Dienstag, 6. Dezember 2022

Werden auch in 100 Jahren auf dieser Erde noch Kinder lachen?

Ich wünsche mir, dass auch in einhundert Jahren auf unserer Erde noch Kinder lachen, Menschen sich lieben und unser wunderschöner, unwiederbringlicher Planet genau das ist: ein Ort, der Leben spendet und es erhält. Ein Gastbeitrag von Rainer Sonnberg.

Dieser Artikel beansprucht keine wissenschaftliche Exaktheit für sich, auch wenn alle genannten Zahlen und Fakten genauestens recherchiert wurden. Es ist eine Erzählung dessen, was nach dem ge genwärtigen Stand der Technik möglich ist.

Es ist gut möglich, dass er sich damit sogar ein wenig von der Corona-Geschichte unterscheidet. Seit zweieinhalb Jahren wird  sie erzählt und es war, als läge neben jedem Politiker, neben jedem Moderator im Fernsehen, neben jedem Schreiberling und jedem angeblichen „Experten“ eine Spritze, die mit der Spitze auf die Empfänger dieser Geschichte zeigte: Sie ist gut, sie ist richtig, sie ist unabdingbar.

Die nächste Generation wird das vermutlich anders sehen, aber das ist nur meine Meinung, schließlich kann man Geschichten glauben oder auch nicht, da hat jeder seine Entscheidung für sich getroffen. Doch jetzt liegt eine Pistole auf dem Tisch, gespannt, geladen und eine Patrone ist bereits in der Kammer. Die geringste Erschütterung und die Kugel rast aus dem Lauf. Der Glaube an Geschichten wird sie nicht aufhalten. Nur Wissen kann es, aus dem Handeln wachsen kann. 



Teil I: Kernphysik für Dummies oder warum wir statt Naturwissenschaften mehr Genderprofessuren an den Universitäten brauchen.

