(David Berger) Am vergangenen Sonntag habe ich hier beschrieben, inwiefern die Aktualität des mittelalterlichen Denkers Thomas von Aquin heute gerade darin besteht, dass er als Antipode des Zeitgeistes dienen kann. Die soll nun etwas konkreter an einigen beispielen aufgezeigt werden.

In jenem Teil von „Fides et ratio“, in die „bleibende Neuheit“ des Aquinaten näher charakterisiert wird, steht ein Gedanke ganz zentral im Mittelpunkt: Die Rolle des Thomas als „einzigartigem Liebhaber der Wahrheit“: Thomas besaß „zweifellos in höchstem Maße den Mut zur Wahrheit. Er darf mit Recht „Apostel der Wahrheit“ genannt werden“ (nr. 43-44).

Der Papst hatte hier ganz offensichtlich auch das geforderte Konzept der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen im Blick, die Diasatase die das heute allgemein anzutreffende Verhältnis zur Erkenntnis der Wahrheit vom Wahrheitsbegriff des Thomas trennt.

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang ein Wort des französischen Denkers Alain Finkielkraut:

„Wenn der moderne Geist ein Sakrileg oder eine Blasphemie begangen hat, dann ist es die Arroganz gegenüber der Wirklichkeit.“

Kardinal Ratzinger hat die seltsam paradoxe Grund­haltung, in die sich diese Arroganz auffaltet, exakt beschrieben:

„Dem tiefer Blickenden wird in dieser modernen Grundhaltung eine falsche Demut und ein falscher Hochmut zugleich sichtbar: die falsche Demut, die dem Menschen die Wahrheitsfähigkeit abspricht, und der falsche Hochmut, mit dem er sich über die Dinge, über die Wahrheit selber stellt …“

fra angelico vorschauDie Gleichzeitigkeit der Ungleichzeitigkeit des Aquinaten durchbricht diese Arroganz gegenüber der Wirklichkeit deutlich. Die mutige, absolute, uneingeschränkte und vorurteilsfreie Liebe zur Wahrheit kann als die Grundhaltung des Thomas schlechthin bezeichnet werden. Dies zeigt sich schon äußerlich auf rein quantitativer Ebene: Mit Hilfe der elektro­ni­schen Datenverarbeitung („Index Thomisticus“) kann man problemlos ersehen, dass im gesamten Werk des Thomas das Wort „veritas“, Wahrheit, allein mehr als 10’000 mal vorkommt.

Nach der Wahrheit verlangen, wie Thomas an zahlreichen Stellen seines Werkes immer wieder betont – und hier zeigt er sich völlig immun gegen jeden Prag­ma­tismus – alle Menschen unabhängig von dem greifbaren Nutzen, der aus ihrer Erkenntnis erfließt.

Denn von Natur ist es dem Menschen eigen, nach der Er­kennt­nis der Wahrheit zu streben. Das eigentliche Gut des Menschen liegt darin, dass seine Vernunft in der Erkenntnis der Wahrheit vollendet wird (De virt. q.9).

Das heißt, nicht die Frage: „Was bringt es mir?“, sondern jene: „Was ist wahr?“, ist ausschlaggebend.

In den Bereich der (Kirchen)Politik übersetzt würde dies bedeuten: Das Kriterium der Wahrheit steht über dem kontingenten Kriterium der Diplomatie.

Wir erlauben uns hier kein Urteil über die Vergangenheit der Kirche, glauben aber sagen zu können, dass ein stärkeres Ernstnehmen dieser thomistischen Gewichtung manches drohende Unheil in der Zukunft wird abhalten können. Damit hängt auch ein Punkt zusammen, auf den Otto H. Pesch aufmerksam gemacht hat: Nicht die Furcht um das persönliche Heil, wie bei Martin Luther, sondern die Sorge um die Wahrheit und die Verachtung des Irrtums prägen den Tho­mis­­mus.

