(David Berger) Wie Anfang September bekannt wurde, hat sich die „Humanistische Alternative Bodensee“ (HABO) selbst aufgelöst. Der Vorgang ist bezeichnend für das, was wir derzeit in ganz Europa erleben: Atheistische und humanistische Initiativen verlieren erdrutschartig an Bedeutung. Während noch vor einem Jahr atheistische Aktivisten darauf setzten, dass sich mit der Islamisierung Europas notgedrungen eine weitere Säkularisierung unserer Gesellschaft als Gegengewicht einstellen werde, ist genau das Gegenteil eingetreten.

Besonders in intellektuellen Kreisen, die der zunehmenden Verbreitung des Islam im Abendland kritisch gegenüber stehen, stellen sich neue Sympathien für das Christentum, besonders den Katholizismus ein. Die Religion, der Europa seine geistige, geistliche und wirtschaftliche Größe mitverdankt, wird zunehmend als zu stärkende Alternative gegen die Barbarei des Islam betrachtet.

img_0066Ein großes Problem für den Ruf von Humanisten und Atheisten sind die Fundamentalisten in ihren Reihen, die einen fanatischen Atheismus vertreten und sich nicht scheuen mit linksradikalen Gruppen Allianzen einzugehen.

Wie der Sprecher der HABO, Dennis Riehle, mitteilte, wird der lose Zusammenschluss aus Atheisten, Konfessionsfreien, Freidenkern und Humanisten nach vier Jahren sein Wirken beenden. Grund ist einerseits, dass es über die Zeit hin nicht gelungen sei, in verschiedenen Projekten auch Erfolge zu erzielen … Bis zuletzt waren rund 30 Interessierte bei der HABO verzeichnet, sie kamen aus dem gesamten Bodenseeraum, bis ins Allgäu und in die Schweiz und Österreich hinein. Riehle habe angeboten, die bestehenden Strukturen zu übergeben, die ausbleibenden Rückmeldungen führten schließlich zum Entschluss der Auflösung der Initiative.

Der HABO-Sprecher betont für sich: „Ich selbst habe die Erfahrungen in der säkularen Szene genutzt, um auch meinen Glauben noch einmal zu hinterfragen. Ich war zwar aus der evangelischen Kirche ausgetreten, auch fehlte mir der Bezug zu manch christlicher Leere.“

Und weiter:

„Aber die Überzeugung nach der Existenz eines Gottes ist über die Zeit unter Atheisten doch eher wieder gewachsen. Die Zentrierung des Ichs in humanistischen Kreisen hat mich ebenso befremdet wie die damit verbundene Kühle im emotionalen Denken und Handeln.“

„Ich tausche mich also künftig gern mit anderen Menschen über ihren Gottesglauben aus, frei, ohne Bindung an Dogmen. Meine wertkonservativen Ansichten in sexualethischen Fragen, im Lebensschutz sowie in der Familienpolitik bleiben davon unberührt. Und ausgeschlossen ist nicht, dass ich in die Kirche zurückkehre“, so Riehle abschließend.

Foto: (c) von Pilettes (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

14 Kommentare

  1. Das was sich in Deutschland als Atheisten oder Humanisten bezeichnet, hat mit der großen Tradition dieser Ideen gar nichts mehr zu tun … es ist schlicht eine der faulsten Früchte unserer Gesellschaft, die dem Islam, wenn er hier einmal Herrschaft als erstes in die Hand fallen. Und die haben ganz andere Rezepte parat als unsere Langeweiler von den Kirche …

  2. @thombar: Der „freie“ Wille nicht real: Richtig, s. etwa Benjamin Libet.

    Darüber hinaus braucht das menschliche Trockennasenaffentier eine Art Gottesbezug, es schafft sich ohnehin andauernd Götter, seien es Geld, Macht, Autos, Aktien, Waffen, Religionen.
    Besser ist da der offensive Umgang mit dieser offenen Flanke in der menschlichen Existenz. Vor etwa 3000 Jahren empfahlen die Äffchen daher dringend einen personalen Gottesbezug (Ich bin der Herr, dein Gott).
    Das menschliche Tier sucht ganz wesentlich das Erleben von Wertschätzung, von Geliebtwerden statt Angst haben zu müssen, sonst bringt es immer wieder in Kriegen und Massakern seinesgleichen um, beutet seinesgleichen aus und zerstört seine eigene Biosphäre.
    Ich selber empfehle den Lausergott, daran kann man sich orientieren. Vor Jahrmillionen saßen unsere äffischen Vorfahren beisammen und lausten sich zärtlich. Diese zugeneigte Gegenüberhaftigkeit als solche suchen eigentlich heute noch alle Menschen im tiefsten Innern.
    Überkommt einen also das Verlangen nach unredlichem Vorteil, nach Protz und Prestige, kann man sich an dieser inneren Schnittstelle ausrichten. Einfach ausgedrückt: Als Mensch suche ich eigentlich nicht Tand und Trödel, sondern personale Wertschätzung und Güte.
    Empfehlenswert dazu: https://www.youtube.com/watch?v=gVzGO-AyM_w