Am Anfang war die Dunkelheit. Dann gab es einen Knall, den so genannten Urknall. Er gebar das Licht und Äonen später wurden daraus Sterne, Planeten und schließlich: das Leben. Nein, das ist kein Bibelzitat, sondern in leichter Sprache formulierte Astrophysik. Halt, bitte laufen Sie nicht gleich davon. Es wird einfach, ganz einfach und wird mit der Beschreibung der vollkommensten Maschinen enden, die die Menschen je geschaffen haben und nebenbei einige Hollywood-Märchen entzaubern.
Vor Milliarden Jahren war alles, was existierte, Energie. Durch astrophysikalische Prozesse bildete sich aus einem Teil der Energie Materie in den Formen, wie wir sie heute kennen: Planeten, Sterne, Gasnebel, Meteore, Asteroiden, die wiederum alle aus einzelnen Elementen und ihren Verbindungen bestehen, aus denen wir dann Kühlschränke, Elektroautos, Kondome, Vibratoren und das Grundgesetz erschaffen haben. Es war der Mann mit dem wüsten Haarschnitt, Albert Einstein, der im Jahr 1905 die wohl bekannteste Formel aller Zeiten dafür fand: E = m * c2.
Er beschrieb damit den universellen Zusammenhang von Energie und Materie, oder, um es anders zu formulieren, dass beide zwei Seiten nur einer Medaille sind und dass Energie in Materie umgewandelt werden kann – und nein, ein 3D-Drucker ist etwas anderes – und Masse in Energie.
Dieses Letztere machten sich bereits unsere Vorfahren zu Nutze, als sie das erste Feuer entzündeten und alles, was wir danach entwickelt haben bis hin zum Elektroauto, ist nichts anderes als eine dieser beiden Medaillenseiten: Umwandlung von Materie in Energie und Umwandlung von einer Energieform in eine andere. Denn tatsächlich kann Energie umgewandelt werden und verschiedene Formen annehmen: Wärme, Licht, Strahlung, Elektroenergie, Bewegungsenergie und viele andere Formen. Allerdings kann Energie nach dem ersten Hauptsatz der Wärmelehre nur von einer Form in eine andere umgewandelt werden, sie kann nicht geschaffen oder vernichtet werden. Sie kann übrigens auch nicht gewendet werden wie ein Hals oder eine Fahne nach dem Wind. Aber das wäre Politik für Dummies.
Stellen Sie sich ein Streichholz vor. Es wiegt ca. ein Gramm. Sie zünden es an und initiieren damit einen chemischen Prozess, bei dem ein winziger Bruchteil der im Holz gespeicherten Energie in Form von Wärme und Strahlung (sichtbares Licht) freigegeben wird. Es brennt einige Sekunden, die Wärme, die erzeugt wird, ist eher bescheiden, von der Strahlung gar nicht zu reden, und das, was übrig bleibt, ist ein verkohltes Stäbchen. Nicht sehr beeindruckend, oder?
Das liegt daran, weil das nur ein chemischer Prozess war, der nach atomaren Maßstäben extrem langsam abgelaufen ist. Seien Sie froh darüber, denn dieses Streichholz ist in Wirklichkeit ein Killer, der eine ganze Stadt zerstören kann. Würden Sie dieses eine Gramm Materie in einem einzigen Augenblick vollständig in Energie umwandeln, so würde dabei so viel Energie frei werden, wie bei der Explosion von fünfhundert mit TNT (herkömmlicher chemischer Sprengstoff) voll beladenen Sattelschleppern. Damit können Sie locker eine Kleinstadt einäschern. Mit einem einzigen Streichholz …
