Ein Gastbeitrag von Max Purschke

Mit einem Verweis auf das Konzept der Issue ownership beginnt Christian Stöcker im Spiegel eine Kolumne [1], die wiederholt, was sattsam bekannt ist: dass Parteien „davon profitieren, wenn „ihre“ Themen häufig auf der Agenda stehen, also in der medialen und heute natürlich auch der sozial-medialen Debatte häufig vorkommen.“

Dieser Binse aus der Aufmerksamkeitsökonomie ist mit Blick auf die bundesrepublikanische Parteingeschichte in der Tat schwer zu widersprechen. War die erste Regierungsbeteiligung der Grünen noch der momentanen Katastrophe von Tschernobyl geschuldet, verdanken sie ihren endgültigen Aufstieg von einer Friedens-, Umwelt- und Frauenbewegung zu einer Volkspartei der unablässigen Chronologie vom Waldsterben zum Klimawandel.

Vergleichbar hierzu das Phänomen der Piratenpartei, die nach dem NSA-Affäre 2013 als Projektionsfläche einer von der Politik vernachlässigten Diskussion um Datenschutz und Transparenz in das Parlament zog oder das stets zyklisch auftretende Umfragehoch von Linken und SPD nach Veröffentlichung des aktuellen Armutsberichts oder alljährlicher Steuerdebatten. Parteien und Medien agieren symbiotisch.

Die Frage, warum dieser eigentlich nicht weiter erwähnenswerte Zusammenhang erneut thematisiert wird, erscheint recht bald in Gestalt einer „beunruhigenden“ aktuellen Studie zur UKIP, die auch für die AfD Geltung beanspruchen könne und also selbstanklagend lautet:

 Sind also allein „die Medien“ schuld an der AfD?

Eine Frage im Gewand eines Urteils. Stöcker verkündet es wie folgt: „Sie tragen zweifellos dazu bei, mit Talkshoweinladungen, exzessiver Berichterstattung über einzelne Straftaten und so weiter.“

Will man diesen Zeilen nicht Hochmut oder eine geradezu groteske Verkennung der Realität zugestehen, indem man Stöcker unterstellt, er führe die Existenz einer Partei maßgeblich auf die Naivität seines Berufsstandes zurück, so bleibt nur, in ihr jenen inzwischen etablierten links-redaktionellen Dünkel zu erkennen, der 2015 eine Willkommenskultur entwarf, die dergestalt nie existierte, zwei Jahre lang in einer weitgehend alternativlosen, in auffälliger Verwandtschaft zum alternativlosen Tonfall regierungsamtlicher Äußerungen stehenden Diktion eine Folge historisch-zäsurhafter Ereignisse im Sinne pragmatisch zu bewältigender Zwischenfälle beschrieb und sich nun, ermüdet von der Routine, die immer gleichen Vorkommnisse kommentieren zu müssen, unwillig einer spannenderen Wirklichkeit zuwendet. So gesehen erweist sich Stöckers Ahnung von einer „Schuld“ der Medien als unfreiwillig richtig.

Unerträgliche linksmediale Beschwörung: Jeder terroristische Vorfall ein Einzelfall

Stöckers Begründungen werfen überdies zwei Fragen auf. Welche unausgesprochene Meinung reserviert er gegenüber einer Partei, die, wie er selber anführt auf Zustimmung eines jeden sechsten Bürgers zählen kann, dass er die Vertretung ihrer Positionen in gesellschaftlich Debatten schlechterdings thematisiert.

Erneut ein reichlich unverhohlen ideologisch daherkommender Subtext: Die Talkshoweinladung an AfD-Politiker als Zumutung, ihre Meinung als zu vernachlässigende Stimme im Diskurs der Ernstzunehmenden.

Ideologisch verwandt verhält sich hierzu die beklagte exzessive Berichterstattung über einzelne Straftaten. Setzt ein solcher Befund doch voraus, die (im letzten Jahr) in den Bereichen sexuelle Selbstbestimmung, Rohheit und Gewaltkriminalität durch Zuwanderung deutlich angestiegenen Fallzahlen ebenso wenig zur Kenntnis zu nehmen wie eine allseits beklagte, durch unzählige Einzelfälle dokumentierte Veränderung der öffentlichen Sicherheit – und damit letztlich auch der Freiheit des Einzelnen.

