Ein September 2015 ist heute unter keinen Umständen mehr denkbar. Er bleibt ein singuläres Ereignis der deutschen Geschichte. Seine Folgen allerdings werden die Zukunft Deutschlands mehr als alles andere prägen. Ein Gastbeitrag von Alexander Meschnig.
Die Grenzöffnung im Herbst 2015 war, so viel lässt sich zehn Jahre später sagen, ein tiefer Einschnitt in der deutschen Geschichte. Wenn auch die damalige Bundeskanzlerin Merkel und die allermeisten Medien die sichtbarsten Akteure einer inzwischen irreversiblen Entwicklung waren – die Ereignisse im Herbst 2015 sind auch als ein massenpsychologisches Phänomen zu deuten und hätten ohne die breite Unterstützung der Bevölkerung niemals diesesuggestiven Bilder und Wirkungskraft erzeugen können.
Die Szenen an deutschen Bahnsteigen und vor den Sammelunterkünften der Flüchtlinge können als eine massenmediale Selbstbegeisterung gedeutet werden. Sie diente einem Gefühlsrausch, der Politik und Moral in eins setzte und jegliche Reflexion über die Folgen der Massenzuwanderung bei Strafe des sozialen Ausschlusses verbot. Tatsächlich befand sich Deutschland vor zehn Jahren in einer Art von Traumzustand, an den heute nicht einmal die eifrigsten Befürworter der Grenzenlosigkeit gerne erinnert werden.
Schlüsselerlebnis: Weinendes Palsätinensermädchen
Entscheidend für die Dynamik mag auch ein einzelnes Ereignis gewesen sein: Merkels Auftritt im Juli 2015 beim Bürgerdialog in Rostock und die Tränen des aus dem Libanon geflohenen Mädchens Reem, dem Merkel nicht versprechen konnte, in Deutschland bleiben zu dürfen.
Nach diesem Auftritt sah sich Merkel im Netz mit einemShitstorm konfrontiert. Sie sei gefühlskalt, ohne Empathie, kurz: ein Unmensch. Merkel hätte längst lernen müssen, so die „Süddeutsche Zeitung“ am 16. Juli 2015, „dass Flüchtlinge, aus welchen Gründen auch immer sie nach Deutschland kommen, für Deutschland ein Gewinn sind.“
Vom eiskalten Todesengel zu „Mama Merkel“
Die Verwandlung der eiskalten Politikerin in Mama Merkel war eine Metamorphose, die unmittelbar dem moralischen Druck von außen folgte. Hätte irgendeiner der damals amtierenden Politiker in Deutschland gegen die Stimmung in den Massenmedien und den „moralisch erhabenen“ Teil der Zivilbevölkerung, gegen die kulturellen und intellektuellen Eliten handeln können, ohne sich selbst ins politische Abseits zu stellen? Hätte irgendein Politiker in Deutschland den Mut oder den Willen aufbringen können, die „hässlichen Bilder“ an der deutschen Grenze zu rechtfertigen? Das kann man zu Recht bezweifeln.
Im Herbst 2015 war für die politmediale Elite Deutschlands die Chance gekommen, eine Art heilige Mission zu erfüllen und den Fremden als Erlöser von moralischer Schuld zu begrüßen. Da unser Reichtum, so die Überzeugung der „edlen Seelen“, auf der jahrhundertelangen Ausbeutung der „Anderen“ beruht, war es nur gerecht und unsere moralische Pflicht, die ganze Welt mit offenen Armen aufzunehmen. Dass in der Regel junge Männer aus tribalen Gemeinschaften mit Teddybären und Plüschtieren begrüßt wurden, zeigt die Infantilität eines Teils der deutschen Gesellschaft, die ihre abstrakte Xenophilie auf die Ankommenden übertrug.
Narzisstische Überhöhung der eigenen moralischen Überlegenheit
Die narzisstische Überhöhung der eigenen moralischen Überlegenheit lieferte den idealen Bezugspunkt für von allen Problemen der realen Welt befreite Projekte. Die Ablösung von der Wirklichkeit, in der Ressourcen begrenzt sind, etwa: Arbeitsplätze, Wohnraum, Integrationskraft, zeigte sich sowohl in der wiederholten Ansprache des Volkes mittels einfacher Durchhalteparolen („Wir schaffen das“), als auch in der Idee einer Läuterung, die in der rasch entstehenden Krise eine Art Bewährungsprobe für eine bessere Zukunft sah.
„Ich habe das absolut sichere Gefühl, dass wir aus dieser – zugegeben komplizierten – Phase besser herauskommen werden, als wir in diese Phase hineingegangen sind,“ so Merkel in einer Rede zur Lage der Nation im Herbst 2016.
Ungeheure Spaltung der Gesellschaft
Der moralische Rausch der Willkommenskultur war aber bald nur noch ferne Erinnerung. Was folgte, war eine ungeheure Spaltung der deutschen Bevölkerung. Von Beginn an wurde auf die Parias im Inneren gezeigt. Pack, Dunkeldeutschland, Rassisten, Rechtspopulisten – so hieß es – können nicht Teil des „hellen Deutschland“ sein.
Wer die Willkommenskultur verweigerte oder nur ansatzweise Kritik an ihren Folgen äußerte, sah sich außerhalb der legitimen Diskursräume. Dem uneinsichtigen Bürger wurde mit Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise bei Strafe sozialer und rechtlicher Ächtung, vorgeschrieben, wie und was er zu denken und zu fühlen hat. Die öffentlich-rechtlichen Medien sind dabei fast durchgehend zu einer Art von staatlich gelenktem Erziehungsprogramm geworden, die alles dafür tun die realen Probleme der Zuwanderung zu leugnen.
Sozialrassismus
Die moralisch erhöhende Haltung, alle, die sich nicht den weltoffenen Jargon des Juste Milieu angeeignet haben, als rechts zu denunzieren, ist dabei selbst sozialrassistisch zu nennen. Die Abscheu gegenüber allem Ländlichen, Provinziellen, dem tumben Osten, dem „kleinen Mann“, die Abwertung der Erfahrungen derjenigen, die vor Ort mit den Folgen der Masseneinwanderung konfrontiert sind, dieser Hass, der sich in einem aggressiven Antirassismus manifestiert, sind heute geradezu ein Ausweis moralischer Haltung.
Man liebt den Fernsten und hasst den Nachbarn, der sich der verordneten Willkommenskultur verweigert. Der geradezu hysterische Verweis des links-grünen Milieus auf die Vorzüge der bunten Gesellschaft ist längst obsolet geworden. Ob das Aufbrechen der über Jahre verfestigten Tabus, der Ruf nach strengeren Gesetzen oder zumindest der konsequenten Anwendung der schon bestehenden tatsächlich zu einer Änderung führen, ist mehr als fraglich. Eines scheint aber sicher:
Ein September 2015 ist heute unter keinen Umständen mehr denkbar. Er bleibt ein singuläres Ereignis der deutschen Geschichte. Seine Folgen allerdings werden die Zukunft Deutschlands mehr als alles andere prägen.
Der Beitrag lief zuerst beim KONTRAFUNK.
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