(David Berger) Nachdem die Gesichter von Merkel und Seehofer bei Bekanntgabe des Scheiterns der Jamaika-Pläne den desaströsen Zustand dieser Führungsriege so treffend spiegelten, waren viele voller Hoffnung, Merkel komme nun an der Einsicht gar nicht mehr vorbei, dass sie Deutschland, ihrer Partei und nicht zuletzt sich selbst keine größere Freude machen kann, als zurückzutreten.

Doch zu früh gefreut, mussten sie spätestens gestern Abend feststellen,

…als Merkel im ARD-Brennpunkt, die Zuschauer ihres Staatsfernsehens wissen ließ, dass sie Neuwahlen nicht scheue und selbstverständlich wieder als Spitzenkandidatin antreten werde.

Noch hoffe sie, dass ihr die SPD vielleicht doch an die Macht verhelfen könne – aber wenn nicht, dann eben Neuwahlen: Schließlich habe sie das den Wählern doch versprochen, ließ sie das erstaunte Publikum wissen – in der Art einer leicht erschöpften, von Undankbarkeit gebeutelten Mutti, die trotz Undankbarkeit immer weiter Kartoffelsuppe kocht. Obwohl sich immer mehr von ihrem Tisch verabschieden.

Denn so viel ist schon jetzt aufgrund der Prognosen gewiss: Neuwahlen, das heißt auch einen weiteren Einbruch an Stimmen für die CDU.

Zeigt die an Wählerzuspruch auf einem historischen Tiefpunkt angekommene Union sich zudem weiter unbelehrbar und schickt wieder ihre Kaiserin ohne Kleider vor, dürfte sich diese Tendenz noch weiter verstärken.

Es gibt in der Geschichte nichts Tragischeres als einstmals angesehene Mächtige, die nicht bemerken wollen, dass ihre Zeit vorüber ist.

Statt sich dann mit allen staatlichen Ehrbezeigungen auf ihr Altenteil zurückzuziehen, kleben sie auf ihrem Thron, schotten sich von den Stimmen ihrer Umwelt ab, die ihnen zu Gegenteiligem raten könnten. Und sammeln um sich schwache Hofräte im Stile Taubers oder Altmaiers. Das Ende ist dann oft so, dass man nicht hinschauen möchte. Aber da kommen wir wohl im Zeitalter der universalen Verfügbarkeit von Bildern und Videso nicht umhin.