„Die größte Wohltat, die man einem Menschen erwiesen kann, besteht darin, dass man ihn vom Irrtum zur Wahrheit führt“

…schreibt Thomas in seinem Kommentar über des Pseudo-Dionysius Areopagita „De divinis nominibus“ (13,4). Diese absolute Ergebenheit in die von uns zunächst unabhängige Wahrheit zeigt sich auch in einem der wichtigsten Charakterzüge des Aquinaten: Wenn es darum geht, die allzu leichte und leider allzu oft sehr erfolgreiche Verfälschung der Wahrheit aufzudecken und zu brandmarken, kennt Thomas keinen Kompromiss und keinen Irenismus. Pieper erwähnt als die seines Erachtens wichtigsten Charakterzüge des Aquinaten die

„Sorge, nur ja nicht, um irgendeiner vordergründigen Stimmigkeit, irgendetwas auszu­lassen oder zuzudecken, das zum Totum der Wirklichkeit und Wahrheit gehört und die Bereitschaft, Konflikte unter Verzicht auf vorschnelle Harmonisierungen durchzu­stehen.“

Thomas von Aquin und der interreligiöse Dialog

Entsprechend streng ist Thomas dann auch bei den Grundsätzen, die er für einen Dialog mit „Ungläubigen“ aufstellt und auf deren Aktualität Leo Elders erst vor kurzem in einem Vortrag vor der Päpstlichen Akademie des hl. Thomas im Vatikan hingewiesen hat: Eine genaue Kenntnis der jeweiligen Positionen sowie ein gesunder Respekt der Gesprächspartner voreinander sind selbstverständliche Voraussetzungen.

thomas von aquinEbenso selbstverständlich muss der katholische Gesprächspartner aber auch darauf bedacht sein, die katholische Lehre in ihrer Ganzheit und ohne jede Abstriche darzustellen.

Alles andere wäre eine schwere Sünde (II-II q.10 a.7); auch nur der leiseste Eindruck einer Gemeinschaft muss dort vermieden werden, wo in Wirklichkeit eine solche nicht existiert. Grundsätzlich ist bei einem Dialog mit den Ungläubigen immer die Gefahr zu bedenken, von ihnen „angesteckt“ zu werden oder bei Unkundigen einen falschen Eindruck zu erwecken, der die Häretiker in ihren Augen entschuldigen würde (Quodl. X q.9 a.1).

Der Dialog darf nie Selbstzweck sein, sondern muss stets ganz im Dienste der Wahrheit stehen.

Sie bei den nichtchristlichen Religionen zu suchen, die Thomas äußerst negativ einschätzt, ist ein naives und gefährliches Unterfangen (In Eph 4,6): „Der heute weit verbreitete religiöse Pluralismus ist sehr weit vom Denken des Thomas entfernt.“ (Leo Elders).

Der große Realismus des Aquinaten weiß natürlich, wie bereits angedeutet, um die Tatsache, dass die Wahrheit für manche auch einen Skandal darstellt und einige deswegen gegen sie rebellieren. Doch vor einem solchen Skandal dürfen sich die Liebhaber der Wahrheit nicht fürchten.

Wenn es um die Wahrheit geht, kann dann der edle und ausgeglichene Geist, welcher der hl. Thomas war, gegen die, die diese Wahrheit entstellen, sogar äußerst polemisch werden.

– Freilich immer in der Überzeugung, dass die Wahrheit auf keine Weise besser offen­kundig wird, als im Widerstand gegen jene, die ihr widersprechen; und immer zugleich darauf vertrauend, dass die Wahrheit eine geradezu überwältigende Macht ausübt. In seinem Kommentar zum Buch Job (13,19) schreibt der engelgleiche Lehrer:

„Man muss in Betracht ziehen, dass die Wahrheit durch die Verschiedenheit der Personen nicht verändert wird. Wenn daher jemand etwas Wahres sagt, kann er nicht besiegt werden, mit wem auch immer er disputiert.“

Es ist leicht einzusehen, dass dieser Satz nicht nur der Todesstoß für jeden Historizismus ist, der mit der These einer Geschichtlichkeit der Wahrheit auch in der Theologie hausieren geht. Sondern auch, dass dieses Wort eine großartige Ermutigung für die Christen von heute ist, die in vielen Ländern zunehmend von dem Hauptstrom der Gesellschaft ins Abseits und die zahlenmäßige Bedeutungslosigkeit gedrängt werden.

Aber auch für die Menschen, die sich heute erlauben am System Merkel Kritik zu üben un deshalb von vielen Medien und Politikern als Untermenschen verachtet werden, ist dies ein Trost.

