Freitag, 19. Juli 2024

40 Länder wollen BRICS-Beitritt

Derzeit gibt es 40 Länder die dem BRICS-Format beitreten wollen. Es ist zu erwarten, dass die BRICS-Länder in absehbarer Zeit, vielleicht in 10 Jahren, technologisch und wirtschaftlich vom kollektiven Westen unabhängig sein werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entließen die Kolonialmächte peau á peau, oft unfreiwillig, ihre Kolonien in die formale Unabhängigkeit. Tatsächlich waren diese Länder aber über vielfältige, meist wirtschaftliche Abhängigkeiten, an ihre ehemaligen „Mutterländer“ gebunden.

Kolonialismus endgültig Geschichte

Der alte Kolonialismus setzte sich also in einer Art Neokolonialismus fort. Jetzt, fast 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, geht auch diese Ära zu Ende. Die ehemaligen Kolonien haben jetzt mehr und mehr die Möglichkeit, sich den BRICS-Staaten anzuschließen.

Derzeit gibt es 40 Länder die dem BRICS-Format beitreten wollen. Es ist zu erwarten, dass die BRICS-Länder in absehbarer Zeit, vielleicht in 10 Jahren, technologisch und wirtschaftlich vom kollektiven Westen unabhängig sein werden. Kein Land des Globalen Südens braucht dann noch vom Westen Kredite, irgend ein Know-how, oder irgendwelche Waren. Die Sanktionswaffe des Wertewestens gegen unbotmäßige Länder wird dann auch endgültig ins Leere gehen.

Dann wird die Epoche des Kolonialismus nach 400 Jahren endgültig Geschichte sein. Der Wertewesten wird sich dann ganz auf seine Kernstaaten (Westeuropa und Nordamerika) reduzieren. Die Macht des Westens über den Rest der Welt wird passe sein.

Keine Furcht mehr vor Repressalien

Diese Entwicklung ist seit längerer Zeit absehbar und durch den Ukrainekrieg enorm beschleunigt worden. Die Länder des „Globalen Südens“ haben jetzt erfahren, dass auch die militärische Macht des Westens enden wollend ist. Wenn der Kollektive Westen nicht einmal einen Krieg gegen Russland gewinnen kann, was ist wenn es eines Tages zu einem Konflikt mit China kommt? Man hat offensichtlich die Furcht vor Repressalien verloren. Dies dürfte auch der Auslöser für den Putsch in Niger gewesen sein.

Die Situation im Niger ist symptomatisch für viele Länder des „Globalen Südens“: Einerseits ist es ein rohstoffreiches Land, andererseits gehört Niger zu den ärmsten Ländern der Welt. Insbesondere steht es mit seiner Uranproduktion weltweit an sechster Stelle mit über sechs Prozent der Weltproduktion. Aus diesem Land stammen etwa ein Viertel der europäischen und ein Drittel der französischen Uranimporte. Frankreichs betreibt damit 56 Kernkraftwerken und belegt damit einen Spitzenplatz unter den Atomstromexporteuren der Welt. Die Stabilität des Stromnetzes Europas hängt somit vom nigrischen Uran ab.

Frankreich stiehlt weiter die Reichtümer afrikanischer Länder

Zusätzlich verfügt Nigers über weitere Rohstoffe Gold, Öl, Kohle, Eisen, Phosphate und Molybdän.

All diese Reichtümer wurden bis dato von Frankreich gestohlen, natürlich im Rahmen von „Demokratie“, „Rechtsstaatlichkeit“ und der vielzitierten „Menschenrechte“, also jener „Werte“, die der Wertewesten ständig propagiert. An diesem Beispiel sieht man, was der Westen unter diesen „Werten“ wirklich versteht!

In einem Artikel in der Berliner Zeitung wurde die Situation der ursprünglichen französischen Kolonien sehr treffend folgendermaßen zum Ausdruck gebracht:

„In Frankreich gibt es keine einzige aktive Goldmine. Dennoch besitzt dieser [ehemals] verbrecherische Kolonialstaat mit 2.436 Tonnen die viertgrößten Goldreserven der Welt. Die [ehemals] französische Kolonie Mali besitzt genau 0,0 Tonnen Gold, obwohl es mehrere Dutzend Minen [darunter 14 offizielle] im Land hat, in denen pro Jahr ganze 70 Tonnen davon abgebaut werden. Von den Einnahmen aus knapp 60 Tonnen Gold, die von [schätzungsweise] 600.000 Kindern in der [ehemals] französischen Kolonie Burkina Faso geschürft werden, gehen nur zehn Prozent an das Land, aber 90 Prozent an multinationale Goldgräberkonzerne. 

Trotz seiner Uran- und Goldvorkommen lag der Niger im Entwicklungs-Index zuletzt auf Platz 189 von 191 erfassten Staaten. Das gesamte Staatsbudget Nigers, ein Land mit der dreifachen Fläche der Bundesrepublik, ist mit rund 4,5 Milliarden Euro nicht größer als der jährliche Umsatz des französischen Atomkonzerns Orano [ehemals Areva].“

Angesichts derartig schreiender Ungerechtigkeiten darf man sich auch nicht wundern, wenn ständig Lawinen von Schwarzen versuchen, nach Europa zu gelangen. Wer diesen Zustrom an Flüchtlingen unterbinden will, muss auch für ein Ende dieser Ausbeutung eintreten.

Geschrei groß

Erwartungsgemäß war das Geschrei im Wertewesten groß, die verfassungsmäßige „Ordnung“ in Niger wiederherzustellen. Anfänglich haben ein Teil der ECOWAS-Staaten mit militärischem Eingreifen gedroht, diese Pläne aber in der Zwischenzeit wieder fallen gelassen. Entsprechend haben die NATO-Länder in dem momentanen geopolitischen Umfeld keine Möglichkeit in Niger direkt einzugreifen. Vor dem Ukrainekrieg wäre das kein Problem gewesen.

Während der Wertewesten seine Militärintervention abschreiben musste, kommt China den Putschisten wirtschaftlich zu Hilfe. Auch solche Meldungen sind symptomatisch für den rapiden Machtverlust der westlichen Eliten auf diesem Planeten.

Der Beitrag erschien zuerst bei „Unser Mitteleuropa“.

David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Besteller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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