Es war besagtes Genie Einstein, das den Menschen diese Büchse der Pandora mit seiner Formel geöffnet hat, und es waren Niels Bohr, Enrico Fermi und Robert Oppenheimer, die aus ihr im Auftrag der amerikanischen Regierung den ultimativen Feuerball schufen: Die Atombombe, die am weitesten fortgeschrittene Umwandlung von Materie in Energie, die die Menschheit bis heute beherrscht. Es war ein Glücksfall, dass in den damaligen Bomben „Little Boy“ und „Fat Man“, die über Hiroshima und Nagasaki zum Einsatz kamen, nur ein Bruchteil der tatsächlich gespeicherten Energie freigesetzt wurde. Little Boy wog vier Tonnen und die in dieser Masse gespeicherte Energie hat das Äquivalent von 86 Milliarden Tonnen TNT. Dass diese Energie nicht freigesetzt wurde, liegt am begrenzten technischen Wissen der Menschen. Die durch die USA in Hiroshima und Nagasaki eingesetzten Kernwaffen machten sich das Prinzip der Kernspaltung zu Nutze, bei der die unterschiedliche Bindungsenergie der Atomkerne genutzt wird. Das ist noch keine Masse-Energie-Umwandlung nach Einstein. Zu der ist nach unserem Wissen nur eine Materie-Antimaterie-Reaktion in der Lage. Hätte diese stattgefunden, würden wir heute nicht mehr über Japan, Teile von China und Ostrussland sprechen: Sie wären einfach nur verdampft …
Aber die Menschheit entwickelte sich weiter. Wurde die Explosionskraft von Atombomben, die nach dem Kernspaltungsprinzip funktionierten, in den vierziger Jahren noch mit dem Äquivalent von Kilotonnen TNT (KT) gemessen, musste nach der Erfindung der Kernfusionsbombe 1952 eine Dimension höher gegriffen werden: Millionen Tonnen TNT (MT), da diese Waffen ein, grob geschätzt, tausendmal höheres Vernichtungspotenzial besaßen als Kernspaltungsbomben.
Doch auch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Erinnern Sie sich noch an „Illuminati“ von Dan Brown? Den Verrückten, der ein „Gotteilchen“ aus dem CERN stahl, um den Vatikan zu erpressen? Es war nur ein einziges Atom Antimaterie und was war das doch für ein wunderbares Leuchten, als dieses eine Atom Antimaterie einem Atom Sauerstoff begegnete und den Himmel in Brand setzte …
An dieser letzten Fackel wird geforscht, natürlich nur aus den lautersten Gründen, aber wir wären nicht Menschen, wenn wir nicht versuchen würden, die Möglichkeiten unserer eigenen Vernichtung zu perfektionieren. In verschiedenen Laboratorien auf dem gesamten Erdball wird versucht, eine solche Materie-Antimaterie-Reaktion – man nennt sie „Annihilation“ – in den Griff zu bekommen, denn beim Aufeinandertreffen von Materie und Antimaterie werden naherzu einhundert Prozent Materie in Energie umgewandelt. Das Ergebnis würde in etwa dem entsprechen, was zwischen Amber Heard und Johnny Depp vor Gericht geschah: Nichts danach ist noch so, wie es einmal war.
Oder anders gesagt: Die Masse einer mit Antimaterie gefüllten Streichholzschachtel würde genügen, Japan für immer im Pazifik zu versenken. Das nenne ich mal einen wirklich guten Grund, sich das Rauchen abzugewöhnen.
Sie sehen, die Naturwissenschaften bergen ein erhebliches Vernichtungspotenzial. Vielleicht ist deshalb die Idee, naturwissenschaftliche Fächer an den Universitäten nach und nach durch Genderlehre zu ersetzen, doch gar nicht so schlecht. Oder wie in einigen amerikanischen Schulen für die Addition von eins und eins auch ein anderes Ergebnis als 2 zuzulassen. Schließlich können Menschen, die nicht eins plus eins korrekt zusammenzählen können, auch keine Atombomben mehr bauen, oder? Und in der Steinzeit lebte es sich doch gar nicht so schlecht …