Nichts wäre dem Denken des Thomas aber mehr entgegengesetzt als sich in rechthaberischer Weise als Besitzer der Wahrheit zu fühlen und zu benehmen. Nicht wir besitzen die Wahrheit, sondern sie besitzt uns. Wir können Sie stets nur demütig als Geschenk annehmen und ihr fortan in Be­schei­denheit dienen. Denn: Alle Wahrheiten haben in Gott als der Wahrheit schlechthin ihre Quelle: „Multae sunt veritates ex una veritate.“ (In Ioan c.1 lect.1) Während dem ewigen und un­ver­änderlichen göttlichen Verstand der absolute Primat des Maßgebens zukommt, ohne dass dieser irgendwie oder von irgendwem gemessen würde, gilt für den menschlichen Verstand, dass er gerade nicht aus sich messend ist, sondern gemes­sen wird während das Erkenntnisding zwischen Gott und Mensch stehend gegenüber der Erkenntnis des Menschen mes­send sein kann, weil ihm zuvor schon sein Maß im Er­kennen Gottes zu­teil wurde.

Anbetung statt „Wortdurchfall“

Hier zeigt sich – neben dem Primat des Objektiv-Seienden – die vollkommene Abhängigkeit des geistigen Geschöpfes von seinem Schöpfer und dessen Maß, die den Menschen vor Gott demütig werden lässt. Das Gesagte wird durch eine weitere Beobachtung unterstützt: Immer wieder treffen wir bei Thomas auf Stellen, die zum Ausdruck bringen, wie defizient, wie bruchstückhaft unser Erkennen ist. Dies gilt besonders bei dem Versuch der natürlichen Erkenntnis, sich Gott zu nähern. Im Kommentar über des Boetius „De Trinitate“ (1,2) lesen wir:

„Am Ende unserer Erkenntnis erkennen wir Gott als Unbekannten. Denn eben dann befindet sich der Geist am vollkommensten in der Erkenntnis Gottes, wenn erkannt wird, dass sein Wesen über allem ist, was im Zustande des gegenwärtigen Lebens erkannt werden kann.“

IMG_7221Die adäquate Antwort auf diese Situation findet Thomas jedoch nicht in der Verzweiflung bzw. dem Agnostizismus, dieser traurigen Signatur der auf den Spuren Kants dahin schwankenden Moderne. Sie besteht vielmehr im Akt der Anbetung.

Allein die Anbetung nimmt den ganzen Abgrund, der zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf klafft, wirklich und konsequent Ernst.

Der Mensch erkennt in jenem Akt an, dass er aus sich nichts Entscheidendes vermag, nichts ist gegenüber der über­ragenden Majestät des Ewigen. Die Anbetung bewirkt, dass wir

„uns selbst auslöschen, um zu verkünden, dass Gott der Erste ist“ (Marie-Dominique Philippe).

Nicht nur, dass das Verstummen des Thomas am Ende seines Lebens aus dieser Einsicht die Konsequenzen gezogen hat. Auch hier offenbart sich der Thomismus als eine echte Alternative zu falschem Autonomiedenken und als ein wirkungsvolles Heilmittel für jenen „kirchlichen Wort-Durchfall“, der nach dem Wiener Pastoraltheologen Paul M. Zulehner heute das Immunsystem der Kirche in besonderer Weise schwächt.

Die Zeichen für eine Wiederentdeckung des großen Lehrers aus Aquino scheinen von der Sache her betrachtet so schlecht nicht zu stehen …

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17 Kommentare

  1. Es ist sehr bedauerlich, dass es viele Menschen als zu beschwerlich erachten, sich mit diesem großen Denker des Abendlandes auseinanderzusetzen; gleiches gilt auch für die Gedanken Benedict XVI, die dieser sowohl als Kardinal als auch als Professor veröffentlichte.
    Es wird seichte Kost bevorzugt, diese aber, vielleicht zum Glück, auch nicht intellektuell verarbeitet.
    Dazu gehört auch die Auffassung, dass es gut ist, den Gedanken, obwohl man sie nicht versteht, zu widersprechen, wie es der bedauernswert philosophisch unbeschlagene Kommentator „Geh Heim“ tun zu müssen glaubte.
    Man kann gegen die Lehre des Thomas von Aquin sein, dann sollte man aber zumindest versuchen, die Ablehnung in einer Art zu äußern, die diesem Denker zukommt. Das, was dieser zuvor genannte „Ablehner“ von sich gab ist nicht adäquat und geht zudem am Thema vorbei.
    Herr „Geh Heim“ sollte uns aber als Beispiel für einen schlechten Disputanten, mit dem sich abzugeben nicht lohnt, dienen und im Gedächtnis bleiben.
    Bergers Abhandlung und viele der Kommentare verdienen es jedoch, gespeichert und immer wieder gelesen und bedacht zu werden.

