Am 7. Juli 2007 hat Papst Benedikt XVI. mit dem Motuproprio „Summorum Pontificum“ den bis zum Ende der 60er Jahre in der katholischen Kirche allgemein verbindlichen Gottesdienstritus  wieder für den allgemeinen Gebrauch geöffnet.

Obgleich man den Ritus häufig „tridentinisch“ nennt, weil das Konzil von Trient ihn im 16. Jahrhundert endgültig fest geschrieben hat, geht er in allen wesentlichen Teilen auf die Zeit Papst Gregors des Großen (590 – 604) zurück.

Seine Wurzeln jedoch liegen noch viel tiefer: Zahlreiche seiner Elemente stammen aus dem Judentum, dem Hellenismus sowie dem byzantinischen und römischen Kaiserzeremoniell. Insofern ist er – um ein Diktum Konrad Adenauers leicht abzuwandeln – Ergebnis auch jener vier Säulen, die das Abendland ausmachen: Jerusalem, Athen, Konstantinopel und Rom.

Dieser Ritus ist aber nicht nur ein Kind des Abendlandes, sondern hat die ganze Kultur Europas federführend geprägt: Von der Musik bis hin zur Literatur wird dies immer wieder sichtbar. Insofern kann er durchaus als „Herz Europas“ bezeichnet werden.

Bild: Messe des hl. Gregor des Großen

 

4 Kommentare

  1. Die sog. tridentinische Messe ist ein Kunstgenuß sondergleichen! Obwohl eigentlich Atheistin besuche ich diese Messe in der Deutschordenskirche in Frankfurt seit einiger Zeit recht häufig, nehme dazu sogar eine fast 2stündige Anreise sowie die ebenso lange Heimreise in Kauf . Der dortige Organist/Sänger und auch einige der zelebrierenden Priester bringen mir mit ihren wunderbaren Stimmen und den mystischen Gesängen den katholischen Glauben (um den ich ringe) recht nahe, meine seltenen Besuche der neuen Messe während der vergangenen Jahre erinnerten mich dagegen immer an Kindergartenveranstaltungen und trieben mich stets weit weg vom Glauben. Während einer tridentinischen Messe fühle ich einen großen Stolz auf unsere (leider im Schwinden begriffene) Kultur!

    • Maria Anna,
      Es freut mich sehr, wie Sie so schön und mit liebevollem Respekt über die „tridentinische Liturgie“ schreiben, auch wenn Sie sie (noch) unter dem Gesichtspunkt des Kunstgenusses sehen.
      Obwohl Atheistin nehmen Sie eine lange Anfahrt in Kauf, um ihr beizuwohnen.
      Stellen Sie sich vor, wie schön diese Liturgie erst für jemanden ist, der fest im Glauben verwurzelt ist.
      Ich wünsche Ihnen auch weiterhin viel Freude an dieser -obwohl „alten“, doch immer zeitlosen- Form des Gottesdienstes.

  2. Toll! Herzlichen Dank für diesen Beitrag. Das ist es, was viele Kirchenkritiker immer wieder vergessen. Unsere Kultur ist so geworden, wie sie geworden ist, weil es die Liturgie der katholischen Kirche gab. Ein Mozartrequiem oder die Messen von Bach sind ohne den Einfluss des katholischen Gottesdienstes überhaupt nicht denkbar

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