(David Berger) Linksintellektuelle Demokraten haben es derzeit nicht leicht. Der Brexit, einige Wahlergebnisse in Europa, besonders aber der Wahlsieg Donald Trumps in den USA, machen ihnen hart zu schaffen.

In jener Zeit, als ihre Ideen einen Wahlerfolg nach dem anderen einfuhren, gerierten sie sich als glühende Verfechter der Demokratie. Diese Einstellung wendet sich derzeit komplett und in Windeseile.

Das wird gut sichtbar an einem soeben in deutscher Sprache erschienen Buch von Jason Brennan, seines Zeichens Professor an der Elite-Universität Georgetown in Washington. Dessen Titel sagt eigentlich schon alles aus, was uns der Herr Professor mit einem fast schon missionarischen, anti-populistischen Eifer nahe bringen möchte

„Gegen Demokratie. Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen überlassen dürfen“ (Ullstein 2017).

Government-Vedder-Highsmith-detail-2Initialzündung für dessen Abwendung von der die westliche Gesellschaft in ihrem tiefen Wesen prägenden Grundeinstellung war der Wahlsieg Trumps in den USA.

Nach dem Motto: wenn solch ein Politiker, der uns nicht ins Konzept passt, demokratisch an die Macht gelangen kann, sollten wir die Demokratie abschaffen.

Ganz so brutal sagt er das natürlich nicht, sondern wartet mit einer Theorie auf, die die Gesellschaft in Hobbits, Hooligans und Vulkanier aufteilt (sic!). Hobbits sind vernachlässigbar: sie haben weder Interesse noch Ahnung von der Politik – und gehen sowieso nicht wählen. Das soll unbedingt auch so bleiben bzw. ihnen soll der freiwillige Wahlverzicht nun verordnet werden.

Das Problem sind die Hooligans: Sie leugnen den Klimawandel, obwohl sie unter den Unwettern leiden, sie haben etwas gegen Migration besonders von Muslimen in ihren Ländern, obwohl diese nur eine kleine, völlig ungefährliche Randgruppe darstellen und den Wohlstand der Hooligans garantieren. Aber auch Menschen mit Migrationshintergund befinden sich in dieser Gruppe: etwa die vielen Latinos, die Trump wählten, obwohl der doch eine Mauer zu Mexiko bauen will.

Alleine die Vulkanier können wirklich sinnvoll eine Wahlentscheidung treffen. Sie sind bestens durch die verschiedensten Medien unterrichtet, können ausgiebig differenzieren und setzen auf nachhaltige, zukunftsfähige Konzepte, frei von Vorurteilen und Diskriminierung – statt auf Populismus. In den allermeisten Fällen können sie auch entsprechende akademische Abschlüsse vorweisen.

Nur diese letzte Gruppe soll in Zukunft wählen dürfen. Das heißt, die Demokratie wird durch die Epistokratie abgelöst.

Remarks at Dedication of Victims of Communism MemorialBürger müssen, bevor sie wählen dürfen, bestimmte Tests ablegen, in denen ihr Wissen über politische und wirtschaftliche Fakten, besonders aber Hintergründe und Zusammenhänge abgefragt wird.. Nur wer den Test bestehe, dürfe an der Wal teilnehmen. Das wären nach den Schätzungen Brennans etwa 20 % der heutigen Wähler (in den USA).

Dass der Bildungsstand ganz wesentlich von ökonomischen Voraussetzungen mitbestimmt wird, ist eine Doktrin, die uns die Linken bislang immer wieder nahe bringen wollten, um damit den Bildungsstand insgesamt möglichst tief nach unten zu regulieren, zu ent-elitarisieren.

Nun machen sie sich durch Leute wie Brennan mit Denkmustern gemein, die ganz und gar elitär und ökonomisch im Sinne der „herrschenden Klasse“ ausgerichtet sind. Schizophrenie? Oder liegt es daran, dass man glaubt, dass die monetäre und intellektuelle Elite ohnehin komplett linksdrehend ist?

Um die Menschen an diese neue Regierungsform zu gewöhnen, schlägt der Professor aber erst mal mildere Formen der Wählerselektion vor. „Simuliertes Orakel“ nennt er das: Das heißt jeder geht wie gewohnt wählen, bei der Auswertung der Testergebnisse bestimmt aber ein „Algorithmus“, wie gut der Wähler vermutlich informiert war, und entscheidet dann, ob seine Stimme überhaupt in das Endergebnis eingehen wird.

Viele werden jetzt sagen, dass wir in Europa solche Orakelwahlen doch schon länger haben: Bleistifte in Wahlkabinen, mehr abgegebene Stimmen als Wahlberechtigte usw. zeigen, dass Orakeln auch ohne komplizierte akademische Vulkanier-Paradigmen funktioniert.

Vermutlich sind solche Überlegungen aber populistisch und machen mich zum Hooligan. Ob ich sie – verlustig es Wahlrechts – dann noch äußern darf, weiß ich gar nicht.

