Der Papst – sein „Glaubensbruder“? Ein Gastbeitrag von Dr. Udo Hildenbrand

Immerhin war er jetzt schon dreimal in Rom beim Heiligen Vater: Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland.  Vor einigen Tagen berichtete das Internetportal katholisch.de von diesem seinem dritten Besuch. Der Autor des Berichtes war offensichtlich selbst etwas „bewegt und verdattert“ von diesem Ereignis besonderer Art. Eine etwas freundlichere Bildaufnahme als gewohnt zeigt Herrn Mazyek mit gestutztem Bart und nachdenklichem, leicht verträumten Blick in die Ferne. Doch sein Porträt ist mir zu aufdringlich, kommt mir zu nah.

Meine Frage beim ersten Überfliegen des Berichtes:  Gab´s für den Gast aus Deutschland eine Privataudienz oder lediglich ein kurzes Gespräch mit dem Papst unter Hunderten am Rande der Mittwochs-Generalaudienz? So ganz genau war mir das nicht gleich klar. Wahrscheinlich gibt es noch so eine Art „Audienz-Mixtur“:  Nicht mehr gewöhnliche General- und doch noch nicht ganz die gehoben-elitäre Privataudienz? Gedanken, Erinnerungen kreisen bei diesen Fragen durch meinen Kopf.

Audienz nicht für alle?

Eine Privataudienz für Herrn Mazyek beim Papst wäre womöglich doch zu peinlich gewesen. Schließlich pochte erst vor nicht allzu langer Zeit ein anderer Hochgestellter vergeblich an den Pforten des päpstlichen Hauses. Von noch viel weiter kam er her als der Vorsitzende von Deutschland- aus dem fernen China. Zudem war er kränklich und hochbetagt, nämlich 88 Jahre – und so nebenher auch noch Kardinal der römischen Kirche. Gehören die Kardinäle nicht zum engsten Beraterkreis des Papstes?

Vier Tage lang – so wurde berichtet – hatte Kardinal Zen vergeblich darauf gewartet, dass Papst Franziskus ihm etwas Zeit und ein offenes Ohr für seine schwerwiegenden Probleme in China schenkt. War es gerade zu jener Zeit, als der Heilige Vater mit seinem Fiat 500 jenen Schallplattenladen in Rom besuchte, der dadurch zum berühmtesten Schallplattengeschäft der Welt avanciert sein dürfte – und sich dabei erneut die Gelegenheit geboten hatte, wieder mal ein interessantes Foto zu schießen:  Der Papst mit einer Schallplatte unterm Arm … Und alle Welt konnte wieder mal jubeln: Er ist halt doch ein ganz anderer wie die anderen … (Päpste).

(c) Pixabay CC0

Jetzt aber Ende. Da geriet mir zeitlich doch etwas durcheinander. Schnell also zurück zu dieser Papstaudienz mit Herrn Mazyek. Die (dritte) Begegnung mit dem Papst fand nach dem Bericht von katholisch.de nur „am Rande der Generalaudienz“ statt. Also doch: Gewöhnliche Generalaudienz. Aber in diesem Falle ist „am Rande“ eben doch etwas Besonderes, zumindest etwas leicht Hervorgehobenes. Schließlich ist dieser Audienzteilnehmer Aiman Mazyek ja auch Vorsitzender eines nicht ganz kleinen muslimischen Vereins, und zwar in Deutschland.

Somit ein echtes Treffen auf Augenhöhe: Herr Mazyek als Vorsitzender des ZMD. Das ist einer der 12 muslimischen Dachverbände in Deutschland mit seinen etwa 300 Moscheevereinen und maximal etwa 20 000 Mitgliedern – und Papst Franziskus, Oberhaupt von rund 1,6 Milliarden Katholiken.

Gemeinsame Geschwisterlichkeit von Christentum und Islam?

Über was aber haben sich der Papst so vieler Christen und der Vorsitzende so vieler Muslime wohl unterhalten? Gab´s dabei etwas Interessantes, vielleicht auch etwas ganz Neues? „Wir haben gemeinsam die Geschwisterlichkeit von Christentum und Islam hervorgehoben“ – so Herr Mazyek. Eigentlich nichts Neues. Wirklich nicht. Seit über 50 Jahren dreht sich nun schon diese Dialog-Schallplatte. Alte Leier. Neu ist dabei lediglich: Anstelle von Brüderlichkeit sagt man heute gendergerecht „Geschwisterlichkeit“.

