„Verbal ist nun bald alles ausgereizt. Also werden Taten folgen und ich schließe inzwischen nichts mehr aus. Ich sehe auch nur wenige, die den Entwicklungen entgegentreten. Fassungslos trifft wohl am besten meinen Zustand, nun sind bereits Dinge umgesetzt, die wir uns niemals träumen hätten lassen“ – so Alexander Meschnig zum Corona-Terror in Deutschland in unserem Fundstück der Woche (Quelle)

Eigentlich wünschen wir uns alle einfach wieder ein „normales Leben.“ Das wird aber nur gelingen, wenn wir akzeptieren, dass dieser Virus bleibt und wir damit – wie mit allen anderen Viren davor – umgehen müssen, es nämlich als Teil eines allgemeinen Lebensrisikos zu sehen.

Falsche Versprechen

Der größte Fehler der politischen und medialen Akteure in der sogenannten Pandemie war das Versprechen, mit den mRNA-Impfstoffen könne die Ausnahmesituation beendet werden, und dabei alle anderen notwendigen Vorkehrungen zu vernachlässigen. Wenn jeder ein Impfangebot erhalten habe, wir erinnern uns, sollten ja alle Maßnahmen zurückgefahren werden.

Dieses Erlösungsversprechen stellt sich immer mehr als eine Lüge heraus, auch wenn alles dafür getan wird, diese Tatsache zu verschleiern. Die Wut der Geimpften über das nicht gehaltene Versprechen einer Normalisierung der Situation ist nachvollziehbar und menschlich verständlich. Sie haben sich alle gehorsam an die Vorgaben der Regierung gehalten und sehen sich nun als Betrogene, die derzeit sogar Gefahr laufen, ihre Privilegien zu verlieren. Nun sollen weitere Impfungen folgen und auch wieder Tests für Geimpfte, etwa um bestimmte Räume betreten zu können. Wir stehen also buchstäblich wieder am Anfang, zurück auf „Los“.

Der Ungeimpfte als Sündenbock

In dieser Situation kommt nun ein Schuldiger, in der Person des Ungeimpften, gerade recht. Auf ihn projizieren sich nun die ganze Ohnmacht, der Hass und die angestaute Aggression. Im Prinzip haben wir es mit einer primitiven Sündenbocktheorie zu tun, die aber offensichtlich wie eine anthropologische Konstante funktioniert und jederzeit reaktiviert werden kann, wenn ein Ausnahmezustand herrscht.

Der dünne Firnis der Zivilisation kann offenbar jederzeit reißen, insbesondere dann, wenn Wut, Hass und vor allem Angst regieren. Die Mechanismen der Ausgrenzung, Stigmatisierung und Abwertung der Anderen bleiben über alle Zeiten dieselben. Mit den Ungeimpften wurde nun endlich jemand gefunden, auf den man, ohne Rücksicht oder Gefahr, von oben legitimiert und von den meisten Medien einmütig gutgeheißen, einschlagen kann. Und das in einem Land, in dem sonst jede kleinste Handlung oder Aussage einen sofortigen Diskriminierungsvorwurf nach sich zieht. Die kognitive Dissonanz ist hier geradezu atemberaubend.

Wie weit kann das alles noch gehen?

Verbal ist nun bald alles ausgereizt. Also werden Taten folgen und ich schließe inzwischen nichts mehr aus. Ich sehe auch nur wenige, die den Entwicklungen entgegentreten. Fassungslos trifft wohl am besten meinen Zustand, nun sind bereits Dinge umgesetzt, die wir uns niemals träumen hätten lassen.

Und das Schlimmste für mich ist: ein großer Teil der Bevölkerung stimmt dem allem zu. Wann würde hier eine Grenze gezogen? Wie weit kann das alles noch gehen? Ein Leben danach (es wird nie mehr sein wie zuvor) wird die Verwerfungen und Verletzungen nicht einfach abstreifen können, sie werden nicht vergessen. Ich habe keine Ahnung, wie wir da als Gesellschaft und auch in unseren privaten Beziehungen unbeschadet rauskommen wollen.

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Zur Person: Dr. Alexander Meschnig, geboren 1965 in Dornbirn (Österreich), studierte Psychologie und Pädagogik in Innsbruck. 1992 Umzug nach Berlin und Promotion in Politikwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Neben kulturwissenschaftlichen Veröffentlichungen arbeitet er vor allem zu den Themen Nationalsozialismus, Militär- und Kriegsgeschichte. Veröffentlichungen (Auswahl): „Arbeit als Lebensstil“ (Hrsg., 2003), „Der Wille zur Bewegung. Militärischer Traum und totalitäres Programm“ (2008), „Uns kriegt ihr nicht. Jüdische Überlebende erzählen“ (mit T. Hüttl, 2013), Siegen oder vom Verlust der Selbstbehauptung (mit P. Amoghli, 2018), Deutscher Herbst 2015. Essays zur politischen Entgrenzung (2019).

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