  2. Leider bringen Sie eine wichtige Aussage nur in einem Nebensatz, werter Herr Dr. Berger. Zitat: ..“dem Agnostizismus, dieser traurigen Signatur der auf den Spuren Kants dahin schwankenden Moderne“..

    In der Tat bewerkstelligt(e) der angeblich „mündige Verstand“ (mit oder ohne „kategorischen Imperativ“) systematisch eine `Moderne`, die Züge eines dramatischen Niedergangs trägt. Mit den sog. „hehren westlichen Werten“ der „Aufklärung“ – insbesondere Kant`scher Prägung – kann etwas nicht (mehr) stimmen. Zwar wird oben e i n Punkt richtig erwähnt: Der „Gottmensch“ Kants anstelle eines „Menschengottes“; aber auch andere seiner Begriffe und Ideale führ(t)en nach 250 Jahren zu einer Art rationalistischem Irrationalismus mit kostspieligen Folgen.

    Eine ausführliche Erörterung des Themas wäre geradezu Not-wendig. Bislang behandeln die Blogs der „Neuen Rechten“ den gegenwärtigen Wandel von Werten, Denkprinzipien und Weltanschauungen ungenügend, wenn nicht falsch. Auch vermochte deren „Intelligenzija“ noch keine alternative umfassende (Leit-) Ideologie samt einer Reform– oder Gegen–Aufklärung zu entwickeln.

  3. Lieber Herr Berger.

    Darf ich die Wahrheit aus der Perspektive so wie ich sie subjektiv wahrnehme hier offen darstellen ?
    Da ich Ihre ehrliche Bewunderung von Thomas Aq. anerkenne und Ihre Beiträge zu allen anderen Themen sehr schätze nehme ich hier in Bezug auf seine spezifische Rolle (v.Thomas) nur sehr ungern die Stellung eines advocatus diaboli ein. Verzeihen sie mir, all das ist nicht persönlich gemeint.
    Da ich weder Theologe noch ein akademisch gebildeter Philosoph bin und da ich, seit 40 Jahren im Ausland lebend, auch nur sehr wenig Gelegenheit hatte Deutsch zu reden kann ich nur vorsichtig versuchen mit allgemeinen Argumenten und mehr oder weniger hinkender verbaler Eleganz meinen Gedanken Form zu verleihen.
    Seien wir doch ehrlich, Walther von der Vogelweide hatte recht wenn er sich beklagte
    dass dem Christentum seit Konstantin „ein Gift herabgefallen sei“. (de.wikipedia.org/wiki/Erstes_Konzil_von_Nicäa)
    Denn ab Nizaea haben sich die Kirchenväter hauptsächlich nur gestritten und gegenseitig darüber die harten Köpfe eingeschlagen wer genauer weiss wie es im Innern der Dreifaltigkeit wirklich aussieht und wie lange der Sohn schon vom Vater gezeugt worden war usw usw. ( was für eine dumme und bodenlosse Anmassung und Arroganz. – full bullsh.)
    Thomas Aq. war zwar wahrheitsliebend und aufrichtig, aber doch ein voller Scholastiker und Kind seiner Zeit. http://www.jesus-und-kirche.de/Aquin%20III.htm
    Die eigentliche Scholastik, deren Hauptautorität doch Thomas Aq. war, hat ja auch die Grundargumente und Kriterien für die Verurteilung und Lebend-Verbrennung zigtausender hochintelligenter Menschen und grossen Wissenschaftler wie Gjordano Bruno und Meister Eckehardt geliefert und hat damit zum heutzutage klar sichtbaren Glaubwürdigkeitsverlust der verschiedenen christlichen Kirchen beigetragen, was natürlich gerade zur Zeit heutzutage, während des Heranrollens einer Tsunami höchstüberzeugter, total gehirngewaschener und pseudoreligiöser Steinzeitmenschen ohne Herz und Mitgefühl fatalste Auswirkungen für unsere Kultur haben wird.
    Wenn die christlichen Pharisäer sich wie echte Christen verhalten hätten, anstatt sich mit Titeln zu schmücken, mit goldbestickten Nachthemden und farbigen cingulums zu bekleiden und Mitras zu tragen, hätten wir als glaubwürdige und überzeugende Christenheit, die ohne Angst vor der Wissenschaft in Würde und Weisheit herangereift wäre, den muslimischen pseudoreligiösen Dummheiten (haushoch überlegen wie eine Feste Burg) standhalten können anstatt in Scham zu fliehen. Dann wäre die Lehre Jesu auch nicht zu einem lächerlichen Zirkus von zu vielen Kinderverführern ausgeartet, in dem ein Papst (wie Joh.Paul ll) einen der berüchtigsten Kinderschänder mit endlosen Ehren überhäuft nur weil dieser „sündhafte Summen“ von Devisen anschleppt de.wikipedia.org/wiki/Marcial_Maciel

