Von Frank W. Haubold

Wer hetzt im Fernsehen bei Nacht und Wind?
Das ist Christian Ehring, Brandstifters Kind.
Mit Maas und Kahane Arm in Arm.
Hält ihn die Lust am Verleumden warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, denn hinter die Maske du nicht?
Das blutrote Tier mit Huf und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du lieber Michel, komm, glaube mir!
Garstige Geschichten erzähl ich dir;
Man zahlt gut für Lügen in diesem Land,
Mit Silberlingen kauf ich ein gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Lügenkönig mir lachend verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
Sie klatschen doch Beifall, die mit ihm sind. –

„Willst, lieber Michel, du mit mir gehn?
Meine Töchter, die Lügen, klingen so schön;
Meine Jünger in Schwarz schließen schon die Reihn
Und Knüppeln und Fackeln stehn sie für uns ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Vermummte Horden am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Die wolln doch nur Spaß und der Himmel ist blau. –

„Ich liebe die Lüge, säe Hass und Gewalt;
Meine Herrn zahlen dafür ein edles Gehalt.“ –
Mein Vater, mein Vater, jetzt treibt er sie an!
Lügenkönig hat uns ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er hört Schreie im Wind,
Doch der johlende Mob kommt näher geschwind,
Er verriegelt die Türen mit Mühe und Not;
Doch der Brand ist entfacht und die Wahrheit tot.