Unerträgliche linksmediale Beschwörung: Jeder terroristische Vorfall ein Einzelfall. Tiefgreifende Risse in einer Alltagskultur als zu vernachlässigende Nebenwirkung eines falsch verstandenen issue ownership zu deuten, eben hierin scheint erneut jene anhaltende „Verengung der Blickwinkels“ durch, die von der Otto-Brenner Stiftung vor nicht allzu langer einem Großteil der Medien attestiert wurde.

Statistik, die Hure der Wissenschaft

Gegen Ende noch wirft Stöcker noch ein Blick auf die Statistik, die Hure der Wissenschaft:

39 Prozent der Deutschen finden die Flüchtlingspolitik „sehr wichtig“, 69 Prozent Gesundheitspolitik und Pflege, 64 Prozent die Renten- und Sozialpolitik. Beim letzteren Thema zum Beispiel sind 67 Prozent mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden. Womit sollte man auch zufrieden sein, viel ist da ja nicht zu hören. Man muss ja ständig über Flüchtlinge reden. Die Regierung regiert an den Interessen der Regierten vorbei.

Dass immerhin mehr als ein Drittel der Bevölkerung der Flüchtlingskrise weiterhin eine Bedeutung zumisst, sollte erstaunen angesichts der kollektiven Gewöhnung an die nachhaltige administrativen Unfähigkeit der Regierung, Lösungen für ein Problem zu finden, das in seinem Ausmaß in der jüngeren Geschichte seinesgleichen sucht. Dass es gleichwohl nicht mehr eine Mehrheit der Bevölkerung ist, die bereit ist, ihr politisches Interesse einem Thema zu widmen, das seit nunmehr 4 Jahren von einer Partei monopolisiert wird, deren sprachlicher Rabulismus dazu geschaffen ist, Kultivierte trotz inhaltlicher Übereinstimmungen dauerhaft zu distanzieren, ist das eigentlich Bedenkenswerte.

Be einem zivilerem Auftreten könnte die AfD um die 30 % aller Stimmen holen

Es ist keine zu verwegene Behauptung, dass eine AfD mit zivilerem Auftreten um die 30 Prozent aller Stimmen auf sich vereinigen könnte. Und Gewöhnung und Fügung in die Macht der Umstände sollten nicht auf etwaige Akzeptanz schließen lassen, wie wiederum Umfragen zeigen. Zwei Drittel der Deutschen sprechen sich absolut oder eher für geschlossene Grenzen und gegen das aktuelle Bleiberecht aus; ([2]) die Mehrheit der Deutschen wünscht sich einen Untersuchungsausschuss zur Flüchtlinskrise ([3]). Und jeder zweite Deutsch glaubt mittlerweile nicht mehr, dass „Deutschland es schafft.“ ([4]) Insofern trifft Stöckers Fazit ungewollt einen wahren Kern: Die Regierung regiert an den Interessen der Regierten vorbei.

Zum Schluss der Kolumne wird auf ein sozialpsychologisches Experiment Serge Moscovicis verwiesen um die Strategie der maximalen Aufmerksamkeitsüberzeugung rechtspolpulstischer Minderheiten wie der AfD zu entdecken:

In dem Experiment sahen die Versuchspersonen eine Reihe von Dias in unterschiedlichen Blautönen. Bei jedem Dia sollten sie laut die Farbe benennen. In einer Gruppe platzierten Moscovici und seine Kollegen jeweils zwei Personen, die statt blau immer „grün“ sagten. Und siehe da: In mehr als acht Prozent der Fälle nannten nun auch nicht eingeweihte Versuchspersonen die blauen Dias „grün“.

Der Bürger als nicht eingeweihter Versuchspartner? Die Regierung Merkel als wissentlich dagegen Redende. Übertragen auf das regierungsamtliche Handeln seit nunmehr drei Jahren erweist sich diese Übertragung erneut als unbeabsichtigt richtig.