    hier Das Gedicht von Walther v.d.Vogelweide. =
    Wie ein Chronist berichtet, ertönte damals vom Himmel
    die Stimme eines Engels: Heute ist Gift in die Kirche
    gegossen worden, weil ihre Macht sich vergrössert und
    die Frömmigkeit verringert hat.

    „Es gab der König Konstantin
    Dem Stuhl zu Rom so vieles hin,
    Wie ich euch sage: Speer und Kreuz und Krone.
    Da rief der Engel laut: O weh,
    Und wieder weh und nochmals weh!
    Wie herrlich diente man einst Gottes Sohne!
    Nun aber fiel ein Gift auf alle,
    Ihr Honig ‚wurde, ach, zur Galle,
    Darob steht einst die Welt verzagt.
    Die Fürsten leben rings in Ehren,
    Die Kaiserkrone kommt zu Fall,
    Das hat gethan der Pfaffen Wahl.
    Dir sei es, süsser Gott, geklagt.
    Die Pfaffen wollen Laienrecht verkehren:
    Der Engel hat uns ‚wahrgesagt. “

    Bei den sich z. Zt. Konstantins (326 Ad) um den Arianismus und die Struktur der Dreifaltigkeit und um das Wesen der Göttlichkeit Jesu teilw. gewalttätig streitenden „heiligen“ Kirchenvätern war die wirkliche Lehre Jesu fast verdunstet und durch eine Art gewalttätig autoritäre Frühscholastik ersetzt worden.—–(die Lehre des Jesus, der sich wie Einstein und viele moderne Physiker heute, sowie alle grossen Erleuchteten und Mystiker früher, seiner Einheit mit dem unsichtbaren tranzendenten Schöpfergeist des Alls bewusst war, wie man schön im von den katholischen Pharisäern als apokryph verworfenen Thomasevangelium (teil der 1945 gefundenen „Nag Hammadi“-Sammlung uralter Schriften) nachlesen kann =
    Logion 77 =Jesus sprach: Ich bin das Licht, das über allen ist. Ich bin das All; das All ist aus mir hervorgegangen, und das All ist zu mir gelangt. Spaltet das Holz, ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr werdet mich dort finden)——-
    Auch Teilhard de Chardin hat in dieser tiefen Meditation hier ein kosmisch spirituelles Erlebnis und sein hohes Bewusstseinsniveau durchleuchten lassen, = http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Universale_Eucharistie.html
    Sogar Thomas Aq. hat vor seinem Tod während der Messe ein erschütterndes Erlebnis gehabt, bei dem ihm eine erleuchtete Gottesbegegnung geschenkt wurde,.
    Danach habe er gesagt : „alles was ich zuvor gesagt und geschrieben habe ist nur hohles gedroschenes Stroh, vergesst das“
    Aber vergessen und verheimlicht haben die braven Scholastiker nur diese seine letzte Aussage und haben weiter ungeniert millionen von frisches Stroh dreschenden Scholastikern produziert, die immer noch tapfer „unfehlbar“ über die Natur der von ihnen selbst „definierten“ d.h.beschränkten (eben nicht unendlichen) Gottheit diskutieren.
    Da hatte (um 400 V,Chr.) der weise Lao tse schon mehr Sinn und Respekt vor der Unausprechlichkeit des Höchsten Seins =
    Er beginnt sein Buch, das „Tao te King“ mit diesen Versen :
    (über das Tao, = griech etwa wie „Logos“ der Sinn.)