Teil II: Hollywoodlegenden

„Terminator“, „Bladerunner“, „Oblivion“ – die Zahl der Filme über ein Leben nach einem Atomschlag auf der Erde ist Legion. Sie alle zeigen, dass es irgendwie ein Weiter gibt: Die Überlebenden rücken näher zusammen, Mutationen können auch durchaus etwas Positives haben und überhaupt hat diese „Säuberung“ den Menschen doch nur gutgetan. In jedem Fall ist das Ganze ja wohl nicht so schlimm wie Corona, der überzogene Dispo, Frieren im Winter und der Klimawandel. Außerdem ist ein Atomkrieg gewinnbar, natürlich durch die Guten. Ohnehin sind wir sicher, da dem amerikanischen Präsidenten Tag und Nacht jemand mit dem Laptop mit den Atomcodes hinterherläuft, für dessen Aktivierung man immer eine zweite Person – vorzugsweise einen General – benötigt. Die Codes wurden zwar schon einige Male gestohlen, aber immer rechtzeitig wiederbeschafft. Bei den Russen wird das nicht anders sein.
Botschaft der Filme angekommen? Wirklich? Können Sie sich tatsächlich vorstellen, dass Joe Biden sagt: „Wir haben ein ernsthaftes Problem mit der nationalen Sicherheit. Holt mir mal meinen Laptop, wir machen jetzt die Russen platt!“ Oder etwas ähnliches bei Wladimir Putin? Oder in Großbritannien? Da weiß ich gerade nicht, wer da zurzeit das Sagen hat, die wechseln ja schneller als ich die Streu im Katzenklo.
Klappen wir also einmal die Motorhaube auf und schauen nach, was sich darunter verbirgt. Falls Sie einen schwachen Magen haben, sollten Sie jetzt vielleicht nicht weiterlesen.
Generell wird davon ausgegangen, dass derjenige, der seine Raketen als Erster abfeuert, als zweiter stirbt. Der Grund ist recht einfach: Der Orbit um unsere blaue Kugel ist mittlerweile so vollgeparkt mit Überwachungssatelliten, dass Sie – natürlich im Raumanzug – da oben zu Fuß einmal rund um die Erde gehen können, indem sie von einem Spionagesatelliten zum nächsten springen. Bei einigen sollten Sie nicht zu fest auftreten, weil es nicht ausgeschlossen sein könnte, dass einer davon ein paar kinetische Geschosse abfeuert. Aber das ist eine andere Geschichte, leider auch über moderne Waffentechnologie.
Jedenfalls wird jedes, wirklich jedes Abfeuern einer Rakete auf der Erde erfasst und an die strategischen Kommandozentralen weitergeleitet. Da es dann aber um Sekunden gehen kann, entscheiden nicht mehr Menschen, sondern spezielle Computerprogramme, die genau zu diesem Zweck entwickelt wurden. Ein Gegenschlag erfolgt in jedem Fall, selbst, wenn kein Mensch mehr da ist, einen ominösen roten Knopf zu drücken. Diese Kommandozentralen sind so gut geschützt, dass sie auch nach einem ersten Angriff noch handlungsfähig sind. Das ist insofern wichtig, als Russland und wahrscheinlich auch die USA über kernwaffentragende Torpedos mit extremer Reichweite verfügen, die durch Satelliten nicht geortet werden können und ein Gegenschlag erst nach der Detonation der Kernwaffe eines solchen Torpedos möglich ist. Das ist keine Utopie, sondern etwas, was Sie durchaus als Fakt werten können. So viel zum ersten Teil der Hollywoodlegende: den Atom-Computercodes.
Kommen wir zum Zweiten, dem Überleben danach. Kernwaffen existieren in vielen Größen, vom Westentaschen- über Artillerieformat bis hin zur interkontinentalen strategischen Rakete mit Mehrfachsprengköpfen, die unabhängig voneinander mehrere Städte gleichzeitig angreifen kann. Sie können aus unterirdischen Bunkern, von mobilen Startrampen, von Flugzeugen und von getauchten strategischen Unterseebooten abgefeuert werden. Es gehört übrigens nicht viel Phantasie dazu, sich auszumalen, wo sich im Moment die russischen und amerikanischen kernwaffentragenden U-Boote befinden, oder? Dass sie gegenwärtig in ihren Heimathäfen herumdümpeln und die Besatzungen es sich bei ihren Familien gemütlich machen, glaube ich eher nicht.
Um das einmal einzuordnen: Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurden über Deutschland rund zwei Millionen Tonnen Bomben abgeworfen. Sie erinnern sich an das brennende Dresden? Und nein, die Frauenkirche wurde nicht von den Nazis zerstört, Frau Göring-Eckhardt. Nun, in heutige Maßstäbe umgerechnet, entspricht das insgesamt drei Millionen Tonnen (Megatonnen, MT) TNT. Nur ein einziges moderne US-Atom-U-Boot, bestückt mit 48 Trident-Raketen, kann alleine mehr als das Zehnfache an Zerstörung anrichten wie alle Bomben im Zweiten Weltkrieg auf Deutschland zusammen angerichtet haben, eine russische SS-18 mehr als das Zweifache. Die Sprengkraft des Arsenals aller neun Atomwaffenmächte (13400 Atomwaffen) beträgt aktuell mehr als das Zweitausendfünfhundertfache aller im Zweiten Weltkrieg abgeworfenen Bomben. Gut 4.000 davon sind sofort einsatzfähig, geschätzte 1.800 davon in ständiger Armbereitschaft, können binnen Sekunden starten und ihr Ziel innerhalb weniger Minuten erreichen.
Die größte von Menschen je gezündete thermonukleare Bombe trug den Namen „Tsar“ und hatte eine geschätzte Sprengkraft von fünfzig Millionen Tonnen TNT. Sie wurde am 30. Oktober 1961 auf der Insel Nowaja Semlja zur Detonation gebracht. Die Explosion fand in einer Höhe von etwa 4000 m statt. Trotz bewölkten Himmels war die Wärmestrahlung in 270 km Entfernung spürbar und der Blitz war in 1000 km Entfernung sichtbar. Selbst in Norwegen und Finnland zerbarsten noch Fensterscheiben. Der Atompilz erreichte eine Höhe von 64 km und die durch die Explosion ausgelöste Druckwelle umrundete etwa zweieinhalb mal den Globus. Obwohl die Bombe in relativ großer Höhe gezündet wurde, regte die Explosion auch mehrere Arten seismischer Wellen an, die noch auf der dem Testgebiet entgegengesetzten Erdseite messbar waren.
Schauen wir uns einmal an, was geschieht, wenn ein solcher Kernsprengkopf im oder über dem Ziel detoniert und da wir nicht kleckern wollen, sondern klotzen, nehmen wir einen dicken Brummer im Megatonnenbereich. Zum Beispiel die W-53 „Titan“, die größte bekannte von den USA an ihre Streitkräfte ausgelieferte Kernwaffe. Die Letzte davon wurde 2011 ausgemustert und zerlegt, aber es ist davon auszugehen, dass sie mindestens gleichwertig ersetzt wurde. Sie verfügte über eine Sprengkraft von neun Millionen Tonnen TNT, also ein Fünftel der Vernichtungskraft der Tsar-Bombe.
Detoniert eine solche Waffe über dem Zentrum von Berlin, sterben in den ersten Minuten bereits mehr als ein- und eine halbe Million Menschen. Das ist mehr als ein Drittel der Einwohner. Sie sterben durch:

