Ein Gastbeitrag von Daniel Schweizer

In den beiden Artikeln „Schluss mit den linken Feldzügen gegen traditionelle Famlien“ und „Kleinkindbetreuung: Elternkompetenz! Keine staatliche Lufthoheit!“ wurde anhand des Ehegattensplittings und vor allem des Betreuungsgeldes beleuchtet, wie vehement linke Politik gegen alle staatlichen Leistungen kämpft, die es gerade traditionellen Familien finanziell erleichtern, ihr Lebensmodell zu leben.

Anhand des Zitats von Olaf Scholz, die „Lufthoheit über die Kinderbetten erobern“ zu wollen, wurde zudem der Verdacht erhärtet, dass es zumindest Teilen der linken Politik um mehr geht als nur die Unterstützung für Eltern, um den Rücken frei zu haben für Erwerbstätigkeit: nämlich um die größeren Einflussmöglichkeiten des Staates, Zugriff auf die Kinder zu haben und damit auch das in Artikel 6 des Grundgesetzes garantierte elterliche Erziehungsrecht auszuhöhlen.

Wie gerade von linker Seite aus in die Richtung gekämpft wird, dass der Staat leichter Zugriff auf die Kindererziehung bekommt und finanzielle Unterstützung für traditionelle Familien immer mehr eingeschränkt wird, zeigt sich noch an weiteren Beispielen: dem Kampf gegen das Landeserziehungsgeld einiger Bundesländer und der starken Fixierung auf Ganztagsschulen.

Bis heute gibt es in Bayern und Sachsen für Familien mit Kindern unter drei Jahren das Landeserziehungsgeld. In Teilen ähnelt es dem Betreuungsgeld, wird aber – je nach Bundesland – einkommensabhängig gezahlt. Weshalb es Familien mit geringem Einkommen besonders hilft, zumal es im Gegensatz zum Betreuungsgeld nicht auf Hartz IV angerechnet wird.

Diese Leistung gab es auch einst in Baden-Württemberg und Thüringen – bis es dort einen Regierungswechsel zu einer grün-roten bzw. rot-rot-grünen Regierung gab. Wieder eine familienpolitische Leistung, die Eltern FREIWILLIG in Anspruch nehmen durften, um mehr Zeit ihren Kleinkindern widmen und beruflich kürzer treten zu können – und dort abgeschafft wurde, wo SPD, Grüne und Linke die Regierungsverantwortung – wenn man da von Verantwortung reden kann – übernahmen. Obwohl sich linke Parteien doch sonst so sehr für Menschen mit schwachen Einkommen stark machen, haben sie diese Leistung abgeschafft. Traditionelle Familien passen eben nicht ins Weltbild linker Ideologien.

Ein weiterer Punkt, in welchem im linken Lager nicht gerade die Wahlfreiheit der Eltern gefördert wird, ist der Bereich der Ganztagsschulen.

Während im bürgerlichen Lager eher die offene Ganztagsangebot präferiert wird, bei welchem die Eltern selbst entscheiden können, für ihr Kind Ganztagsangebote in Anspruch zu nehmen oder nicht, wird vom linken Lager eher eine flächendeckende Ganztagsschule präferiert – oder die Entscheidung darüber auf die kommunalen Schulträger. Letzteres bedeutet dann auch Pech für die Eltern und ihre Wahlfreiheit, wenn die von ihnen bewohnte Kommunen sich für die verpflichtende Ganztagsschule entscheiden.

Der Besuch einer Ganztagsschule kann durchaus sinnvoll sein – wenn es eine freiwillige Entscheidung der Eltern ist. Für manche Eltern ist es wichtig, so etwas für ihr Kind in Anspruch zu nehmen, weil es ihre berufliche Situation erfordert. Ebenso können Ganztagsangebote für Kinder aus einkommensschwachen Familien hilfreich sein. Für solche Familien ist es oft schwierig, ihren Kindern Nachhilfeunterricht oder ein Hobby in einem Verein zu bezahlen. Ganztagsangebote können gerade solchen Kindern Nachhilfeunterricht ermöglichen, oder auch das Erlernen eines Musikinstruments oder die Teilnahme an einem Mannschaftssport. Es muss aber ein ANGEBOT sein.