    „Das Wesen, das begriffen werden kann
    ist nicht das Wesen des Unbegreiflichen
    der Name der gesagt werden kann
    ist nicht der Name des Namenlosen.
    Unnambar ist das Eine / ist Innen.
    Nambar ist das Allviele / ist Aussen
    Begehrdenlos ruhen / heisst Innen erdringen
    Begehrdenvoll Handeln / heisst beim Aussen verharren.
    Alleines und Allvieles sind gleichen Ursprungs /
    Ungleich in der Erscheinung.
    Ihr Gleiches ist das Wunder /
    Alles Wundervollen Tor.“
    (Wiedergabe des chinesischen Texts durch Walter Jerven)

    Damit sind wir schon bei Ihrem Vorschlag bzgl. mehr Anbetung statt Wortdurchfalls angelangt, womit ich eigentlich einverstanden wäre, aber nur als Vorstufe, denn „.Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Joh 4,24)
    Dieselbe Aussage wie die Antwort Jesu auf die Frage der Samariterin zieht sich wie ein roter Faden unter verschiedenen Ausdrucksweisen und Formulierungen durch alle Länder, alle Weisheitstraditionen und viele Berichte von Erleuchtungserlebnissen oder Erlebnissen von Todesnähe hindurch und ist eine Aufforderung das kleine Ich im kosmischen götllichen Geist einschmelzend aufgehen zu lassen und die eigene Bewusstseins-seele nicht nur als getrenntes Ich an der Türe in der Trennung stehen.zu lassen.
    Davon reden im christlichen Bereich auch Theresa von Avila, Johannes v. Kreuz, Jakob Böhme, Meister Eckehardt u. viele andere Mystiker.
    „Soll ich mein letztes End / und ersten Anfang finden /
    So muß ich mich in GOtt / und GOtt in mir ergründen.
    Und werden das was Er: Jch muß ein Schein im Schein /
    Jch muß ein Wort im Wort / ein GOtt in GOtte seyn“.
    (Angelus Silesius),

    In der Hoffnung dass Sie meine kritische Haltung verstehen

    sine-cera

    Tao

    sine-cera

    Tao

  4. Der Mensch strebt nicht allgemein nach Wahrheit, sondern nach hinreichender Erklärung dessen, was er wahrnimmt. Dabei werden häufig Erklärungen bevorzugt, die nützlich sind – sei es, weil sie dem Ego schmeicheln, Hoffnung und Trost spenden oder materielle Vorteile bringen. Nur so kann man Religionen und Ideologien verstehen: eine simplifizierte, eigennützige Erklärung der Welt.

    Leiter der kognitiven Wissenschaften MIT, Steven Pinker:

    „Wenn […] Täuschung eine fundamentale Eigenschaft der Tierkommunikation ist, muss die Entdeckung von Täuschung stark selektiert werden, und das wiederum sollte zur Selbsttäuschung führen, die einige Tatsachen und Motive dem Bewusstsein vorenthält, damit es die beabsichtigte Täuschung nicht durch die unmerklichen Anzeichen der Selbsterkenntnis verrät. Folglich ist die Ansicht, die natürliche Selektion begünstige Nervensysteme, die immer genauere Vorstellungen von der Welt liefern, als eine höchst naive Auffassung der menschlichen Evolution anzusehen.“ (Steven Pinker. „Das unbeschriebene Blatt – die moderne Leugnung der menschlichen Natur“)

  5. Sehr geehrter Herr Berger,
    herzlichen Dank für diesen Artikel! Ich hoffe, Sie beschenken uns in nächster Zeit mit weiteren Artikeln zu Thomas!
    Die Zeit für eine Wiederentdeckung der Scholastik, besonders des Dr. Angelicus ist überfällig. In den Vereinigten Staaten tut sich da ja wohl einiges. Hier muß das „Vorwärts immer -rückwärts nimmer!“ in der sich selbst auflösenden Theologie endlich dem „Ad fontes“ weichen. Nur so können Kirche und Abendland gesunden.

  6. Wer glauben will > bitte Ihre Sache !

    aber Glauben bedeutet „Nichts“ wissen !

    Die Wahrheit ist:

    Es gibt keinen Gott !!!

    Finden Sie raus was die „Singularität“ ist.

    Was soll das für ein Gott sein der Millionen Menschen hat …Kreuzzüge, Inquisition, 30 Jähriger Krieg…u.s.w.

    Es gab keine Zeit und keinen Raum in den ein Gott hätte existieren können und der braucht nocht 13,7 Milliarden Jahre…? Da haben ja die Römer schon schneller Rom erbaut, denn den hätte ich nicht eingestellt.