Und das „kleine Problem“ der Christenverfolgungen in islamischen Ländern? Wie steht´s da eigentlich mit der „Geschwisterlichkeit“. Halt! – Um Gottes willen! Hier in dieser Audienzhalle ist nicht der Ort für diese Thematik. Und offensichtlich bei Gesprächen dieser Art wohl nirgendwo.

Der Papst als Inspirator für Muslime?

Vielleicht doch eine Neuigkeit: Herr Mazyek bemerkt, wie wertvoll die Texte des Papstes sind:  Eine „Inspirationsquelle nicht nur für Christen, sondern auch für Muslime.“ Der höchste Repräsentant der katholischen Kirche , gleichsam der höchste Kreuzzügler als Inspirator für Muslime?

Allzu gerne wüsste der aufmerksame, islaminformierte Leser und natürlich auch die Leserin: Wodurch und in welchen Bereichen inspiriert denn der Papst die Muslime? Oder besser: Lassen sich die Muslime überhaupt von einem Nichtmuslim, der sogar noch Papst ist, inspirieren? Zum Beispiel bei den Themen Gleichberechtigung von Mann und Frau, von Muslimen und Nichtmuslimen, auch bei der Problematik der Religions- und Meinungsfreiheit und bei vielen anderen Themen mehr. Das wäre doch wirklich etwas beinahe revolutionär Neues.

Doch irgendwelche Inspirations-Effekte sind bei den Muslimen wirklich nicht festzustellen. Schließlich beinhaltet ja auch nach islamischem Selbstverständnis der Koran und die islamische Lehre alle Weisheit, alles Wissen dieser Welt. Diesen Wissenshorizont kann doch auch kein Papst  erweitern. Der ist doch eigentlich nur  ein „Ungläubiger“.

Auch die Früchte der viel gerühmten Begegnungen und des Kennenlernens seit Jahrzehnten zwischen Muslimen, Christen und anderen Nichtmuslimen sind nicht gerade sehr schmackhaft und berauschend.  Man denke nur an die vielen äußerst problematischen, spannungsgeladenen Beziehungs- und Konfliktfelder zwischen Muslimen und Nichtmuslimen weltweit.

Zusammenhalt in Europa von Christen und Muslimen?

Wenn Aiman Mazyek in diesem Audienz-Gespräch mit Papst Franziskus betont, „dass wir auch mit unseren Glaubensgeschwistern für den Zusammenhalt in Europa eintreten, den wir in vielen Teilen auch bedroht sehen“ hätte man allzu gerne in diese Unterhaltung harmoniestörend hineingefragt:

  • Seid ihr Muslime in Europa und weltweit etwa nicht ein wesentlicher Teil der Probleme, ein wesentlicher Grund für den Mangel an Zusammenhalt, allzu häufig auch die Ursache für die Auseinandersetzungen in den Ländern des europäischen Kontinents?
  • Was tut ihr Muslime konkret für den Zusammenhalt unter den Menschen verschiedener Kulturen, Religionen und Weltanschauungen?
  • Was tut ihr muslimischen Verantwortungsträger gegen das Gewalt- und Dominanzstreben unter den Muslimen verschiedener Glaubensrichtungen?
  • Was hat sich wo in den vergangenen Jahren positiv seitens der Muslime etwa in der bedrängenden Frage der Gewalt im Islam verändert?

Aus der Informationsquelle von katholisch.de ist überdies zu erfahren:  Papst Franziskus ist offensichtlich für bestimmte Muslime so etwas wie ein Star. Was Herr Mazyek von ihm hält, hört man auch an so manchen anderer Stelle im muslimischen Echoraum. Spezielle muslimische Kreise schätzen offensichtlich den Papst – aus welchen Gründen auch immer.

In verschiedenen Bereichen sei der Papst „ein schönes Beispiel dafür, wie man das macht“. Wenn man boshaft wäre, würde man jetzt vielleicht fragen: Was macht er denn aus christlicher Sicht alles falsch, wenn er doch für so viele Muslime ein Beispiel ist? Nein, so boshaft will man nicht sein, so auch nicht denken und erst recht nicht so boshaft fragen. Jedenfalls werden katholische Christen erfreut sein, wenn Herr Mazyek die Freundlichkeit des Papstes betont: „Er ist ein sehr freundlicher Mensch“.

 Allerdings ist man dann keineswegs positiv „bewegt“, sondern massiv negativ „verdattert“, wenn man den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland gleich anschließend tönen hört: „Man spürt wirklich einen Glaubensbruder“. Der Papst als „Glaubensbruder der Muslime“! Dickes Ausrufezeichen! Und noch ein dickeres Fragezeichen dazu!

“Alle Menschen werden Brüder” – und die islamische Wirklichkeit

Geehrter Herr Mazyek. Sie erinnern sich gewiss an Schillers “Ode an die Freude”. In einem Schreiben an die Öffentlichkeit haben Sie vor wenigen Jahren aus diesem Werk die bekannten Worte zitiert: “Alle Menschen werden Brüder”. Das ist schon so eine Sache mit den Brüdern, wenn es keine Muslime sind. Und dann auch noch die Steigerung mit den „Glaubensbrüdern“, wenn es z. B. Christen sein sollen.

Ja, Glaubensbrüder gibt es durchaus bei den Muslimen, so etwa die Sunniten und Schiiten, die mit dem Koran und ihrem Propheten Mohammed als gemeinsames Band verbunden sind.  Beide muslimische Strömungen bekämpfen sich allerdings nahezu ununterbrochen in den Bruderkriegen der „Religion des Friedens“ – schon seit 1400 Jahren.

Den Aufführungen Ihres oben genannten Schreibens an die Öffentlichkeit hatte ich u. a. entgegnet:

 „…Sie streuen … Ihren Adressaten Sand in die Augen: Denn nach islamischem Selbstverständnis können erst dann alle Menschen zu Brüdern werden, wenn sie Muslime geworden sind. Vorher gelten sie als verachtenswerte Ungläubige, mit denen nach den koranischen Vorgaben Muslime nicht einmal Freundschaft schließen dürfen.“

Sollten diese Worte in Ihren Ohren recht dreist klingen, dann werfen Sie doch einfach mal zu Ihrer Beruhigung einen Blick in den Koran und lesen Sie die Suren 3,118; 3,28.

Muslime und Christen sind keine Glaubensbrüder

Kein Christ kann der Glaubensbruder eines Muslim sein, wie auch umgekehrt kein Muslim ein Glaubensbruder eines Christen sein kann – weil der Glaube der Muslime grundverschieden ist vom Glauben, auch von der Ethik der Christen. So einfach ist es. Und der Allah des Korans will diese christlichen “Glaubenbrüder” samt und sonders in seine Hölle stecken. Sie kennen ja die ziemlich bedrohlichen Koransuren 9,17; 98,6.

Wäre der Papst im Sinne des Korans ein echter Glaubensbruder, wäre er logischerweise zwischenzeitlich bereits zum Islam konvertiert. Das wäre dann etwas wirklich Neues. Mehr noch: Eine Sensation pur, ja die Schlagzeile schlechthin: Der Papst in Rom ist Muslim geworden.

Wie ist, Herr Mazyek, Ihre mehr als merkwürdige Aussage vom Glaubensbruder Papst Franziskus zu verstehen? Möglicherweise haben Sie den Papst vor lauter “Bewegt- und Verdattersein” in dieser Audienz-Situation aus emotionalen Gründen fehlinterpretiert. Sollte das der Fall gewesen sein, hätten Sie diese Aussage später wohl nicht mehr wiederholt.

Wahrscheinlicher dürfte sein: Sie haben in diesem Zusammenhang entweder die islamlegitimierte Taqiyya (Täuschung, Verleugnung, Lüge) praktiziert oder aber Sie haben den Begriff “Glaubensbruder” nicht bzw. schlichtweg falsch verstanden. Dass Sie mit diesem Begriff den Papst für sich bzw. für den Islam vereinnahmen wollten, vermute ich allerdings nicht.

Was mich vor dem Hintergrund der koranischen “Kontaktverbote” mit Christen bzw. Nichtmuslimen noch interessiert: Sprechen Sie eigentlich auch so lobend über Papst Franziskus, wenn Sie mit Ihren muslimischen Brüdern im Glauben allein sind, auch wenn Sie mal in Ländern wie der Türkei, Syrien, Saudi Arabien und in anderen islamisch dominierten Bruder-Ländern unterwegs sind? Würden Sie ihn dort auch als “Glaubensbruder” bezeichnen und ihn zugleich in so hohen Tönen loben? Vermutlich eher nicht.

Fortsetzung folgt

Die Verdatterungsgeschichte zwischen dem Vorsitzenden Mazyek und Papst Franziskus im „bewegenden und inspirierenden Treffen …am Rande der Generalaudienz“ in Rom ist leider noch nicht ganz zu Ende erzählt. Das i-Tüpfelchen in Form eines weiteren Aufregers kommt noch. Diesmal aber von Franziskus höchst selbst verursacht. Also nochmals eine Portion Verdatterung – und das in nur drei Worten. Klein, aber nur begrenzt fein. Die klarstellende Beruhigung wird jedoch von anderer Seite erfolgen. Demnächst. Oh je!

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