Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin – von David Berger

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Etwas mehr als eine Woche nach dem brutalen LKW-Massaker auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin habe ich gestern jenen Ort besucht, der zu einer weiteren Kreuzwegstation jenes Leidensweges geworden ist, den Deutschland gerade erste begonnen hat.

Noch bevor man den Weihnachtsmarkt selbst betritt, wird einem klar: Dieser ist mit Beton-Panzersperren und Polizei besser gesichert als all unsere Grenzen.

Ein Spruch kommt mir in den Sinn, den ich ein paar Stunde zuvor auf Twitter gelesen hatte: „Der Irrsinn des Jahres 2016 lässt sich mit diesen zwei Extremen zusammenfassen: Januar 2016: „Unsere Grenzen mit Schusswaffen schützen? Um Gottes Willen, auf keinen Fall!“ Dezember 2016: „Unsere Weihnachtsmärkte mit Schusswaffen schützen? Ja, unbedingt!“

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Im Weihnachtsmarkt selbst angekommen, fällt einem auf: Die wenigsten Besucher haben Interesse an den Ständen, die von Duftseifen bis Glühwein alles feilbieten, was sich vor allem Menschen, die mit dem originären Weihnachtsfest kaum noch etwas anfangen können, unter „Weihnachten“ vorstellen. Und so einen der wunden Punkte selbst repräsentieren, der für den islamistischen Terror ein wichtiges Einfallstor darstellt: Die Geschichts- und Religionsvergessenheit eines ganzen Volkes.

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Gleich an mehreren Stellen sind Gedenkstätten entstanden, an denen die Menschen nach wie vor Blumen niederlegen und Kerzen anzünden. Eine Japanerin, die in Deutschland lebt, zündet eine Kerze an. Als sie aufsteht, sehe ich, dass sie weint. Ihr deutsch aussehender Freund nimmt sie in die Arme, tröstet sie. Ich wage es nicht, sie in dieser Situation anzusprechen. Aber andere Menschen lassen sich an diesen Gedenk-Orten schnell auf ein Gespräch ein. Natürlich sind auch die üblichen Floskeln dabei, die wir von den Medien und Politikern für solche Situationen verordnet bekommen haben: „Unseren Hass bekommen die nicht!“ oder „Christen, Juden und Muslime müssen jetzt zusammenhalten“. Häufig findet man solche Sprüche dann auch auf den Zetteln zwischen den Blumen, die noch nicht von Aufsehern entfernt wurden.

weihnachtsmarkt-muslimeAber sehr schnell stellen sich auch andere Stimmen ein. Eine Frau mit schwäbischem Akzent zeigt mir auf ihrem Hand eine Bildmontage mit einem Foto der Kanzlerin, Hände und Gesicht mit Blutspritzern verschmiert. Für sie und ihren Mann ist klar, dass die eigentlich Schuldige an dem, was hier geschehen ist, und was in so manche Familie unbeschreibliches Leid getragen hat, bei Merkel liegt:

„An Merkles Händen klebt das Blut der Terroropfer!“ sagt sie laut und bestimmt zu mir.

Die anderen halten sich politisch weitgehend zurück, aber man bemerkt eine Mischung aus Angst, das zu sagen, was sie denken, aus tiefer, resignierender Trauer und hilfloser Wut in ihren Gesichtern und in ihren spärlichen Worten.

panzersperren-2Bedrückter als zuvor verlasse ich den Ort des Terrors, der nur eine der Anfangs-Stationen eines Kreuzweges sein wird, der Deutschland bevorsteht. Ein Weg, an dessen Ende vielleicht der Untergang unserer Heimat steht, wenn nicht spätestens im neuen Jahr jenen die Macht aus den Händen genommen wird, die noch vor wenigen Monaten forderten, dass Flüchtlingen der Zugang zu LKW-Führerscheinen besonders leicht gemacht werden soll. Die uns einreden, dass wir uns an den Terror gewöhnen müssen. Die uns indirekt allen Ernstes deutlich machen wollen, dass offene Grenzen und die Refugees-welcome-Ideologie notfalls auch das Leben unserer Eltern, Brüder und Kinder fordern.

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Fotos: (c) David Berger

9 Kommentare

  1. „Der Irrsinn des Jahres 2016 lässt sich mit diesen zwei Extremen zusammenfassen: Januar 2016: „Unsere Grenzen mit Schusswaffen schützen? Um Gottes Willen, auf keinen Fall!“ Dezember 2016: „Unsere Weihnachtsmärkte mit Schusswaffen schützen? Ja, unbedingt!“ – dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen!

  2. Sehr guter Artikel, David Berger! Leider werden immer noch zu viele Floskeln abgesondert,
    immer noch trauen sich zu wenige, ihre wirkliche Meinung zu sagen. Ganz richtig auch die Bemerkung über ein religions- und geschichtsvergessenes Volk. Das erinnert mich an den
    großen Peter Scholl-Latour, der genau dies schon vor vielen Jahren immer wieder bemerkte.
    Genau so ist es – wie ich täglich bei meiner Arbeit als Religionslehrerin erlebe.

  3. Diese ganzen Appelle klingen gut, aber sind meistens moralisch aufgepumpte Augenwischerei, um über das eigene politische Versagen und über die nicht klar wahrgenommenen Grundursachen die Menschen hinwegzutäuschen.

    Ebenso der Sicherheits-Aktionismus, der dann hinterher ausbricht.

    Viele Probleme sind in ähnlichen Konstellationen aus der Vergangenheit bekannt. Man hat Erfahrungen mit Des-Integration, mit Radikalisierungs-Erscheinungen, mit Ideologien. Da muss man nicht immer wieder bei der Politik so tun, als müsse man damit immer wieder bei Adam und Eva anfangen.

    Hinsichtlich der Nazi-Zeit setzt man bei den Menschen ja auch und auch berechtigt einen Lernprozess voraus.
    Warum tut man das in anderer Hinsicht nicht?

    Solche Terrorattacken gab es in Europa, auch in Deutschland gab es schon etliche Terroranschläge und Versuche. Soagr mit einem LKW gab es einen Anschlag – in Nizza.

    Da kann man nicht den Kopf in den Sand stecken und so tun, als könne das hier NIE passieren.
    Einerseits signalisiert man: ja, es gäbe eine Anschlagsgefahr, andererseits hieß es dann noch kurz vor Weihnachten, das keine Erkenntnisse für eine aktuelle Terrorgefahr vorlägen.

    Das liegt auch mit daran, dass man sich einfach nach wie vor nicht den LEIDER vorliegenden Grundproblemen stellt. Was das bedeutet, daraus HÄTTE man auch gerade und unter anderem aus der Nazi-Zeit eigentlich lernen können ….. und: MÜSSEN.

    Ein schwerwiegendes Politk- und Staatsversagen aus meiner Sicht.

    Der Täter wurde – durch die als es die AfD äußerte – Waffengewalt-Nutzung erschossen. Seine Opfer sind tot und die Überlebenden eines solchen Anschlags haben meistens lebenslänglich.

    Es wäre schön, wenn die Politik Deutschlands ihre Scheuklappen auch endlich mal in Verpflichtung solchen Opfern gegenüber endlich ablegen und die Probleme klar bei Namen nennen würde statt sich auch da immer wieder hinter Vertuschungs-Floskeln zu verstecken.

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