Ein Gastbeitrag von Ricardo Lola Sara Korf (Zürich)

Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hatte die DDR (Deutsche „Demokratische“ Republik) die Selbstmordrate aus dem jährlich erschienenen „Statistischen Jahrbuch“ entfernt. Zu schön war die DDR – und steigende Selbstmordraten passten nicht in das aufstrebende, politisch goldene DDR-Zeitalter der 80er Jahre, kurz vor dem 40jährigen Jubeltag der DDR.

Die Revolte kam bekanntlich einige Wochen später im November 1989.

Viele Menschen sahen keine Hoffnung, keinen rot-rot-goldenen Schimmer mit Hammer und Sichel im Ehrenkranz am Horizont, jenseits von Mauer, Gefängnis (Bautzen oder Hohenschönhausen) und Kinder-KZs (JWHs-Jugendwerkhöfe, wie Torgau), Stacheldraht und Todesstreifen.

Man zählte -auch im Westen- nur die Flüchtlingsopfer an der Grenze, aber nicht diejenigen, die keine Kraft hatten den Fluchtversuch zu wagen. Dies taten nur die Stärksten, ganz ähnlich wie heute im Flüchtlingsdrama. Denn: Nur die HARTEN begeben sich auf den Weg in den vermeintlichen EU-Garten. Zurück bleiben die Schwachen! Heinrich Heine schrieb bereits 1849 in seinem „Buch der Lieder“ im Gedicht „Die Wanderratten“ davon. In 200 Jahren hat sich nichts geändert!

In der pittoresken (beschaulichen) Bundesrepublik gehen mittlerweile auch immer mehr Lichter von aufrechten & sensiblen Menschen aus – wie die, noch existierende, Selbstmordstatistik der BRD verrät. Und die Zahl nimmt zu.

Ganz so wie damals. Und ich trauere um jedes einzelne Opfer, jedes einzelne Schicksal des heutigen Wahns von Bürokraten-Zwang, persönlicher Erniedrigung, politischer Verfolgung und monetären Lebenszwang.

Weltweit töten sich derzeit jährlich 800.000 Menschen selbst. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat erstmals 2012 einen Bericht dazu erstellt.

Allein in Deutschland sind es mehr als ungeheuerliche 11.000 Menschen, wobei seit 2003 (laut statistischem Bundesamt) die allermeisten älter als 40 Jahre jung sind. Mehr als zwei Drittel davon sind Männer.

Liegt es am Anpassungsdruck, am immer höheren Leistungs/-Panikdruck? Liegt es an der Ausgrenzung der Familienernährer, dem Verlassen von Familienzuwendung und Unterstützung, an zunehmender Belastung am Arbeitsplatz – oder schlichtweg an der Verzweiflung, dass sich ohnehin nichts ändern wird? Darüber gibt es keine wissenschaftlichen Auskünfte. Leider!

1990 war die Suizidrate mit mehr als 20.000 Schicksalen im deutschen Osten und Westen am höchsten. Die Tendenz geht wieder nach oben (Bundesamt für Statistik). Anfang der 90er Jahre des bis Ende 2000 ging die Statistik drastisch zurück – um knapp 50 Prozent! Danach schnackten die Zahlen und nehmen nunmehr wieder kontinuierlich zu. Bitter! Allein im Jahr 2016 haben 10.800 deutsche Seelen dem Leben in Deutschland den Rücken gekehrt.

Es braucht meiner Meinung nach keine Ursachenforschung mehr! Nur wer noch jung und frisch ist wird dem zunehmenden Leistungsdruck gerecht. Das mehr als 2/3 der Selbsttötungsopfer älter als 40 Jahre sind ist eine Aussage, die für sich selbst steht. Traurigeres Deutschland!

Im Übrigen: Die Schweizer Statistik ähnelt nahtlos der deutschen und österreichischen Statistik der jeweiligen statistischen Bundesämter.

Wann hört man endlich auf die Menschen krank zu machen – bis sie nicht mehr können & wollen? Und jetzt sollen sie noch bis 70 Jahre arbeiten? Wo bleibt die Wirklichkeit?

Für Aufsichtsratsvorsitzende, die von einem Buffet zum anderen reisen, mag das gelten. Doch was wird aus denen, die dem Anpassungsdruck, als Arbeiter, Angestellte und und und nicht standhalten? Muss es noch mehr Suizid-Opfer der Globalisierung geben, bevor man endlich versteht?

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Quellen:
Statista
Psychomeda

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Foto: „Der Schrei“ © By Edvard Munch (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons