Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Die Tagesschau suggeriert durch den inszenierten Pokerface-Gesichtsausdruck ihrer Sprecher, dass diese nur Vorleser sind. Die Verantwortlichen für Manipulation sitzen hinter den Kameras. Denkt man.

Akif Pirinçci tut bisweilen gut. Vor allem dann, wenn man durch die schwabbelige, verdeppernde Sülzensprache der demokratiesichernden Öffentlich-Rechtlichen intellektuell wie ein Tanzbär an der Nase herumgeführt wird und die Luft der Wahrheit atmen möchte. In seinem jüngsten Artikel (Kurztitel: „Schwachsinn“) führt er vor, wie eine Redakteurin der hochintellektuellen ZEIT beim Thema „Burkini“ für Mädchen im Schwimmunterricht katzengleich (da kennt er sich aus!)  um den Brei herumschwafelt, aber das Wort „Islam“ meidet wie der christliche Teufel das Weihwasser.

Pirinçci vergleicht dies mit einer Beschreibung des Mondes, die aber den Himmelskörper nicht beim Namen nennt.

Die ZEIT ist nicht alleine bei der Verwendung dieser politisch angepassten Methode. Das objektivste Gesicht der Tagesschau, langweilig und personlos, Jan Hofer, berichtet uns am 28. Juli von einem antisemitischen Vorfall an der John-F.-Kennedy-Schule in Berlin.  Jüdische Schüler wurden monatelang „ beleidigt, bedroht und gemobbt“. (Das Passiv, so lernt man es in den ersten Grammatikstunden in der Schule, eignet sich vor allem zur Verheimlichung der Täter. „Ich wurde gemobbt“ lässt den Täter außen vor.)

Flugs hat der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Klein, gefordert, was zu tun ist, um diesem doch bitteschön nicht zu tolerierenden Vorfall Einhalt zu gebieten. Die scheinbar von Empörung getragene Forderung geht jedoch den Ursachen nicht auf den Grund und liefert keine verlässliche Anamnese für die inakzeptablen Symptome. Lehrer, so Klein, seien „besser im Umgang mit Antisemitismus auszubilden.“

Klar doch. Wenn immer wieder Besoffene mit dem Auto Unfälle bauen, liegt das am mangelhaften Unterricht  der Fahrlehrer.

Herr Klein, unser Antisemitismus-Beauftragter  ist auch Fahrlehrer, was man vielleicht noch nicht wusste. Er meint nämlich, wir haben es mit einer zunehmenden Verrohung in der Gesellschaft zu tun, der man „gegensteuern“ müsse.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster,  ist leider auch ein Krokodilfütterer nach der Art Churchills. „Appell und Aufklärung reichen nicht“, lässt er in seiner Stellungnahme wissen.  Man müsse „in der Schule anfangen“ und – im Paket mit Judenfeindlichkeit, gleich zur Relativierung – das Thema „Fremdenfeindlichkeit“ und „Rassismus sehr ausführlich behandeln“. (Die Nachtigall trapst: Bitte Islamophobie ins Spiel bringen, Herr Schuster! Ihr Juden seid nur eine Teilmenge der Opfer!).

Fortsetzung Schuster: „Dazu bedarf es aber auch, dass Lehrkräfte mit dem entsprechenden Rüstzeug ausgestattet werden.“ Die Empfehlung eines Experten: MEMRI

Die deutsche Politik und die deutschen Medien sind also, das wird nach der Tagesschau wieder einmal deutlich, entschlossen im Kampf gegen Symptome, die auf Antisemitismus – freilich als nur EINEM Problem innerhalb allgemeiner deutscher Fremdenfeindlichkeit –  schließen lassen.

Die Ursache, der Mond, wird nicht genannt. Das wäre ja auch Rassismus und Phobie.