(Carl-Wolfgang Holzapfel) Vor wenigen Tagen  erhielt auch ich das Privileg einer Impfung mittels beigefügtem Code zugesandt. Nach beschlossener Regierungsdefinition gehöre ich zu den altersbedingt gefährdeten Altersgruppen. In einem „Offenen Brief“ an die Berliner Senatorin für Gesundheit, Dilek Kalayci, habe ich heute auf dieses Privileg zugunsten einer/s impfbereiten Bürgers/In verzichtet.

Der Brief hat folgenden Wortlaut:

Einladung zur Impfung gegen SARS CoV-2 – Hier: Ihr Schreiben vom 01.03.2021 – Terminbuchungscode 2WJF-PGLA-PNAY-AAAD

Sehr geehrte Frau  Kalayci, besten Dank für Ihre freundliche vorbezeichnete Einladung.

Sicherlich pauschaliert formulieren Sie auch für mich „wegen meines Lebensalters“ (ich werde in vier Wochen 77 Jahre alt) ein „erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf im Falle einer Infektion mit SARS-CoV-2.“

Sie führen zum Schutz (vermutlich diverse) Impfstoffe an, ohne diese im Brief selbst oder im Rahmen des übermittelten umfangreichen Anhangs im Einzelnen zu benennen oder deren unterschiedliche möglichen Wirkungsweisen anzuführen. Ich kann leider auch hier keine sachdienliche Aufklärung erkennen, die es mir ermöglichen würde, diesen großzügig erscheinenden Impftermin zu vereinbaren oder wahrzunehmen. Wie sollte ich mich einem Impfstoff „ausliefern“, über dessen Beschaffenheit oder mögliche Nebenwirkungen bzw. Begleiterscheinungen ich nicht informiert werde?

Auch fällt mir als überzeugten Demokraten und mündigen Bürger auf, das Sie bzw. Ihre beauftragte Behörde zwar sehr viel Aufwand betrieben haben, um mich auf die „Erfordernisse“ hinzuweisen, die ich als Bürger im Falle einer vereinbarten Impfung einzuhalten habe. Danach ist z.B. dazu mitzubringen: Personalausweis, Anamnese-, Einwilligungsbogen, Aufklärungsmerkblatt, natürlich dieses Schreiben und (falls vorhanden) ein Impfbuch.

Natürlich fehlen auch nicht diverse Hinweise wie z.B. auf den Datenschutz und daß ich mich ggf. an den Datenschutzbeauftragten wenden könne. Nur nebenbei möchte ich anmerken, daß sich der Datenschutzbeauftragte in einem mir bekannt gewordenen gravierenden Fall der Datenschutzverletzung für „nicht zuständig“ erklärt hat.

Abgesehen von diesen neuerlichen Versäumnissen, die nicht geeignet erscheinen, das verloren gegangene Vertrauen in diverse Maßnahmen verantwortlicher Politiker und Institutionen wiederherzustellen, möchte ich aus persönlichen Gründen bzw. tiefer Überzeugung auf den mir zugedachten Impftermin zugunsten eines Menschen verzichten, der ebenso „aus persönlichen Gründen“ gerne einen Impftermin wahrnehmen möchte, diesen aber allein schon wegen seiner noch „nicht zu berücksichtigenden Alterseinstufung“ (noch) nicht vereinbaren darf. Mir ist nicht erkenntlich, warum selbst eine erkenntliche weil erklärte Impfbereitschaft an bürokratischen Hemmnissen (amtliche Anordnung aufgrund regierungsamtlicher Beschlüsse) scheitern muss.

Für mich persönlich ist der natürliche Tod altersmäßig wesentlich näher, als z.B. für eine/n Fünfundvierzigigjährige/n. Daher mag zumindest für mich die in Ihrem Schreiben angesprochene Besorgnis um meine Gesundheit unter Bezug auf mein Alter durchaus als ehrenwert erscheinen, es beseitigt nicht meine Skepsis gegen die Ausgrenzung bzw. Zurückweisung jüngerer Menschen.

Auch ich gehörte bislang zu den Menschen, die stolz darauf waren, in einem Staat aufgewachsen zu sein, für den Begriffe wie „Freiheit“, „Demokratie“, „Meinungs- und Entscheidungsfreiheit“ so selbstverständlich waren, wie diese Begriffe nunmehr durch die „Mattigkeit der Gewohnheit“ ihre für unser Gemeinwesen so lebenswichtige Bedeutung verloren zu haben scheinen. „Mehr Demokratie wagen!“ hatte einst ein deutscher Bundeskanzler zu Beginn seiner Amtszeit unter lautem öffentlichem Beifall verkündet. Und nun? Statt – zum Beispiel – die freie Willensentscheidung für oder gegen eine Impfung in den Mittelpunkt zu stellen und dem Bürger zu überlassen, wird dieser selbstbestimmten Entscheidung durch regierungsamtliche Verordnungen (mit viel plötzlich vorhandenem Geld und noch mehr amtlichem Papier) wie selbstverständlich vorgegriffen. Diskussion, Debatte mit dem Bürger? Fehlanzeige, weil hier (ebenso selbstverständlich) „der Staat“ gefordert ist?

Wir haben seinerzeit weder die Daten in der Bundestagsdrucksache 17/12051 vom 03.01.2013 (S.5: 2.3 Risikoanalyse „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ – https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf ) in der Öffentlichkeit diskutiert noch uns nachvollziehbar auf diese nunmehr so bezeichnete „Pandemie“ vorbereitet (was bereits vor sieben Jahren möglich gewesen wäre). Dagegen wird der Bevölkerung, also den Wählern der Politiker, die Pandemie nach wie vor von diesen als ein „furchtbares, nicht vorhersehbares Ereignis“ mit allen schrecklichen, uns jetzt deklamierten Folgen verkauft. Folgen diesen Versäumnissen, z.B. auch der zuvor angeführten und ausgebliebenen Debatte um eine drohende Pandemie, nicht zu recht Vertrauensverluste oder gar Misstrauen gegen jetzige – überdies nach wie vor sehr holprig erscheinende – Maßnahmen der Verantwortlichen?

Diesen Brief werde ich veröffentlichen. Er soll Menschen, die z.B. meine Ablehnung der Impfung nicht teilen oder auch in gefährdeten Berufen tätig sind, die Möglichkeit geben, sich bei Ihnen um den durch meinen übermittelten Verzicht freigewordenen Impftermin zu bemühen. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den Grundprinzipien unseres Staatswesens, die sogar maßgeblich zur Überwindung einer Diktatur beigetragen haben, habe ich gleichwohl noch nicht aufgegeben.

Mit freundlichen, wenngleich besorgten Grüßen

Carl-Wolfgang Holzapfel, 77, Rentner“

Quelle: Redaktion Hohenecker Bote

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