Aber wenn es der Herr Professor mehr vulkanierhaft und akademisch haben will: Schon der große antike Philosoph Aristoteles schlug mit seiner „Herrschaftsform der Philosophen“ eine Art Epistokratie vor. Herausgekommen ist dabei ein Alexander der Große, der bei aller Bewunderung, die er als Feldherr bei manchen findet, doch Tausende seiner eigenen und der fremden Soldaten ohne mit der Wimper zu zucken seiner Machtgier opferte. Zuletzt sogar seinen Geliebten.

Was Aristoteles vergessen hatte und was Brennan nicht klar ist: Politik, die auf philosophische Theorien und Ideologien bzw. auf eine kleine Gruppe an Hohepriestern der Weisheit setzt, ist bislang immer gescheitert.

Klugheit ist – wie schon der große Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert wusste – die Tugend, die in der Politik gefragt ist.

Und damit sind in der Regel ganz einfache Menschen, deren Denken nicht komplett durch Soziologie- und Genderseminare pervertiert wurde, weitaus besser ausgestattet als diejenigen, die sich für die intellektuelle Elite halten.

***

Fotos: (2) Elihu Vedder (1836–1923). Photographed 2007 by Carol Highsmith, via Wikimedia Commons (3) „Göttin der Demokratie“ – auf dem Mahnmal für die Opfer des Kommunismus (c) White House photo by Joyce N. Boghosian, via Wikimedia Commons

14 Kommentare

  1. Hat dies auf nachtgespraechblog rebloggt und kommentierte:
    Die Linksintellektuelle Demokraten ob in den USA oder Europa, haben eine sehr merkwürdige Einstellung zu Demokratie, Freiheit und Rechte. Warum allein in Deutschland fast 40% aller linken Parteien so ein verschrobenes Weltbild haben, wissen nur diese Menschen selbst. 40 Jahre lang hatten Kommunisten und Sozialisten in den unterschiedlichsten Staaten des Sagen. Keiner nicht einer, hat es geschafft ohne Gewalt und ohne manipulierten Wahlen an die Macht zu kommen, bzw. sie dort zu behalten.Also rein Wähler technisch sind diese Parteien nicht prädestiniert ein Land zu regieren.

  2. Wahrscheinlich hält er es mit Schiller, der ja auch der Meinung war:

    „Was ist Mehrheit, Mehrheit ist Unsinn, Verstand ist stets bei wen´gen nur gewesen!“

  3. Bis heute sind noch ALLE Systeme gescheitert, und die aktuellen können noch scheitern.

    Ich sehe in der Fehlbarkeit des Menschen das Hauptproblem, besonders wenn er für seine Entscheidungen keine passende Expertise hat.

  4. „Unvernünftigen überlassen dürfen“ und „Ewiggestrige“, zwei Schlagworte die die Linken sehr gern benutzen und auch schlagkräftig sind, ebenso die Bezeichnung ihrer politischen Gegner als „Nazi“ oder die „Fortschrittlichen Linken“. Und man möchte uns immer noch erzählen, das Populismus ein Problem der sogenannten Rechten ist. Wir alle haben uns daran gewöhnt, wenn solche Worte gebraucht werden nur ist es schädlich für alle die nicht so denken. Da werde die alten linken Massenmörder aus dem Hut gezaubert und alle demokratischen Kräfte lassen sich das gefallen.

  5. Nun ja, im Nationalen Sozialismus sind gerade die sehr gebildeten dem besonders gerne nachgelaufen.
    In den anderen Sozialistischen Systemen ebenso.
    Es waren ja die sehr Gebildeten die solche Mordsysteme erst ersannen.

    Aber im alten Griechenland war Demokratie keine Volksherrschaft, der Demos bestand aus den oberen 10% der Besitzenden, der besonders gelehrten und auch der Krieger.

    Nur wer Besitz hatte wurde als Stimmbürger betrachtet, denn alzuoft wurde Entscheide gefällt die über Krieg oder Frieden entschieden.
    Besitzlose aber würden für Krieg stimmen weil sie dabei zu Besitz kommen könnten, während die Besitzenden alles verlieren wenn der Krieg verloren ging.

    Libertäre denken heute auch an die Nachteile der Demokratie.
    Nicht eigennützig wie obiger Professor, sondern die schleichende Korruption im demokratischen System wollen sie ausmerzen.
    Demokratie wie in der Schweiz ist viel wehrhafter gegen die unliebsamen Begleiterscheinungen, aber nicht zu 100%.
    Also schlagen Libertäre oft vor, als Stimmbürger nur zuzulassen wer keinerlei Leistungen vom Staat bezieht über den er abstimmt.
    Hartz-4, Lehrer, Polizisten, Beamte und auch Politiker würde kein aktives Stimmrecht besitzen, denn sie urteilen immer auch für ihren Brötchengeber, den Staat und sorgen so für dessen Wuchern, überborden, und stetiges nach noch mehr Geld verlangen.
    Sie sind eine der Triebfedern für dessen entarten.