***

Quellen/Belege:

[1] http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/fluechtlingsdebatte-das-geheimnis-der-schreienden-zwerge-a-1221567.html

[2] https://www.stern.de/politik/deutschland/umfrage–zwei-von-drei-deutschen-lehnen-merkels-fluechtlingspolitik-ab-8124758.html

[3] https://www.cicero.de/innenpolitik/bamf-affaere-untersuchungsausschuss-fluechtlingskrise-bundesregierung-afd

[4] Infratest-Dimap

**

Zum Autor: Siehe dessen neuen Blog „Zu diesen Tagen“

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Das
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Der Vater der Relativitätstheorie hat bestätigt, dass doch nicht Alles relativ ist, dass es auch eine ewig geltende K o n s t a n t e gibt: „Die MEHRHEIT DER DUMMEN ist für alle Zeiten gesichert.“

Das
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Das

Relativieren macht Alles möglich. So verglich man die jetigen „Schutzsuchenden“ mit den Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem 2.Weltkrieg. Die rd. 14 Mio. konnten ja damals auch integriert werden. Das Geschichtsbild wird wie so oft durch Weglassen oder Überzeichnen nach der jeweils gewünschten Wahrheit geformt. (s. Fortstzg)

Enttäuschter AFD-Wähler
Gast
Enttäuschter AFD-Wähler

Es wird immer irrwitziger.

Nun gibt Gauland zu, Gepräche mit Maassen geführt zu haben.

@PP
Berichtet ihr darüber?

LISA
Gast
LISA

Es gibt einige Bürger, die eigentlich AfD wählen würden wegen der unglaublichen Migrations- und Sicherheitskatastrophe, es aber nicht tun, weil sie von der Nazipropaganda der Hetzer in den Parteien beeinflusst sind und bei jedem noch so kleinen Anschein von Nazi, werden sie unsicher, ob man sie wahlen kann. Man braucht sie aber alle um auf 30% zu kommen. Man muss aber hart in der Debatte bleiben.

bollo
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bollo

Das zeigt doch nur erneut, dass das Gros der Journalisten engstirnig und nicht lernfähig ist. Seit Jahren wird doch genau das praktiziert, was Stöcker hier fordert. Bei jeder Straftat wird die Herkunft verschwiegen, oft nicht einmal Statistiken werden erstellt. Dann wird relativiert. Egal um welches Thema es geht, am Ende landet man immer wieder beim Geld, das deshalb fehlt. Ob Pflege, Bildung …

Chris3003
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Chris3003
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Der Tenor des Artikels mag ja richtig sein, der Schreibstil ist es hingegen nicht! Was für ein pseudo-intellektuelles Geschwurbel!

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[…] David Berger […]

Tanzender Berg
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Tanzender Berg

Ein sanfteres Auftreten der AfD könnte uns in die österreichische Falle führen: Die FPÖ hat viele Stimmen bekommen, sitzt in der Regierung, außer ein paar Sprüchen hat sich die Politik nicht verändert. Es gibt keine Grenzsicherung, keine Zurückweisungen. Die Invasion geht unbegrenzt weiter. Die FPÖ hat sich vorbehaltlos zur EU bekannt und zum Resettlement (Einfliegen von Moslems und Afrikanern).

A. Schweitzer
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A. Schweitzer
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Weichgespültes Politikergeschwätz das Zusammenhänger verschleiert, antatt sie zu benennen gibt es schon zur Genüge und ist ein Grund für die drastischen Verluste die einige der etablierten Parteien bei den letzen Wahlen zu verzeichnen hatten. Ein erhöhter Bedarf daran existiert also eher nicht. Die Wähler wollen zunehmend Klarheit und Ehrlichkeit, Dinge also, die man dort mit der Lupe suchen muss.

Tinas Senf
Gast
Tinas Senf

Be einem zivilerem Auftreten könnte die AfD um die 30 % aller Stimmen holen

Sehe ich genauso. Der Ton macht die Musik und die Mitte muss angefixt werden. Alle rechten wählen sie sowieso.