Wer die Ganztagsschule verbindlich möchte – im linken Lager leider eine verbreitete Auffassung – muss sich im Klaren sein, dass er damit weder allen Eltern noch allen Kindern einen Gefallen tut. 

Gerade im Hinblick auf das elterliche Erziehungsrecht nach Artikel 6 des Grundgesetzes ist es durchaus ein bewährtes Modell, dass die Kinder vormittags in der Schule sind, an ein oder zwei Tagen (in höheren Klassen, insbesondere der gymnasialen Oberstufe auch mehr) Mittagsschule haben, ABER eben an vielen Nachmittagen auch noch den Eltern mehr Zeit bleibt, selbst wertevermittelnd auf ihre Kinder einzuwirken. Oder die Kinder schlicht und ergreifend auch selbstregulierend nachmittags ihre Zeit nach der Schule einteilen, in der sie zuerst die Hausaufgaben – deren Sinn gerade das selbst regulierte Anwenden von Gelerntem ist – machen, um danach noch ihre Zeit nach ihren Bedürfnissen gestalten. Zumal man nicht 100%ig auch eine weltanschauliche Beeinflussung ausschließen kann. Sicher halten sich die meisten Lehrer gewissenhaft an das Neutralitätsgebot der Schule, aber ganz ausschließen lässt sich eben doch nichts.

Gerade Olaf Scholz` Zitat von der „Lufthoheit über die Kinderbetten“ macht Befürchtungen nachvollziehbar, man möchte mit dem Ausbau von Kindertagesstätten und Ganztagsschulen nicht nur der beruflichen Situation der Eltern entgegen kommen, sondern als Staat auch mehr Einfluss auf die Gesinnung der Kinder nehmen. Erinnert das nicht zweifelsfrei an die DDR?

Und auch mit Blick auf das Kindeswohl wäre es realitätsfern, so zu tun, als wären Ganztagsschulen für jedes Kind das Richtige. Es gibt sicher Kinder, die sich in einer Ganztagsschule wohl fühlen, weil ihnen das Programm gefällt und sie gerne dort die Zeit mit ihren Mitschülern verbringen. Aber es darf auch nicht vergessen werden, dass viele Kinder überfordert sind, wenn ihnen zu viel Programm aufgeladen wird. Für die Entwicklung der Kreativität ist es nämlich auch wichtig, im Kindesalter Spielraum zu haben, in dem man selbst die Einteilung seiner Zeit gestaltet. Dem sind weder ein zu hohes Ausmaß an regelmäßigen Hobbies noch ein zu straff organisiertes Programm durch die Schule dienlich.

Kinder brauchen auch Zeit, in der sie selbst entscheiden, ob sie heute mit einem Freund oder einer Freundin sich zum Spielen treffen, oder sich vielleicht auch einfach einmal in ihr Zimmer zurückziehen wollen, um in ihrem Lieblingscomic zu lesen. Oder welchen Lieblingsbeschäftigungen sie auch immer gerne nachgehen wollen. Es ist also Vorsicht geboten, Kindern zu viel Programm aufzuladen.

Es haben also letztendlich zwei weitere Beispiele gezeigt:

Im politisch linken Lager wird vehement bekämpft, was Eltern mehr Zeit für ihre Kinder einräumt, und vehement gefördert, was Kinderbetreuung und Kindererziehung mehr durch den Staat erfolgen lässt. 

Viele Politiker mögen das mit der gut gemeinten Absicht tun, Vätern und Müttern für ihre beruflichen Ziele den Rücken frei zu halten. Aber das Zitat von Olaf Scholz zur „Lufthoheit über die Kinderbetten“ sollte aufhorchen lassen, ob nicht auch eine sozialistische Einflussnahme auf die Kinder – wie in der DDR – zumindest von Teilen der Politik gewollt ist.

Es bleibt also zum Abschluss der drei Artikel über die linken Feldzüge gegen traditionelle Familien zu sagen:

Ein liberalerer Umgang mit anderen Formen des Zusammenlebens (Patchworkfamilien, Stiefkindfamilien, gleichgeschlechtliche Partnerschaften etc…) nimmt den klassischen Familien aus Vater, Mutter und den gemeinsamen Kindern nichts weg.

