(David Berger) Die weltweit bekannte Kirchenkritikerin Uta Ranke-Heinemann ist tot. Sie verstarb heute morgen im Alter von 93 Jahren im Kreis ihrer Familie in Essen. Ein persönlicher Nachruf.

Ausgerechnet am Hochfest Mariä Verkündigung verstarb Uta Ranke-Heinemann, weltweit zunächst bekannt als erste Professorin für katholische Theologie, als Kommilitonin des späteren Papstes Benedikt XVI. und vor allem als Kirchen- und Glaubenskritikerin.

1987 war es zum endgültigen Bruch mit der Kirche gekommen, nachdem die Professorin öffentlich die immerwährende Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria geleugnet hatte. Der hoch angesehene Essener Ruhrbischof Franz Hengsbach entzog ihr daraufhin die kirchliche Lehrerlaubnis. Sie verlor damit ihren Lehrstuhl, man schuf ihr freilich stattdessen einen kirchenunabhängigen Lehrstuhl für Religionsgeschichte, auf dem sie in die Totalopposition zur Kirche ging.

„Eunuchen für das Himmelreich“

Vor allem die kirchliche Sexualmoral wurde von da an ihr großes Thema: In ihrem Bestseller „Eunuchen für das Himmelreich“ findet sich alles, was sie dazu vorbrachte: Kritik am Zölibat, dem Pillen- und Kondomverbot und Forderung nach einer kirchlichen Anerkennung der Homosexualität.

Der Verlust ihrer Lehrerlaubnis und ihr Einsatz gegen die Diskriminierung Homosexueller war es auch, der Uta und mich im Jahr 2010 zusammenführte. Einige Jahre zuvor hatte Rosa von Praunheim seinen Film über die Hölle so zusammengeschnitten, dass Uta für die modernistische Leugnung der Hölle und ich als damaliger Professor der Päpstlichen Thomasakademie (Vatikan) für die authentische kirchliche Lehre sprachen. Nach Erscheinen meines Buches „Der Heilige Schein“ nahm sie dann Kontakt mit mir auf. (Foto (c) Jo Goede).

Auf der Schülerdemo gegen den Entzug meiner kirchlichen Lehrerlaubnis sprach sie zusammen mit meinem Partner, dem sie später in ihrem weitläufigen Haus auch die privaten Räume zeigte – während ich im Wohnzimmer zu warten hatte. Sie stellte sich ganz bewusst auf die Seite meiner Schüler, was ich ihr stets hoch anrechnete.

Die folgenden Fotos stammen von dem Fotografen Jo Goede:

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Besuche in Essen

 

Danach folgten immer wieder Besuche in ihrem Haus in Essen und im Jahr 2011 ein erweitertes Kaffeekränzchen in unserer damaligen Wohnung in Köln, zu dem etwa 15 Fans von Heinemann und Freunde von uns geladen waren. Über Stunden verstand sie es, das Gespräch zu führen, nie wurde es langweilig, häufig kam es zu lustigen, bisweilen auch skurrilen Erzählungen aus dem kirchlichen Leben.

Dabei blieb sie, bei öffentlichen Auftritten immer gekleidet in ihr türkisenes Lederkostüm und ausgestattet mit weißen Handschuhen (sie hatte eine Stauballergie) stets Grand Dame, die Professorin und Tochter des Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der im Vergleich zu seinem jetzigen Nachfolger noch eine echte Persönlichkeitsautorität besaß.

Ganz selten verlor sie die Contenance, dann aber immer so, dass es etwas zu lachen gab:

Wiedersehen mit den geliebten Toten

Ihr Werk „Nein und Amen“ (Untertitel „Mein Abschied vom traditionellen Christentum“) zeigt ihren endgültigen Abschied vom Christentum, einen kompletten Verlust des katholischen Glaubens – Geblieben sei ihr nur die „Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den geliebten Toten“.

Dass der Herr über Leben und Tod Uta Ranke-Heinemann ausgerechnet am Hochfest heimholte, das die Stunde feiert, als der Engel zur Jungfrau Maria und der Heilige Geist über sie kam, das ewige Wort des Vaters „Fleisch annahm“, ist für mich ein sehr deutliches Zeichen:

Mit meinem R.I.P. vertraue ich aus ganzem Herzen auf die Gnade und Barmherzigkeit des Richters, vor dessen Thron sie sich nun zu verantworten hat. Ich hoffe darauf, dass ihr dieses Wiedersehen im vollendeten Glück der ewigen Schau Gottes vergönnt sein möge: mit ihrem Vater, dem früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann. Und vor allem mit ihrem viel geliebten Mann, auf den sie in jedem unserer Gespräch immer wieder zu sprechen kam.