    Gruß

  3. Der Verfasser des Artikels will Atheist gewesen sein? Um sich wieder einer Religion hinzuwenden?
    Er hat wohl sein Atheist-Sein gar nicht begriffen!
    Wenn man ALLE abrahamitischen Religionen sich ansieht, läßt sich doch klar erkennen, was diese unglaublichen „Glauben“ für Unheil über die Welt bringen. Da kann man nicht den Islam plötzlich mit „Christentum“ bekämpfen, sondern man sollte ALLE Religionen verbieten! Unsinnig sind sie alle, nur weil der Mensch nicht einsehen will, daß mit dem Tod alles aus und vorbei ist!
    Als Atheist hat man einen viel klareren Kopf als die von „Religionsgebetsmühlen“ stupifizierten und gehirngewaschenen „Gläubigen“, die nicht sehen, daß sie in einem Gefängnis sitzen!
    Wer gegen den Islam ist, muß auch das Christentum/Judentum ablehnen. Aber zu dieser Erkenntnis reicht es bei den meisten nicht, weil die „Kirchen“ ihre Pfründe wahren wollen, das Volk ruhig und abhängig gehalten werden soll und die gehirngewaschenen „Gläubigen“ sich nicht frei machen können. DAS wäre die echte Erlösung!

  4. Soviel zum „selbständigen“ Denken solcher Kreise. Wenn man sich keinen Rat mehr weiß, kehrt man einfach in den Schoß des Stumpfsinnigen zurück. Da wird dann ganz plötzlich die jahrhundertelange Unterdrückung des Fortschritt durch die christlichen Kirchen ausgeblendet, die Hexenverfolgungen, die Ermordung von „Ketzern“. Das Christentum ist nicht die Alternative und Antwort zum Islam! Der Papst wäscht doch den Invasoren die Füße persönlich!
    Das Christentum ist eine Religion der Verdummung, des Unfähig machen: Es wurde überhaupt erst erfunden, um dem gemeinen Volk die Vorstellung einzutrichtern, dass sie sich mit ihrer ausbeutenden Lage abzufinden haben, es ist „Gottes Wille“, und der gute Christ wird „erlöst“.

    Ich selbst suche die Spiritualität in vorchristlichen Vorstellungen, in unserer Seele und unserem Geist, der Wiedergeburt, welche übrigens die Kirche bis heute verleugnet bzw. durch ein stumpfsinnige Idee eines „Paradieses“ versucht zu ersetzen.

    Das Christentum selbst ist auch nur eine Parodie des alten Sonnenkultes, ein irrer Witz, den zu gewissen Zeit bestimmte Personen zu ernst nahmen und entsprechend verbreiteten, und das nicht mir freundlichem Zureden!
    Mich brechen wirklich Leute an, die allen ernstes glauben, die Bibel sei über 1000 Jahre alt und vor 2000 hätte ein „Erlöser“, ein „Jude“, Jesus Christus gelebt, der „für unsere Sünden“ stark.
    Dabei ist es natürlich nur „reiner Zufall“, dass schon unsere vorchristlichen Ahnen zur Weihnachtszeit Wintersonnenwende feierten und die (Wiedergeburt)-der Sonne huldigen (die Tage werden wieder länger!), in Gestalt (personifiziert) eines Sonnengottes, eines „Sohns“ des „Allvaters“ Wotan.
    Ostern ist genauso wenig „christlich“, ursprünglich ein Fest des Rumvögelns, wo man queerbeet rummachte und Fruchtbarkeitszeichen wie den Hasen und das Ei verehrte. Natürlich will das die christliche Kirche nicht wahrhaben, und erspinnt sich hier allei Geschichten, dass auf „christliche Mythen“ zurückzuführen! Echte Christen lehnen Ostern und Weihnachten aufgrund ihres offensichtlichen heidnischen Ursprungs klar ab. Und die echten christlichen Vorstellungen, d. h. nicht der heutige moderne Zeug, sind im Kern genauso behindert wie die des Islams, ja sie nehmen sich rein gar nichts!

    • der sonnenkult ist für mich eine logische und äußerst sinnvolle interpretation des frühmenschlichen wissens. die sonne ist der ursprung allen lebens auf der erde, genau so wie die ozeane.

      was spricht also dagegen die sonne oder den ozean anzubeten?

      und wenn wir dann zu den alten indern gehen, die haben von den kühen gelebt und beteten die kühe (u.a.) an.

      irgendwie kann man da sehr gut die entstehung von religiösen kulten ablesen. und es ist sicher kein fehler diese kulte angesichts des erkenntisstandes der jeweiligen zeit zu respektieren.

      sicher werden in einigen jahrtausenden die menschen (wenn es sie noch gibt) über die heutigen religionen ebenfalls lachen, zumindest einige.

      • @thombar Bezüglich Sonne oder Ozeane anbeten: „Dreiecke würden sich ihren Gott dreieckig vorstellen“, J. M. Simmel.
        Geräte würden also die Gerätlichkeit anbeten^°^.
        Vorschlag: Menschliche Personen „beten“ die personal-mitfühlende Menschlichkeit als solche „an“.

      • nach simmel ist gott also eine vorstellung? extrem moderne vorstellung, das sagen auch viele hirnforscher.
        die sagen auch das der freie wille so was wie eine vorstellung ist, aber nicht real wäre. die argumentation dafür fand ich schlüssig

        zu ihrem vorschlag: ich würde nie personen anbeten, weder mitfühlende, noch andere. ich bete gar nicht, wozu sollte beten gut sein.

        beten ist nichts anderes als ein stiller monolog mit einem imaginierten höherwertigen gegenüber genannt gott. wenn ich probleme habe oder einen rat brauche, rede ich lieber mit anderen menschen. das ist meist zielführender als monologe, die man beten nennt.

  5. Kein Wunder, in Deutschland hat man das Gefühl: Koran und Islam haben Grundgesetz und intern. Menschenrechte abgelöst.

    Frau Merkel empfiehlt Fragenden und kritisch dem Islam gegenüber eingestellten Menschen, dass man doch mal wieder in die Kirche gehen sollte.

    Und bei den letzten beiden Malen Juli 2015 und April 2016, als ich in der CHRISTLICHEN (…..) Kirche war, ging es auch um den Islam und wie man mit ihm umgehen solle – angstlos natürlich.

    In der Bach-Kirche 2015 in Thüringen war das EIGENTLICHE Thema die Nicht-Erkennbarkeit der Christen und ihr Bezug zum Christentum. 3 Minuten – danach Kehrtwende: Angst vor dem Islam, wie geht man damit um – und bereits Flüchtlinge.

    In der Schule hätte es unter einem Aufsatz gehießen „Thema verfehlt“ – aber bei dieser starken Sucht, die offenbar viele zum und in den Islam zieht, ärgert mich das, aber wundert es mich nicht mehr.

    Vielleicht gehe ich Weihnachten mal wieder in einen Gottesdienst – und da geht es dann vielleicht ausnahmsweise mal nicht um Islam. Obwohl es ja auch schon Prediger in christlichen Kirchen gegeben haben soll, die islamische Gesänger integrieren wollten.

  6. Kruzifixkult oder Islam – es ist alles der gleiche Schwindel, der auf dem Aberglauben semitischer Kleinviehnomaden der Mittelern Bronzezeit (damals lag die Südgrenze des germanischen Siedlungsraums ungefähr dort, wo heute Hamburg ist) beruht. Was wir brauchen, ist eine Religion, die mit den Natirwissenschaften kompatibel ist!

    • naturwissenschaften und religion schliessen sich in gewisser weise aus. religion fängt da an, wo das durch naturwissenschaften erklärbare aufhört.

      „glauben“ heisst bekanntlich „nicht wissen“. das ganze sind also eher zwei seiten einer medaille und von daher irgendwie auch wieder bedingt kompatibel.

      ich glaube zum beispiel das menschen unsterblich sind in einem naturwissenschaftlichen sinne. die bestandteile des körpers lösen sich nach dem tod auf und leben in anderen lebewesen oder der natur weiter. das ist naturwissenschaftlich logisch und allgemeiner konsens.

      eine seele dagegen ist naturwissenschaftlich (noch) nicht nachweisbar, trotzdem kann ich daran glauben. oder auch nicht;-)

      aber ich vermute sie wollten eher darauf hinaus, das man religion nur jenseits von politischen und religiösen institutionen pflegen sollte, da religion und politik zwar kompatibel, aber extrem schädlich für die menschheit, die gesellschaften und letztendlich den glauben sind.