Und es ist natürlich richtig, dass es Müttern frei steht, erwerbstätig zu sein, sodass eben auch die Väter mehr für Haushalt und Kinderbetreuung herhalten müssen als früher, oder eben eine öffentliche Kinderbetreuung in Anspruch genommen wird.

Aber die traditionellen Familien haben sehr wohl einen Grund, sich vom Staat zurückgesetzt zu fühlen, wenn vom linken Lager ständig ausgerechnet gegen Leistungen gewettert wird, die es dem traditionellen Familienmodell finanziell ein wenig erleichtern, gelebt werden zu können.

Wie viel liberale Haltung und Respekt bringt das linke Lager dann noch den traditionellen Familien entgegen? Wenn es um moderne Lebensmodelle geht, sind Parteien und Aktivisten aus dem linken Lager die ersten, die Respekt einfordern. Respekt ist aber keine Einbahnstraße.

Abschließend mein Aufruf an all diejenigen, die für die Rechte der Frau auf Erwerbstätigkeit und für den Respekt gegenüber LGBT-Gruppen und auch z. B. gegenüber Alleinerziehenden, Patchworkfamilien und Stiefkindfamilien eintreten: Dieser Respekt ist wichtig, tretet weiterhin dafür ein. Aber lasst euch nicht von Linksideologen vor den Karren spannen, wenn sie immer mehr Leistungen abschaffen wollen, die traditionellen Familien zugute kommen. Denn traditionelle Familien haben auch das Recht, respektiert zu werden und Anerkennung für das zu bekommen, was sie durch Kindererziehung für die gesamte Gesellschaft leisten.

Und mein Aufruf an diejenigen, die das traditionelle Familienmodell leben wollen: Wegen einem liberaleren Umgang mit moderneren Lebensformen wird euch nichts weggenommen. Aber lasst es euch nicht gefallen, dass euch der Staat unter linken Einflüssen immer mehr von dem streichen will,womit eure Leistung als Eltern anerkannt wird.

Kämpft dafür, dass die noch bestehenden familienpolitischen Leistungen wie Ehegattensplitting, Mütterrente, das in Bayern bezahlte Betreuungsgeld sowie das in Sachsen und Bayern bezahlte Landeserziehungsgeld erhalten bleiben. Messt die Parteien auf eurem Stimmzettel bei Wahlen daran, wie viel ihnen daran liegt, euch diese Leistungen zu erhalten – auch dann, wenn es in Koalitionsverhandlungen nach der Wahl geht.

Lasst es euch nicht gefallen, dass der Staat offensichtlich Geld dafür hat, kostenaufwändig Studentenwerke in gendergerechte „Studierendenwerke“ umzubenennen, Wappentiere für Naturparks mit teurem Geld auf Gendergerechtigkeit zu überprüfen – aber im Umkehrschluss Geld dann plötzlich dem Staat zu teuer erscheint, wenn es darum geht, auch eure Leistung als Eltern anzuerkennen. Und lasst es euch nicht gefallen, wenn der Staat solchen Zugriff auf eure Kinder möchte, dass ihr gar nicht mehr selbst entscheiden könnt, ob ihr für eure Kinder einen Kitaplatz und eine Ganztagsschule überhaupt in Anspruch nehmen wollt.

Es ist natürlich zu respektieren, wenn Eltern sich für einen Kitaplatz oder eine Ganztagsschule entscheiden. Es ist aber ebenso zu respektieren, wenn Eltern sich so entscheiden, wie es für Kinder noch in Zeiten meiner Kindheit gewöhnlich war: die ersten drei Jahre in KEINER staatlichen Obhut, ab 3 Jahren im Kindergarten, und später die Schule überwiegend auf den Vormittag begrenzt. Zwischen diesen beiden Varianten gibt es viele Optionen, die weder ganz in die eine noch in die andere Richtung gehen. Diese sind ebenfalls zu respektieren. Der Staat muss hier endlich wieder mehr Elternrecht achten.

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Foto: Seth Singleton says last goodbye to Dad before deployment © von Walter.singleton (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons