Genderideologie stammenden Begriff „transgender“ so gar nichts anfangen kann.

Ich bin nicht jenseits meines biologischen Geschlechts. Ich habe einen XY Chromosomensatz und ein Gehirn, das unter einem CT zeigt, dass es genauso arbeitet, wie das jeder anderen Frau. Blöde Kombination, zugegeben. Aber das sucht man sich nicht aus. Und es bleibt so – ein Leben lang, unveränderlich.

Der LSVD entdeckt transsexuelle Menschen – und instrumentalisiert sie sofort

Der den Grünen und Linken nahestehende „Lesben- und Schwulenverband Deutschlands“ hat jetzt das Interesse für die Vertretung von transsexuellen Menschen entdeckt. Kein Wunder, mit der „Ehe für alle“ ist ja das letzte seiner Themen abgehakt und es wäre ja schade um die vielen staatlichen Mittel, wenn die woanders hingehen würden. Gefragt hat uns übrigens keiner, ob wir vom LSVD vertreten werden wollen.

Zu bieten hat der LSVD für uns gar nichts. Im Gegenteil. Wir werden auf seiner Seite als „Transgender“ angesprochen. Eine Anrede auf die viele transsexuelle Menschen zickig reagieren. Und ich glaube auch nicht, dass intersexuelle Menschen das so toll finden. Und uns in eine Gruppe zu werfen ist eine Dummheit. Wir haben unterschiedliche Nöte. Aber vermutlich haben die politisch gut vernetzten LSVD Leute schon längst ihren Claim abgesteckt.

Nein, feindlich werden wir nicht empfangen

Auch Nicole Höchst ist für das Thema zuständig. Sie sitzt für die AfD im Familienausschuss des Bundestages und sie engagiert sich bei LGBT Themen. Sie ist u.a. Schirmherrin der „Alternativen Homosexuellen“.

Und so besucht sie das Transteam, zusammen mit der PP Redaktion, in Ihrem Büro im Bundestag und ist gespannt, wie es auf „transgenderfeindlichem“ Gebiet so ist. Ob es sich anfühlt, wie in einer der vielen NoGo Zonen für transsexuelle Menschen hier in Berlin? „Isch piss auf Disch“ – so hört es sich oft an, wenn es transfeindlich wird.

Nein, feindlich werden wir nicht empfangen. Im Gegenteil, sehr freundlich, von lachenden, offenen Gesichtern, nicht mal die Spur von negativen Schwingungen.

Wie weit die Genderideologie bereits in den Alltag vorgedrungen ist, wird bereits in den ersten Minuten deutlich. Auch Nicole Höchst verwendet bei trans-Themen wie selbstverständlich den Begriff „transgender“. Und dann wird es sofort spannend. Sie erzählt, wie sie während der Kindergartenzeit ihrer großen Tochter zum ersten Mal mit dem Thema trans konfrontiert wurde. Ein „Junge“, der, wie sie es beschrieb, sich als Mädchen fühlte und sich immer noch so fühlt“. Und, so Höchst weiter, „das war das Gute, im Kindergarten so angenommen wurde.“

„Ja, da brauchen wir noch mehr Akzeptanz, damit dieses Einzelschicksal auch seine Freiheitsrechte genießen kann“ ist die Schlussfolgerung, die sie für sich aus dem Erleben gezogen hat. Und damit sorgt sie für eine Riesenüberraschung. Denn das passt in keiner Weise zu den über sie und die AfD im allgemeinen verbreiteten Vorurteilen.

Zu dem „Jungen“ hat sie jetzt, im Alter von 13 Jahren, immer noch Kontakt und sie beschreibt einen Konflikt, wie ihn viele Transsexuelle kennen. Das Verhalten ist seit der Kindergartenzeit konstant, aber die Eltern zwingen „ihn ein Bub zu sein.“ Und das, so Höchst, sei nicht richtig.

Unter Transsexuellen absolut mehrheitsfähig

Sie schließt dann sofort den Kreis, indem sie das einordnet. So wichtig Einzelschicksale seien, es könne nicht sein, dass man wegen dieser geringen Anzahl von Betroffenen alle verunsichern würde. Kinder, gerade in dieser wichtigen Entwicklungsphase, hätten einen Anspruch darauf, nicht unnötig verunsichert zu werden.

Es mag viele, die mit dem Thema nicht vertraut sind, überraschen: dieser Standpunkt von Nicole Höchst ist unter Transsexuellen absolut mehrheitsfähig.

Einig sind wir uns auch darin, dass der Missbrauch, den die Genderideologen treiben, die Bereitschaft der Menschen zu Toleranz und Akzeptanz, gerade auch von transsexuellen Menschen beschädigt.

Warum, so fragen wir die Abgeordnete, gibt man zwar 100 Millionen € pro Jahr für sinnlose Genderlehrstühle aus, hat aber nicht einmal 100.000 € für die Erforschung von medizinischen Fragen im Zusammenhang mit transsexuellen Menschen übrig?

Im Laufe des ganzen Abends erleben wir eine Abgeordnete, die nachfragt, Notizen macht, wieder nachfragt, selbst erklärt. „Vollkommen homophob und transgenderfeindlich“? Nur in Deiner Fantasie, Axel Hochrein. Werden Euch eigentlich die Zuschüsse gekürzt, wenn Ihr keine solchen Sätze abliefert?

Höchst zeigt viel Verständnis, Empathie und hat einen recht pragmatischen Standpunkt

Und sie kann zuhören. Wie läuft eine Hormonersatztherapie? Warum gibt es in Deutschland keine Behandlungsrichtlinien dafür, die klinisch erforscht wurden? Gerade bei den Themen, die ihr fremd zu sein scheinen, kommen jede Menge Nachfragen. Sie verschiebt das Ende des Interviews immer wieder nach hinten, draußen wird es schon langsam dunkel. Und das obwohl sie einen langen Sitzungstag im Bundestag hinter sich hat.

Sie erzählt, wie sie auf dem letzten CSD in Begleitung einer transsexuellen Frau unterwegs war. Und wir diskutieren weiter. Transsexuellengesetz, die Frage, warum während der Transitionsphase z.B. keine ordentlichen Ausweisdokumente ermöglicht werden und viele weitere Themen: von unserem eher konservativen Rollenbild, davon, dass sich praktisch alle transsexuellen Menschen klar als männlich oder weiblich einordnen, der Ablehnung von Unisextoiletten durch uns und über zahlreiche Alltagsprobleme einschließlich der Bedrohung durch transphobe Kulturen.

Höchst zeigt viel Verständnis, Empathie und hat einen recht pragmatischen Standpunkt: „Man kann helfen“, sagt sie, „das ist Nischenpolitik, aber eine, die keinem anderen weh tut.“

Und ergänzt:

„Das ist jetzt auch für mich ein Aha-Erlebnis. Vom Down Syndrom sind 60.000 Menschen betroffen, bei Transsexualität oder Intersexualität sind es jeweils rund 100.000 Menschen. Für die einen tun wir was, für die anderen nicht.“

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