      • Nein, echter Glaube an die Natur (Naturvorstellungen, Wiedergeburtsgedanke) schließt keineswegs Wissenschaft aus! Man muss hier ganz klar zwischen den abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) und dem allgemeinen Bedürfnis nach Spiritualität unterscheiden! Mir soll jemand einen Zen-Buddhisten zeigen, der meint, der Mensch stamme von Adam und Eva ab, oder ein von unserer Welt unabhängiger Gott habe das All erschaffen! Das sind unlogische Auffassung, denn ein Gott muss Teil des Alls, unserer Welt sein, andernfalls gibt es ihn nicht! Das Gegenteil davon ist Pantheismus: Das Göttliche steckt in allem, und entsteht durch die Wechselwirkung der Dinge untereinander. Das ist zutiefst irdisch, wissenschaftlich, aber birgt eine Offenheit für alles, was über das rein stoffliche Hinausgeht, und heute entweder als Esoterik oder sonstwas abgestempelt wird.
        Man muss auch sagen, dass unsere heutige Wissenschaft massiv mit abrahamitischen Ideologien durchsetzt ist: den Urknall dachte sich ein katholischer Priester aus Belgien aus, um die Physik „bibelgerecht“ zu gestalten. Heute glaubt jeder Physiker diesen Schmarrn. In der Genetik strebt man ähnliches an, indem von einer „mitochondrialen Eva“ gesprochen wird, oder allg. die Stammesgeschichte des Menschen auf wenige Exemplare zurückgeführt wird, mittlerweile gibt es eine „intelligent Design“ – Bewegung, welche die Evolutionstheorie ablehnt und durch eine „Gottesschöpfung“ ersetzt. Ich halte beide Wege für zwei falsche Extreme. Natürlich gibt es eine Entwicklung in der Natur, aber diese ist nicht „zufällig“, das ist absurd, angesichts dieser inneren Vollkommenheit der Natur, der unschlagbaren Vielfalt an Lebewesen, die so bewusst an ihre Umgebung angepasst sind. Aber um das zu erklären, reicht mir weder Zufall noch ein vom All „unabhängig da-seiender “ Gott.
        der Biochemiker Rupert Sheldrake ist an dieser STelle sehr zu empfehlen; und seine wissenschaftliche Vorstellung entspricht erstaunlicher Weise genau jenen uralter Naturreligionen, ohne, dass er nachweislich Pantheist ist (im Gegensatz zu Goethe, der genau dieses Dilemma, zwischen idiotischem Gottvertrauen, und stupidem Materialismus beschreibt, und sich am ehesten als Pantheist beschreibt)

      • so sehr unterscheiden sich unsere positionen doch gar nicht. ich hab das ganze halt nur nicht so intensiv auseinandergepflückt.

        ich betrachte religion und naturwissenschaften (und alle möglichen dinge) als anordnungen auf einem kreis, oder besser einer kugel. alle dinge hängen irgendwie mit allen dingen zusammen. es ist n.m.m. ein großer fehler dinge losgelöst zu betrachten. das widerspricht meinen erfahrungen und meiner mentalität.

        was „gott“ oder das „göttliche“ ist, ist eine definitionssache, die jeder für sich selbst definiern sollte, wenn er es denn mag. überlebensnotwendig ist das alles aber schon mal nicht.

        tatsache für mich ist hingegen, das religion umso unnötiger wird, umso intensiver man sich mit diesen fragen auseinandersetzt. zwangsläufig führt aber z.b. die auseinandersetzung mit tod und leiden zu religiösen, oder philosophischen fragen.

        insofern ist mir der buddhismus als philosophie immer noch am symphatischsten.

        und wenn wir die neuesten neurologischen forschungen betrachten, muss man das ganze sogar komplett neu hinterfragen. ich denke es ist höchste zeit das zu tun!

        tatsache ist ebenfalls, das religiöse strukturen und strukturen der politschen / gesellschaftlichen macht zusammen meist unheilvoll, und der religiösität schädlich sind. paradebeispiele hierfür sind die drei abrahamitischen religionen in ihren extremen ausprägungen. in ihren wertekanon aufgenommen hat diese verquickung von religion und staat allerdings nach meinem bescheidenen wissen nur der islam.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here