    Es gibt also Rezepte um den Staat einzuhegen, aber die haben nichts damit zu tun das man etwas ersinnt, um nur noch die Kandidaten der erwünschten Parteien in ein Amt zu bringen.

    Was dieser Professor vorschlägt ist der Grundstock für eine Diktatur.

    • Demokratie ist realiter die Diktatur der Mehrheit über die Minderheit. Weil das schon lange bekannt ist, leben wir ja gerade NICHT in einer Demokratie (als Staatsform), sondern in einer Republik. Leider ist das nur wenigen bewußt. Der Rechtsstaat z.B. steht über dem Mehrheitsentscheid. Die Dikatur der Mehrheit ist eingehegt, z.B. durch Grundrechte.
      Leider ist das immer noch problematisch. Die von ihnen erwähnten Libertären haben ganz recht mit ihren Vorbehalten. Es darf z.B. nicht dazu kommen, daß eine Mehrheit sich abspricht, eine Minderheit (die bösen Reichen) zu enteignen. Letztlich ist aber genau dies das Abbild des demokratischen Umverteilungsstaats.
      Deswegen gehört der Staat auf seine Kernkompetenzen, innere u. äußere Sicherheit, reduziert und wirtschaftspolitische „Abstimmungen“ haben durch das demokratischste Prinzip zu erfolgen, das es gibt: durch Angebot und Nachfrage.

      • Carl Eugen…………….

        Demokratie bedeutet ja im Griechischen Ursprung eben nicht die macht der Mehrheit, sondern eben eine Machtaufteilung unter den „Besitzenden“. ( Demos )
        Volksmacht wäre Ochlokratie. ( Die Macht des Pöbels. )
        Heute versteht man unter Demokratie aber die Beteiligung des Volkes an der Macht, also 1 Bürger eine Stimme.
        So gesehen ist sie nicht das was die alten Griechen praktiziert haben.

        Moderne Demokratie und Republik passen sehr gut zusammen, ja ich finde …..sie müssen zwingend zusammenkommen.
        Denn das teilt die Macht ……die es irgendwo immer gibt, auf.

        In der Schweiz ist alles dezentral geregelt. Unsere Vorväter wollten / mussten jedem Kanton seine Kompetenzen belassen.
        Die Bürger der Schweiz haben Kompetenzen, die Gemeinden haben Kompetenzen auf Gemeindeebene, Kantone auch ……und alle zusammen haben einen Nationalrat und Ständerat den sie auf nationaler Ebene nutzen können.
        Damit das nicht aus dem Gleichgewicht gerät gibt es dazu einen demokratischen Modus der in der Verfassung festgelegt wurde, also die Spielregeln.

        Das Demokratie die Diktatur der Mehrheit ist stimmt nur Theoretisch, denn Demokratie muss einen Modus haben, wird sie immer haben.
        Die Mehrheit der Schweiz kann bzw. nicht entscheiden das wir unsere Gefangenen foltern.
        Das heisst, sie müsste erst in mehreren Schritten und jedes Mal mit einem Volksmehr etliche Hürden überwinden um so etwas zu tun, die Spielregeln zu ändern. Die stehen in der Bundesverfassung und haben besonders hohe Hürden.

        In der Demokratie gibt es dazu eine Verfassung oder dergleichen.
        In der werden Minderheitenrechte usw. festgelegt. Ja im System Schweiz gibt es dazu das Mehrkammersystem …….damit bei gewissen Fragen die bevölkerungsreichen Kantone …..die kleinen wie Appenzell nicht einfach überstimmen können.
        „Ständemehr“ heisst das bei uns. Sogar wenn die Mehrheit an Stimmen zusammenkommt, muss auch die Mehrheit der Stände / Kantone zustimmen um etwas zu ändern.

        Trotzdem ist das Modell Schweiz nicht gegen alles gefeit, auch wir müssen bei jedem Urnengang unser Modell verteidigen, gerade heutzutage wo Links es relativiert, es nur gerade dann Unterstützt wenn es ihnen dient. ( siehe RASA / Masseneinwanderungsinitiative usw.)

        Es gibt nur diesen Weg, denn alles andere würde bedeuten das eine Minderheit über die Mehrheit dominieren könnte.
        Das aber würde eine Diktatur ermöglichen, und eine Diktatur wäre es auch dann wenn die Diktatoren alle sehr umsichtige, kluge und wohlwollende Menschen wären.
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        Es gibt keine sinnvolle Alternative zur Mehrheit in der heutigen Demokratie.
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  6. das sind keine intellektuellen, sondern geisterbeschwörer wie ayn rand sagt. feiglinge vor der praktischen tat, die die realität fürchten und nur ihr gefühl einer boshaften ohmacht ausformulieren, die gerne die kontrolle über die männer der tat hätte. deshalb ihr ruf nach bevorzugung. mehr ist es nicht. insofern sollte man diesen modernen idiotes als erstes das wahlrecht entziehen.

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