Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Der schottische Experte für Komisches, Markus Meechan, Künstlername Count Dankula , hatte einen – von ihm unterstellt – witzigen Einfall. Er trainierte den Hund seiner Freundin, einen gelehrigen Mops, nach dem Muster von Pawlow, so dass er auf einen Impuls hin eine höchst ungewöhnliche Bewegung ausführte.

Schaun wir uns den Gag an!

Der gelehrige Mops wird vor einen Bildschirm gesetzt, auf dem Hitler eine seiner fulminanten Reden hält. Wann immer nun Herrchen dem lernwilligen Mops Juden ins Gas ( „Gas the Jews“) zuruft, hebt die Knuddelwurst die Pfote zum Hitlergruß.

Damit Herrchen den Riesenspaß nicht alleine genießen musste, sondern weltweit ein Kicherpublikum hinter sich weiß, stellte er den Witz mit dem Slogan Juden ins Gas auf Youtube.

Der Kolumnist Andrew Doyle von Spiked sieht es so: Ob dieses Video lustig ist, ist Ansichtssache. ( “ Whether the video is funny or not is a matter of opinion“).

Um mir eine bloß subjektive „Ansicht“ über diesen eigenartigen Joke, ohne Relevanz für einen weiteren Gesichtskreis als den meinigen, bilden zu können, hole ich aus meinem Bücherregal den Band Yad Vashem, Zeugnisse des Holocaust.

Ich blättere in Leichen, die auf einem Scheiterhaufen auf die Verbrennung ihrer stinkenden Körper warten. Ich sehe Kinder, die vor Orientierungslosigkeit ins Nichts starren, nackte Frauen, die kurz nach dem Erinnerungs-Schnappschuss wie Säcke zusammenfallen werden, Juden-Fratzen von tötungsgeilen Karikaturisten auf Plakate gekonnt gebrannt, lachende Soldaten vor ruinierten Judengestalten, einen zielsicheren Schuss auf eine ihr Kind schützende Mutter, einen Hinterkopfschuss auf einen in die Todesgrube fallenden Mann.

Der Spiked- Kolumnist verteidigt den Videokünstler.

Witze über Antisemitismus, so kommentiert er, seien das beste Mittel, um die NS-Ideologie lächerlich und unschädlich zu machen und gegen Antisemitismus vorzugehen.

Und außerdem hätte sich der Künstler-Spaßvogel, wäre er Antisemit, ein effektiveres Mittel als einen Mops ausdenken können, um NS Ideologie zu verbreiten.

Und zu guter Letzt eine zu überdenkende Handlungsempfehlung vom Verfechter des Mops-Videos. Wer immer, so der Autor, besorgt sei um das Erstarken von NS Gedankengut, solle das Video zur Bekämpfung von Antisemitismus weiter verbreiten.

Sollte derlei abwegige Logik funktionieren, müsste man dieses Video in Yad Vashem, dem Jerusalemer Museum der Meere von Tränen als neues Objekt im Kampf für das „Nie Wieder“ installieren.

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Zum Autor: Josef Hueber ist Studiendirektor für Deutsch und Englisch sowie Leiter der Fachschaft Englisch am Gabrieli-Gymnasium in Eichstätt.

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Foto: Screenshot Youtube