(David Berger) Als jemand, der viele Jahre Professor im Vatikan war, sagen all meine Insiderinformationen: Nicht die Sorge um den Klimawandel oder die Migrationskrise, die Papst Leo öffentlichkeitswirksam zelebriert, treibt derzeit viele seiner Mitarbeiter im Vatikan um. Sondern die ernsthafte Befürchtung, dass von Deutschland und seinen weitgehend fehlbesetzten Bischöfen eine Kirchenspaltung ausgehen könnte, die der der Reformation ähnlich ist.
Als Papst Leo XIV vor einigen Tagen den Apostolische Nuntius in der Bundesrepublik Deutschland, Msgr. Nikola Eterović in Privataudienz empfangen hat, wusste jeder: Es ging dabei nicht nur um dessen Demission seines Amtes als Botschafter in Deutschland, sondern um ein echtes Problem, das den Vatikan seit vielen Jahren beschäftigt und sich in den letzten Jahren – mit der zunehmenden Gleichschaltung der deutschen Kirchensteuereinnehmer mit dem links-woken Zeitgeist – enorm zugespitzt hat:
Kardinal Woelki will kirchenspalterischen Kurs nicht mehr mitgehen
Es wird angenommen, dass sich das Gespräch des Papstes mit dem aus Kroatien stammenden Monsignore vor allem um die bevorstehende Abstimmung der Deutschen Bischofskonferenz über das Statut der berüchtigten Synodalkonferenz drehte, die dem Vatikan in den letzten Jahren viele Kopfschmerzen bereitet hat. Vom 29. bis 31. Januar findet – unter der Leitung von Anti AfD-Bischof Georg Bätzing – in Stuttgart die sechste und letzte Phase der Synodalversammlung der katholischen Kirche in Deutschland statt. Zwei prominente Bischöfe, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, die beide als rechtgläubig und romtreu gelten, haben bereits angekündigt, dass sie nicht an der Abschlusssitzung teilnehmen werden.
Die katholische Kirche in Deutschland steuert seit Jahren auf einen offenen Konflikt mit Rom zu. Was als Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchsskandals begann, hat sich zu einem umfassenden Reformprojekt entwickelt, das zentrale Lehren und die kirchliche Ordnung selbst infrage stellt. Der sogenannte Synodale Weg ist dabei zum Symbol eines tiefgreifenden Bruchs geworden – nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern im Verhältnis zur Weltkirche.
Kirchensteuer als systemisches Problem
Ein entscheidender Sonderfaktor ist die Struktur der deutschen Kirche. Mit enormen Vermögenswerten und dem Kirchensteuersystem ist sie finanziell mächtiger als jede andere Ortskirche. Diese wirtschaftliche Stärke hat eine unglaubliche Arroganz der deutschen Berufskatholiken – und zugleich die Zurückhaltung des Vatikans begünstigt, der einen offenen Bruch mit einem der wichtigsten Geldgeber vermeiden möchte. Parallel dazu gewann das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zunehmend Einfluss und entwickelte sich faktisch zu einem kirchlichen „Parlament“, obwohl es kirchenrechtlich keinerlei Entscheidungsgewalt besitzt.
Inhaltlich zielte der Synodale Weg von Anfang an auf Themen, die traditionell der Weltkirche bzw. dem Päpstlichen Lehramt vorbehalten und teilweise längst ein für allemal entschieden sind: Machtverteilung, Sexualmoral, Frauenordination, Pflichtzölibat und der Umgang mit homosexuellen Partnerschaften. Kritiker sehen darin weniger geistliche Erneuerung als vielmehr den Versuch, die kirchliche Lehre durch demokratische Mehrheitsentscheidungen in Deutschland zu verändern. Mehrfach warnte Rom, dass nationale Sonderwege in diesen Fragen nicht zulässig seien – ohne jedoch entschlossen durchzugreifen. Doch der deutsche Ungeist, der glaubt, alles besser zu wissen und den Rest der Welt belehren zu müssen, feiert auch bei dem Anti AfD-Bischof Bätzing und seinen Genossen fröhlich Urständ.
Nicht einmal Papst Franziskus wollte diese antikatholischen Ausfälle
Auch unter Papst Franziskus blieb das Verhältnis angespannt. Zwar förderte er weltweit synodale Prozesse, setzte aber auf langsame, gesteuerte Veränderungen. Die deutschen Bischöfe hingegen drängten auf schnelle, verbindliche Beschlüsse. Mit der Wahl von Papst Leo XIV. hofften manche auf Klarheit – doch auch er setzt bislang eher auf Ausgleich und Schadensbegrenzung als auf die unausweichliche Konfrontation.
Inzwischen arbeitet die deutsche Kirche faktisch an dauerhaften synodalen Strukturen mit Mitentscheidungsrechten für Laien. Sollte Rom diese nicht anerkennen, droht eine Situation, in der Deutschland formal Teil der katholischen Kirche bleibt, praktisch aber eigenständig agiert. Genau darin sehen viele Beobachter die eigentliche Gefahr, die sich seit vielen Jahren abzeichnet:
Papst Leo muss ein Machtwort sprechen!
Keine plötzliche Abspaltung, sondern eine schleichende Spaltung ohne klaren Schnitt. Das bislang zaghafte Zögern Papst Leos, das als „Ich möchte es allen recht machen“ erscheint, könnte dabei zu einer enormen kirchengeschichtlichen Katastrophe führen. Der italienische Philosoph Gaetano Masciullo, dessen Fachgebiet die Auseinandersetzung mit den modernen Phänomenen, die die Wurzeln der westlichen christlichen Zivilisation bedrohen, ist, notiert dazu in einem aktuellen Beitrag im „European Conservative“:
„Es bleibt ein bitteres Paradoxon: Papst Leo XIV., der mit der Absicht gewählt wurde, Gegensätze miteinander zu versöhnen, läuft Gefahr, als der Pontifex in Erinnerung zu bleiben, unter dem sich die schwerste Spaltung der katholischen Kirche seit der lutherischen Reformation vollzog.“
***
Unterstützen Sie bitte die Arbeit von „Philosophia Perennis“! Hier mit einem Klick:
Oder per Überweisung auf
David Berger, IBAN: DE44 1001 0178 9608 9210 41 – BIC REVODEB2 – Stichwort: Schenkung
ÜBERWEISUNG (Stichwort: Schenkung)
Entdecke mehr von Philosophia Perennis
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.