  • den Feuerball, der im Radius von zwei Kilometern (siebzehn Quadratkilometer) mit seinen Sternentemperaturen alles und jeden einfach verdampft.
  • die Druckwelle, die in einem Radius von fünf Kilometern (sechshundertsiebzig Quadratkilometer) Stahlbetonpfeiler wie Streichhölzer knickt, meterdicke Wände zertrümmert und die meisten Gebäude zum Einsturz bringt. Menschen werden durch die Luft geschleudert, ihre Trommelfelle platzen und sie werden von den einstürzenden Gebäuden erschlagen.
  • die Wärmestrahlung, die mit einem Radius von über dreißig Kilometern (mehr als dreitausend Quadratkilometer) weit über Potsdam hinausreicht und selbst noch an der Wirkungsperipherie zu Verbrennungen dritten Grades führt.
  • Selbst in über vierzig Kilometer Entfernung (Beelitz, Storkow, Eberswalde) splittern Fenster, gibt es Brände und erblinden Menschen durch die Lichtstrahlung, wenn sie im Moment der Detonation in Richtung Berlin geblickt haben. Und über das ganze Gebiet rast dann noch ein sich durch die gewaltigen Turbulenzen selbst verstärkender Feuersturm …

Diese ersten mehr als eine Million toten Menschen werden die Glücklichen sein, denn das Leid, das die Überlebenden treffen wird, wird ungleich schlimmer sein. Weitere Millionen Menschen werden mehr oder weniger langsam, in jedem Fall aber qualvoll an der Strahlenkrankheit verrecken, die durch den Niederfall der radioaktiven Spaltprodukte (Fallout) hervorgerufen werden. Selbst in Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern werden die Menschen nicht sicher sein, je nach Windrichtung. Aber damit endet es nicht. Erinnern Sie sich noch an Tschernobyl und die radioaktive Wolke über Europa? Das war ein Kindergeburtstag dagegen. Ein Teil der Spaltprodukte der Detonation steigt in die höheren Schichten der Atmosphäre auf und wird hunderte, wenn nicht sogar tausende von Kilometern weiter getragen. Erde, alles Wasser und alle Nahrungsmittel werden kontaminiert und damit zu Gift, dass jeden langsam umbringt, der damit in Kontakt kommt. Das ist die Wirkung einer einzigen modernen Kernwaffe. Einer einzigen …
Detonieren hunderte, sorgen die in die Atmosphäre aufsteigenden und sich dort verteilenden Spaltprodukte für eine Verdunklung des Sonnenlichts. Schlagartig wird es kälter auf der gesamten Erde, Nahrungsmittel können nicht mehr angebaut werden, Tiere verenden … diese Kette hat Folgen, die ins Unendliche und letztendlich zur Auslöschung der Menschheit führen.
Und in Bunkern, tief unter der Erde? Nun ja, die sog. Halbwertszeit, also die Zeit, nach der die Strahlung um die Hälfte abgeklungen ist, beträgt bei vielen Spaltprodukten mehrere tausend Jahre. Wovon wollen sie leben? Wovon ihre Kinder, wenn alles vergiftet ist? Nein, ein Leben nach einem Atomkrieg wird es auf der Erde nicht geben und die erste Kernwaffe, die irgendwo auf unserer blauen Kugel detoniert, wird eine Spirale von Aktion und Gegenaktion in Gang setzen, die nicht mehr aufzuhalten ist.

Trotzdem gibt es tatsächlich Menschen – leider sehr mächtige – die einen Atomkrieg für gewinnbar halten. Ich maße mir kein Urteil über sie und ihren Geisteszustand an, doch ich möchte an Folgendes erinnern: Wir leben seit vielen Jahren in einem Gleichgewicht des Schreckens. Es fundierte auf dem Wissen, dass der Einsatz von Kernwaffen die Menschheit vernichtet, und es war bisher die Klugheit der Mitglieder der Regierungen der Atommächte, die ob dieses Wissens den Einsatz von Atomwaffen und damit den Untergang der Menschheit nie als eine mögliche Handlungsoption betrachtet haben. Schaue ich mich jedoch in der Welt um, komme ich nicht umhin, mir die Frage zu stellen, ob die Klugheit der Mitglieder der Regierungen wirklich noch immer die eines John. F. Kennedy und eines Nikita Chrustchov ist.