Mopps
Gast
Mopps

Zivileres Auftreten? Qatsch mit Soße! Die Wahrheit gehört ungeschminkt und ohne Blatt vor dem Mund, auf brachiale Weise,angesprochen. Mit schönlabern und dummschwatzen,ohne Konsequenzen,wurde schon viel zu viel Zeit vergeudet. Probleme unbeschönigt anpacken und handeln.

So einfach ist das alles ;-)
Gast
So einfach ist das alles ;-)

Eine ganz einfache Grundregel:

Merke!
Wenn sich Antonia, Ralf und Heiko so richtig aufregen (Angst!), dann hat die AFD alles richtig gemacht.

Oder im logischen Umkehrschluss:
Immer wenn kaum Gegenwehr kommt und Themen sogar populistisch übernommen werden, hat die AFD etwas verkehrt gemacht.

Nun muss muss man nur noch raus kriegen, über wen und was sie am heftigsten hyperventilieren.

r.v.d.m.
Gast
r.v.d.m.
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Also, wenn alle Artikel die hier veröffentlicht werden, eine solche Rhetorik benützten, wäre die AFD bei 2 Prozent ! Herr Purschke was haben Sie studiert, Soziologie, Philosophie, Politik ? Jedenfalls ist das, was Sie teilweise schreiben, für normale Steuerzahler nicht mehr verständlich !

Emma
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Emma

Kann mich nicht erinnern das diese Regierung(en) mit Merkel als Kanzlerin je mal im Interesse des Volkes regiert haben.
Was wir brauchen sind Volksabstimmungen !

Wolfgang
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Wolfgang
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8% hört sich nach den statistisch signifikanten Farbenblinden an. Wurde die Stichprobe zufällig gewählt, so dass auch Farbenblinde da drin wären? Das könnte das (recht dünne) Ergebnis erklären (und nicht irgendeine Psycho-beieinflussungs-Paranoia!)!!!

Andreas Donath
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Andreas Donath

Weder halte ich die AfD mit ihrem hohen Akademikeranteil – die Bundestagsfraktion der Alternative ist z.B. akademischer als jede andere Fraktion – für eine unkultivierte Partei, noch meine ich, dass es kultivierte und unkultivierte Wahrheiten gibt. Die Wahrheit ist oft sehr simpel und wird in meinen durchaus kultivierten Kreisen vom gesunden Menschenverstand abgeleitet.

Nur noch AfD
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Nur noch AfD

„mit zivilerem Auftreten“ ist m.A. nach nicht notwendig. Sollen sich die Leute verbiegen, damit es paßt ? Sind die Wähler etwas Besonderes damit man sie nur gewinnt wenn man ihnen Honig ums Maul schmiert ? Das kennen wir zur Genüge. Geht es nicht um den Wähler ? Weiß er nicht was auf ihn zukommt ? Der Deutsche wird untergehen wenn er weiter solche kindischen Probleme hat.

Tanzender Berg
Gast
Tanzender Berg

„BE EINEM ZIVILEREM AUFTRETEN KÖNNTE DIE AFD UM DIE 30 % ALLER STIMMEN HOLEN“ Die AfD tritt im großen und ganzen sehr zivil und zugleich mit klarer und verständlicher Sprache auf. Das sollte sie genau so weiter machen. Ein paar Spinner muß man ausschließen. Weichgespültes Blabla würde der AfD nichts nützen.

Oneiroi
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Oneiroi

Interessantes Experiment, bei Psychosachen schau ich gern mal genauer rein. Der Unterschied zur Piratenpartei ist, das man Internettransparenz nicht jeden Tag sieht und mangelnde Internettransparenz in der Regel keinen mit einem Messer bedroht oder vergewaltigt. Merkelblöcke, ein anderes soziokulturelles Stadtbild und selbstauferlegte Augangssperren sind deutlicher sicht- und spürbarer.

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[…] Ein Artikel von David Berger […]

Johann Sajdowski
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Johann Sajdowski

Zwar sehr vollmundig geschrieben – bis hin zur vermaledeiten „Binse“ -, aber inhaltlich nichts Neues. So what?