(David Berger) Es gehört mit zu den neuen, nicht mehr hinterfragten und daher äußerst vielsagenden Adjektiven der Mainstream-Medien, dass im Zusammenhang mit EU-kritischen Politikern stets von „europafeindlichen“ Positionen gesprochen wird.

So etwa jüngst wieder, als ich am vergangenen Montag Morgen nach der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen das Radio einschaltete, um es dann gleich wieder auszuschalten:

„Linksliberaler Europafreund Macron tritt gegen europafeindliche Rechtspopulistin LePen an“.

Diese permanente Gleichsetzung der EU mit Europa ist sicher nicht einfach ein Fauxpas – etwa so, wie wir häufig in Deutschland von „Tempos“ reden, aber ganz einfach Papiertaschentücher meinen. Dabei hinkt auch dieser Vergleich, denn die Tempos sind noch die vergleichsweise qualitätsvolleren Papiertaschentücher, bei denen das Risiko gering ist, dass sie im Gebrauch reißen.

Im Unterschied dazu ist die EU alles andere als die besonders qualitätsvolle Ausgabe von Europa.

Der bekannte Publizist Ramin Peyami hat dazu auf Facebook bemerkt:

„Die Ideologen haben wieder Hochkonjunktur. Erleichtert feiern sie, dass nun wohl ein radikaler Verfechter des Machtapparates „EU“ nächster Präsident Frankreichs wird.

Ich kann die Parole vom „Sieg für Europa“ wirklich nicht mehr hören. Sie ist so hohl wie das damalige Mantra der Kanzlerin von der Alternativlosigkeit des Euros.

Die heutige Europäische Union steht wie auch die untaugliche Gemeinschaftswährung nicht für das Europa, von dem die Gründer der Europäischen Gemeinschaften geträumt haben.

Wer dies feststellt, ist kein Anti-Europäer, sondern ein glühender Anhänger der Europäischen Idee!“ – soweit Ramin Peyami.

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht die Tatsache, dass der Begriff Europa so sehr missbraucht wurde, dass ich inzwischen lieber den teils auf die Antike und in seiner deutschen Fassung auf das 16. Jahrhundert zurückgehenden, von den Gebrüdern Schlegel und dem großen Dichter Novalis veredelten Begriff „Abendland“ zurückgreife.

Der Begriff „Europa“ ist durch die Europäische Union bzw. die Gleichsetzung dieser Institution mit Europa so sehr in Misskredit geraten, dass ich inzwischen lieber den Begriff „Abendland“ gebrauche.

In ihm hallt die erste Regierungserklärung des Bundeskanzlers Konrad Adenauer wider, der sich 1949 – in bewusster Absetzung zur Barbarei des nationalsozialistischen Faschismus – ausdrücklich zum „Geist christlich-abendländischer Kultur“ bekannte. Und zugleich schwingt ihn ihm die Wehmut des Abends. Sie ist angebracht, denn bis zur Befreiung des Abendlandes aus den blutigen Fesseln des Islam-Faschismus haben wir noch einen weiten, steinigen Weg vor uns.

Aber auch hier hat Novalis tröstende Worte für uns: „Man sollte stolz auf den Schmerz sein. Jeder Schmerz ist eine Erinnerung unseres hohen Ranges.“