Oder um es etwas konkreter zu machen:

  • Russland formuliert eindeutig, dass es seine Grenzen, auch die neu gezogenen mit den ehemaligen Gebieten in der Ukraine, auch mit dem Einsatz von Kernwaffen verteidigen wird, wenn es das als notwendig erachtet.
  • Die USA schließen in ihren neuen Militärdoktrinen ebenfalls den Einsatz von Kernwaffen nicht aus, nicht einmal als Erstschlag, und haben Teile ihrer Truppen rund um die Ukraine stationiert.
  • Es brennt lichterloh, aber statt zu löschen, gießen selbst Teile der deutschen Medien und Angehörige des Bundestages noch weiteres Öl ins atomare Feuer.
  • Die Ukraine hat Atomwaffen für sich gefordert, ebenso die deutschen Grünen, die SPD und Teile der AfD und die Verfügungsgewalt darüber.

Schließen Sie also einen Moment die Augen und denken Sie über Folgendes nach: die Verantwortung für die Weiterexistenz der gesamten Menschheit, für Ihr Leben, das Ihrer Kinder und Kindeskinder in den Händen von Karl Lauterbach, Robert Habeck, Christine Lambrecht und Annalena Baerbock, Andrej Melnyck und Wladimir Selensky…

Eine Dystopie? Nein, die Realität, und wenn wir das zulassen, verdienen wir alles, was danach kommt, selbst, wenn es so aussieht, wie es Eberhardt del Antonio 1958 in seinem Roman „Titanus“ beschrieben hat:

Auch Stafford starrte auf das Bild des sterbenden Planeten. Er kannte die Wirkung der Atomkräfte genau. In siebzig Kilometer Umkreis fegte die Druckwelle einer einzigen Detonation alles hinweg, entflammte die Glutwelle alles Brennbare, vernichtete die Strahlung alles Lebende. In einhundertvierzig Kilometer Umkreis wirbelten entwurzelte Bäume durch die Luft, zerbarsten die Bauten, brachen Masten. Über dieses Chaos der Trümmer und zerfetzten Leiber raste dann die mörderische Glut, und die Strahlung versengte alles, was noch atmete. Bis zweihundertachtzig Kilometer im Umkreis blieb Todesgefahr durch die Strahlung, gab es Brände durch die Glut, Zerstörungen durch den Druck.
Stafford schloß die Augen, doch die Bilder verfolgten ihn. Er sah Lebewesen in Menschengestalt, die zu Staub vergingen, die wie Fackeln aufflammten oder denen das Fleisch bei lebendigem Leibe vom Skelett fiel. Er hörte Stahl zerreißen, Beton brechen, meterdicke Stämme splittern. Keiner war sicher, keiner blieb verschont, denn der strahlende Staub drang in alle Ritzen, vergiftete die Luft und das Wasser und würde den letzten Titanen finden, wohin er sich auch flüchtete.
Stafford war fast wahnsinnig. Die Erde! Wenn die Erde das gleiche Schicksal träfe — er hatte sie nicht gewarnt!
Um seinen Visionen zu entgehen, öffnete er die Augen. Auf dem Bildschirm wuchsen hutförmige Gebilde aus der Wasserfläche des titanischen Meeres. Sie sahen zierlich aus, mußten aber Hunderte von Kilometern hoch sein. Er zitterte am ganzen Körper. Nahm denn das Grauen kein Ende? Wenn Sprengköpfe mit Zeitzünder darunter waren, die erst auf dem Meeresboden zündeten, dort, wo der Druck kilometerhoher Wassermassen die Materie verdichtete. Der Wasserstoff des Meeres mußte sich entzünden. Unermeßliche Wassermassen würden sich in Helium umwandeln, wobei je Gramm neuentstandenen Heliums eine Wärmemenge frei würde, wie man sie durch das Verbrennen von eineinhalb Eisenbahnwagen hochwertiger Kohle gewinnt. Atombrand sagte man dazu, und das hieß: sich selbsttätig fortsetzende, unkontrollierbare und unaufhaltsame Kettenreaktion, anwachsend wie eine Lawine.
Auf dem Bildschirm wuchsen noch immer die hutförmigen Gebilde aus dem titanischen Meer. Plötzlich schoß eine flammende Wassersäule zwischen ihnen empor, dehnte sich aus, verschlang die andern Gebilde, wuchs und wuchs. Das Meer bäumte sich auf und begann zu brennen. Das Feuer trat über die Ufer und raste über den Kontinent. Der Bildschirm zeigte eine glühende Kugel.