    • OK…ich fühle mich (schon länger ;-)) leicht „angepiekt“, und agiere denn mal aus der Verinnerlichung oben beschriebenen Thomismus heraus…
      @Geh heim
      Ihre zweite Schlussfolgerung ist unlogisch, denn Glaubende lehren ja gerade nicht Evolution, sondern den Schöpfungsbericht, nach dem die Erde jünger als 10000Jahre ist. „Gott“ braucht also nur paar tausend, „kein Gott“ Jahrmilliarden.
      Sie sagen: „Die Wahrheit ist: Es gibt keinen Gott!!!“ Können Sie diese Behauptung beweisen?
      ….
      Konnte bisher jedenfalls Keiner. Genausowenig wie Jemand Gott beweisen konnte. Oder die Evolution, die -wie allein der Name schon sagt- eine -unbewiesene- Theorie ist. Aber es gibt Indizien, werden Sie sagen. Richtig.
      Glauben heisst nämlich nicht „Nichts wissen“, sondern bestimmten Aussagen/Worten vertrauen. Man kann also Schriften atheistischer Philosophen vertrauen – oder der Bibel, oder, oder.. (Vorausgesetzt man interpretiert richtig..)
      Indizien für den ganz realen Wahrheitsgehalt biblischen Glaubens findet man u.a. in den Propheten. Z.B. Die Wiedererstehung des Staates Israel nach 2000 Jahren, überhaupt das Überleben dieses Volkes trotz Jahrhunderten Verfolgung/versuchter Auslöschung ist mE eines der stärksten Indizien. Und es gibt weitere. Ein anderes liegt z.B. auf dem Berg Ararat im Eis. (Siehe youtube, bitte selbst googlen) Oder unter dem Tempelberg. Oder, oder…

    • Gegenbehauptung: Es gibt einen Gott.

      Physikal. Singularität als Teil von Raum und Zeit ist für einen Gott, der als Geist außerhalb der Raumzeit zeitlos in ewiger Gleichzeitigkeit existiert und wirkt, als Schöpfungshindernis usw nicht relevant.

      Oberhalb der Lichtgeschwindigkeit und unterhalb des Absoluten Temperaturnullpunkts spielt Singularität keine Rolle (wie es auch in quantenphysikalischer Kohärenz – bis zur Dekohärenz – belegbar zeitlos zugeht).

      Ihre physikal. Bedenken wären nur relevant, wenn ein pantheistischer zeitlicher Gott Teil einer monistischen materiellen Raumzeitwelt wäre.

      Ein nicht materieller, zeitloser Gott ist fähig, „zeitlos“ allmächtig alles zu erschaffen, auch wenn in unserer materiell-zeitlichen Welt inzwischen Zeit vergeht. Selbst eine Kurzzeitschöpfung ist unter diesen Voraussetzungen (sogar gleichzeitig) denkbar, auch wenn Sie es nicht glauben können.

      Ein Gott der vorübergehend Missstände eines feindlichen satanischen Sytems zulässt, ist nicht automatisch ein Beleg für die Nichtexistenz dieses Gottes, wenn er dabei biblisch mitteilen ließ, dass, wann und warum diese Zeiten der zugelassenen Missstände enden werden.

      Ergänzend zum obigen Artikel:
      Christus ist der Weg, die WAHRHEIT und das Leben. Johannes 14, 6
      Diese WAHRHEIT befreit Menschen. Johannes 8, 32
      Gottes Wort ist WAHRHEIT. Johannes 17, 17
      usw

    • Es gäbe so manches zu sagen … Ich beschränke mich mit dem HInweis, daß sie mit den Stichworten Kreuzzüge, Inquisition und dreißigjähriger Krieg drei Themen angeschnitten haben, die bei genauer Betrachtung über viele Jahrzehnte von protestantischen Geschichtsschreibern für antikatholische Agitation genutzt wurden, indem man die Tatsachen klitterte und damit der Wahrheit keinen Dienst erwiesen hat.
      Der Weg zur Wahrheit ist manchmaldeswegen so schwer, weil man sich von liebgewonnenen Vorurteilen verabschieden muß …

