(David Berger) Im vornehmen Ambiente des Berliner Hotels Adlon verlieh die „Jüdische Rundschau“ gestern Abend zum ersten mal einen „Preis für ehrlichen Journalismus“. Die Feier wurde zu einem Plädoyer gegen Nanny- und Gesinnungsjournalismus. Der Herausgeber der Rundschau an die zahlreich anwesenden Journalisten: Ihr gewinnt keine Glaubwürdigkeit zurück, wenn ihr eure Kritiker einfach in die rechte Ecke stellt!

Gestern war es nun soweit: Die „Jüdische Rundschau“hat zum ersten mal den von ihrem Herausgeber, Dr. Rafael Korenzecher gestifteten „Preis für ehrlichen Journalismus“ verleihen. Im Palaissaal des Berliner Hotels Adlon am Brandenburger Tor hatte sich zu der Preisverleihung der journalistische und publizistische „Adel“ Deutschlands eingefunden. Von Alan Posener (Welt) und Jan Fleischhauser (Spiegel) über Alexander Wendt (Focus) und Alexander Kissler (Cicero) bis hin zu Nicolaus Fest war das gesamte Spektrum der Printmedienlandschaft vertreten.

Dem sorgfältig geladenen Publikum redete dann auch der Stifter des Preises und Herausgeber der Jüdischen Rundschau, Rafael Korenzecher, in seiner Eröffnungsrede sehr deutlich ins Gewissen. Eigentlich werde mit dem Preis eine Eigenschaft ausgezeichnet, die das wichtigste Merkmal journalistischen Arbeitens sein müsste, die Ehrlichkeit. – aber es leider in der deutschen Medienlandschaft nicht mehr ist. Dort herrsche weithin ein „Gesinnungsjournalismus“. Die Grenzen zwischen dem Berichten über Fakten und der subjektiven Meinung des Kommentars verschwänden zunehmend, Kritiker an dieser Entwicklung würden vorschnell in die rechte Ecke gestellt. Eine Entwicklung, die sich in Headlines besonders krass zeige, die den Leser bewusst in die Irre führen. Gerade im Hinblick auf Israel sei dies in Deutschland überdeutlich.

Ob die „Süddeutsche Zeitung“, deren Israelberichterstattung bereits öfter in den Verdacht geriet, antiisraelische bzw. antisemitische Aversionen zu bedienen, einen Vertreter geschickt hatte, weiß ich nicht. Aber selbst Jan Fleischhauer vom „Spiegel“, der die Laudatio auf den Preisträger, den amerikanisch-jüdischen Bestseller-Autor und Journalisten Tuvia Tenenbom hielt, musste sich angesichts der Rede Korenzechers wie ein gemaßregelter Schuljunge vorkommen. Sehr früh zu Beginn seiner Laudatio blieb ihm dann auch die unangenehme Aufgabe, über die peinlichen Buchbesprechungen, die der „Spiegel“ zu Tenenbom publiziert hat, Stellung nehmen.

Der Preisträger begeisterte in seiner Dankesrede nicht nur durch seine sehr persönlichen Dankesworte an seine Frau, die ihn bei seinem publizistischen Arbeiten nicht ganz so „alleine“ wie seine Buchtitel vermuten lassen, da stehen ließ. Auch die „ehrliche und ungeschönte journalistische Sicht auf die Dinge“, für die er geehrt wurde, faszinierte das Publikum : Zum einen bei dem öffentlichen Vortrag eines Kapitels aus seinem neuesten Buch „Allein unter Amerikanern“, das auf beeindruckende Weise deutlich macht, wie groß die Erwartungen – gerade der „people of color“ – in den USA an Obama waren und wie immens groß deren Enttäuschung nach 7 Jahren Präsidentschaft durch einen „von ihnen“.

Zugleich nahm der international bekannte Autor aber auch Stellung zu einem deutschen Thema: Er sprach sein Erstaunen darüber aus, dass es hier wieder eine Art Zensur gebe, wie sie etwa an der Buchhandelsblockade der Bücher Akif Pirinccis besonders deutlich wird. Egal wie groß eventuelle inhaltliche oder formale Differenzen seien, zeige er sich in dieser Sache solidarisch mit Pirincci.

Pirincci war es auch, der bei dem anschließenden Empfang und einer abschließenden kleinen, mehr privaten Runde, zu der gleich drei Philosophia-perennis-Autoren geladen waren, zur Hochform auflief – und dem Macher dieses Blogs, mit dem er sich noch vor wenigen Jahren eine heftige Auseinandersetzung im Internet lieferte, auf seine Weise bewies, wie wenig homophob er ist.