„Bild“-Chef Julian Reichelt hatte in einer Brandrede gegen die Regierung seine Fassungslosigkeit über das Totalversagen in der Corona-Politik zum Ausdruck gebracht. Die Strafe folgte auf dem Fuße. Mehrere Mitarbeiterinnen werfen ihm – perfektes Timing – Mobbing und Nötigung vor.

Das Muster ist bekannt. Was ist besser geeignet als Vorwürfe wie Sexismus, Mobbing oder sexuelle Belästigung, wenn man eine Person vernichten will? Schon der Vorgänger von Reichelt, Ex-Bild-Chef Kai Diekmann, war mit nie bewiesenen Vorwürfen einer einzelnen Dame (sexuelle Belästigung bei einem Badeausflug) aus dem Amt befördert worden, zumindest wurde sein Abgang damit beschleunigt.

Julian Reichelts Brandrede

Kommen wir zunächst zum Corpus Delicti. Hier ein Paar Zitate aus dem nachfolgenden Videoclip.

„Ich hoffe nur noch, dass diese Regierung bald durch eine andere ersetzt wird.“

„Merkel vergisst, was sie in den letzten Monaten historisch vergeigt hat (…) Sie wird mit diesem Totaldebakel in die Geschichtsbücher eingehen.“

„Die Bundesregierung hat völlig aus den Augen verloren, was ihre Rolle gegenüber dem Bürger ist. Die Bundesregierung ist bereit, uns jetzt wieder Vertrauen zu schenken? Entschuldigung, WIR schenken unserer Regierung vertrauen oder nicht und nicht die Bundesregierung den Bürgern.“

„Die Bundesregierung hat uns nicht zu sagen, was wir zu tun und zu lassen haben. Die Bundesregierung hat die Umstände herzustellen, unter denen wir leben können.“

Das war nicht das erste Mal, dass die BILD-Zeitung – als einsamer Rufer in der Wüste –  erhebliche Kritik an der Corona-Politik und der Drangsalierung der Bürger übte. Aber war es womöglich das letzte Mal? Falls Reichelt wegen dieser mehr oder weniger lächerlicher Mobbing-Vorwürfe „über den Jordan geht“, war es das endgültig mit den freien Medien.

Ganz nebenbei habe ich auch den (subjektiven) Eindruck, dass BILD nicht mehr auf der Startseite von Youtube angezeigt wird und generell seine Clips jetzt eine reduzierte Reichweite dort haben.

Was wird dem Bild-Chef überhaupt vorgeworfen?

Wie schon gesagt, das Muster ist bekannt. Überall auf der Welt werden Männer mit autoritärem Führungsstil durch das Veröffentlichen der subjektiven Empfindungen einzelner Damen zu Fall gebracht, selbst Orchester-Dirigenten wurden damit demontiert. Für Frauen wurde das sogar zu einem Sprungbrett auf der Karriereleiter.

Würde sich ein Mann über den autoritären Führungsstil einer weiblichen Chefin beschweren, wäre er wohl ein Weichei, ein Möchtegernmacho, der nicht mit weiblicher Führung klar kommt. Wenn sich aber eine Frau von ihrem Chef gemobbt fühlt, weil er mal laut wurde, weil er mal persönlich wurde, weil er harte Anforderungen stellt, ist das eine Tragödie, die für den „fiesen“ Chef das soziale Todesurteil bedeuten kann. Ex-Bildchef Kai Diekmann ist jetzt in den USA als Unternehmensberater tätig. Er hatte zumindest die Chance, ein neues Leben zu beginnen, aber als Journalist wird er wohl nie wieder arbeiten.

Den Verlauf des sogenannten „Compliance-Verfahrens“ und was genau Julian Reichelt vorgeworfen wird, mag man der Tagespresse entnehmen. Eines ist sicher: Gegen Gesetze hat er nicht verstoßen. Aber Recht und Gesetz spielen bei den modernen Ketzerprozessen genauso wenig eine Rolle wie seinerzeit im Mittelalter.

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