    • Achja – ihre Theodizee-Frage (=warum lässt Gott Leid zu) oder schwieriger: Warum lässt Gott Himmelschreiendes von Kirchen(anhängern) zu, die sich als „seine Leute“ präsentieren? Ehrlich gesagt: An letzter Frage bleibe ich selbst immer „hängen“.
      Ich weiss zwar, dass Kirchengeschichte und Glaube zweierlei sind, und dass der Freiheit, Verantwortung und Selbstbestimmung des Einzelnen wegen Unrecht bestimmte Zeit zugelassen wird, aber ich kann nicht wirklich nachvollziehen, warum (ein heiliger) Gott sich mit Leuten gemein macht/machen lässt, die etwa Menschen zu Tode foltern, Kinder schänden, Kriegszüge begehen, usw. – und dabei (weiterhin) ungehindert seinen Namen tragen. Ich denke oft: Da müsste doch der Blitz einschlagen! Bzw.: Gott müsste sich davon sehr deutlich distanzieren…Aber vermutlich fällt das auch in den Bereich „Eigenverantwortung des Einzelnen“…

  7. Das ist für mich der Ausdruck der heutigen theologischen Wahrheit
    jesus.de/wp-content/uploads/2016/10/h_epd_00362576.jpg
    Verleugnung, verleugnung und nochmals Verleugnung.
    Ich denke immer mehr, dass es nur einen einzigen Satz gibt, der ausdrückt was wirklich in der Philosophie Sache ist:
    Marxens 11. These zu Feuerbach: „Die Philosophen haben die Welt immer nur anders interpretiert, es kömmt aber darauf an sie zu verändern.“ Über den zweiten Halbsatz würde ich mich mit ihm streiten wollen, der erste aber drückt die reine Wahrheit aus.
    Es kommt nicht auf „die Wahrheit“ ein, das ist nur ein abstrakter Begriff, eine Versubstantivierung, mehr nicht. Es kommt darauf an, dass ein jeder in der Interpretation dessen, was er erfährt, seiner Wirklichkeit, durchaus subjektiv, wahrhaftig bleibt. „Wahrhaftigkeit“ ist ein Seinszustand, dem vom Wesen her die Katzen anders zugehören als der Hund, aber sie gehören dazu. Der Hund interpretiert mein Verhalten als wahrhaftig. Über ihn kann ich die Tiefe wahrhaftigen Verhaltens bis in den letzten Grund der Seele erfahren. Die hündische Seele und die menschliche haben hier ihre Schnittstellen. Die Katzen zeigen mir was anderes. Der Hund lügt nur schwer, die Katze leicht, doch können sie einem was vor machen, unwahrhaftig sein.
    Wir leben in einer Welt des subsumtionlogischen Determinismus in einer Welt der Inszenierung. Der Begriff der absoluten Wahrheit zerschellt spätestens dann, wenn man sich intensiv mit dem Paradox Diderots hinsichtlich des Schauspielers auseinander setzt. Ich sage nicht, wie die Relativisten, dass es keine Wahrheit an sich gibt. Die Behauptung allein ist sinnwidrig. Ich meine nur, dass „Wahrhaftigkeit“ in der Interpretation der Wirklichkeit verlangt werden muss. Dabei ist jedem Fehlerhaftigkeit zugesprochem. „Wahrhaftigkeit“ liegt im Verhältnis zur Fehlerhaftigkeit, dann wenn jemand so tut „Als Ob“ er wahrhaftig sei und falsche Fakten im Namen des Irrtums aneinandereiht, um ein falsches Bild zu erzeugen.

  8. Wahrheit manifestiert sich in der Erkenntnis und diese ist vermutlich Gottgegeben und deshalb unveränderlich und wer sich anmaßt die Wahrheit zu eigenen Zwecken durch Lüge zu ersetzen handelt gegen die göttliche Allmacht, der wir als untergeordnetes Individium der Natur ehedem unterworfen sind und selbst wenn der einzelne glaubt, die Wahrheit gefunden zu haben, kann er dennoch einem großen Drugschluß unterliegen, denn Gottes Wege sind unergründlich und deshalb ist es müßig nach dem Ursprung der Wahrheit zu suchen, es ist besser, wir versuchen sie aufgrund unserer geistigen Kapazitäten einfach einzuhalten um dadurch das irdische Zusammensein nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, denn alles andere ist anmaßend und niemals zu erfassen, auch wenn manche glauben, die Wahrheit gepachtet zu haben und in der Forschung hat man ja oft erlebt wie dieser Begriff sich von selbst ad acta gelegt hat und darum kann es sich nur um eine metaphysische Grundhaltung handeln, völlig ergebnisoffen, aber mit immensem Glauben um damit dem Weltenschöpfer geistig etwas näher zu kommen.

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