[aus: Eberhardt del‘ ANTONIO: Titanus . Zukunftsroman, Verlag: Das Neue Berlin, 1959]

Ich wünsche mir, dass auch in einhundert Jahren auf unserer Erde noch Kinder lachen, Menschen sich lieben und unser wunderschöner, unwiederbringlicher Planet genau das ist: ein Ort, der Leben spendet und es erhält. Nichts wünsche ich mir mehr, als dass die Menschen, die ich liebe, ruhig schlafen können. Ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir so geht, und vielleicht hilft die Verbreitung dieses Artikels ein klein wenig dabei, das Undenkbare nicht eintreten zu lassen. Denn es wird niemand kommen, der uns die Verantwortung abnimmt, niemand, der ein Machtwort gegen diesen selbstzerstörerischen Irrsinn spricht. Nur eines ist sicher: Die überlebenden Einzeller wird es nicht mehr interessieren, ob die Russen schuld waren oder die Amerikaner.

III. Nachbemerkung

Jeder wird für sich eine Entscheidung treffen müssen, nachdem er diesen Artikel gelesen hat und ja, seinen Inhalt kleinzureden, ihn zu ignorieren, sich auf die andere Seite zu drehen, weiterzuschlafen und eben diese Entscheidung nicht zu treffen, ist auch eine. Aber es wäre auch eine, sich nicht weiter mit brav gesenktem Kopf in einen möglichen Abgrund steuern zu lassen, etwas dagegen zu tun, und sei es auch nur, damit aufzuhören, Menschen blind zu vertrauen, nur weil sie im Fernsehen auftreten, in der Zeitung schreiben oder in der Regierung sitzen.
Paul Sethe, Gründungsherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sagte 1965: „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ Ich denke, er hat recht und ich finde, es wird Zeit, dass das aufhört. Es wird Zeit, dass wir unseren eigenen Kopf zum Denken benutzen und es nicht mehr andere für uns tun lassen. Es wird Zeit, dass wir gegen die Lüge aufstehen und das, was in diesem Artikel beschrieben wird, verhindern. Denn es ist immer noch möglich!
„Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Vor mehr als dreihundert Jahren sagte das Emanuel Kant und läutete damit das Ende des Mittelalters und den Beginn der Aufklärung ein. Heute würde er wahrscheinlich nur sagen: „Mach die Glotze aus!“
Denn dann bleibt mehr Zeit zum Reden und vielleicht sollten wir über mehr miteinander reden als das Wetter, Projekte, die letzten Fußballergebnisse und den in China umgefallen Sack Reis. Auf Augenhöhe, mit Respekt, ohne den anderen für seine Meinung zu verurteilen, auch wenn es nicht die Eigene ist …
Dem anderen zuzuhören, wäre ein guter Anfang, finde ich, selbst wenn er nicht geimpft ist, einen russischen Akzent hat, nur Männer und Frauen akzeptiert und sogar dann, wenn er der Ansicht ist, die Erde wäre eine Scheibe. Selbst mit Menschen ohne Kopfbehaarung sollte man reden, denn nur so erfährt man, ob sie Glatzen sind oder nur eine haben.
Vielleicht wäre das tatsächlich keine so schlechte Idee, den Flimmerkasten auszuschalten (spart übrigens Energie) und das Gehirn anzumachen, denn eines ist sicher: Es kommt immer anders, wenn man denkt.

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Zum Autor: Rainer Sonnberg (63) hat in der DDR Ökonomie studiert, war dreizehn Jahre bis 1990 Offizier der NVA und von 1983 bis 1985 Angehöriger des Führungsstabes der einzigen SFL-Artillerieabteilung der NVA, die dafür ausgebildet wurde, Kernmunition zu verschießen. Danach hat er Informatik studiert und arbeitet seit dreißig Jahren in diesem Beruf. Er sagt von sich: „Schreiben ist meine Leidenschaft, allerdings kann ich mir den Blick auf die Realitäten auch in meinen Erzählungen nicht verkneifen und so stehen die Chancen im gegenwärtigen Deutschland sehr schlecht, irgendwann eine davon publizieren zu können. Das ist nicht schlimm, ich brauche das nicht für mein Ego. Es reicht mir, zu wissen, dass meine Kinder und Enkel sie lesen werden, und damit wissen werden, dass ich mich nie weggeduckt habe.“ – wenn Sie mehr von ihm lesen möchten, kommen Sie hier auf seinen Blog.

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PP-Redaktion
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