(PP-Redaktion) Am 25. April 2020 berichtete Benjamin Weinthal in der Jerusalem Post über eine Demonstration in Wien gegen die österreichischen Corona-Einschränkungen, bei der die Protestierenden riefen „Wir sind die Juden“. Dies wurde im Nachgang als Relativierung der Shoa bezeichnet und einen erbärmlichen Versuch, den industriellen Massenmord an den Juden auf eine Stufe mit den strafrechtlichen Folgen zu stellen, mit denen sich Verweigerer der staatlichen Corona-Maßnahmen konfrontiert sehen. Ein Gastbeitrag von Dr. Dr. Marcus Ermler.

Man erkennt also bereits hier, dass es in der Kritik an den weltweiten Corona-Beschränkungen auch verschwörungstheoretische und antisemitische Querschläger gibt, die jede rationale und seriöse Rezension der Corona-Maßnahmen erheblich diskreditieren. Wer nun allerdings meint, der Irrsinn ende mit dieser Holocaust-Relativierung jenseits der Alpen, kennt die deutschen Gegner der Corona-Beschränkungen noch nicht, die sich unter dem Banner von „Demokratischer Widerstand“ und „Nicht-ohne-uns“ bei ihren „Hygiene-Demos“ versammeln.

In der ersten Ausgabe ihrer Zeitung, mit einer Druckauflage von 100.000 Exemplaren, beschreiben die Organisatoren den Sinn ihrer Bewegung zunächst so:

Das westliche Zivilisationsprojekt befindet sich nach vier Jahrzehnten des Niedergangs im Nadir seiner Glaubwürdigkeit. […] Der Kollaps der alten Ordnungsvorstellung wird in dem Moment ein Anlass zur Freude […] Am Ende der Neoliberalen Epoche steht ein Tribunal, um aus dem Versagen der Regeln der Vergangenheit für die unmittelbar bevorstehende Zukunft zu lernen. […] Es bedeutet eine Umwälzung der Entstehung der grundlegenden Spielregeln menschlicher Ökonomie auf einem begrenzten Planeten, der in der Folge erstmals allen lebenden und künftigen Menschen gleichermaßen gehört.“

„Der Mundschutz ist das neue Hakenkreuz“

Was hier kodiert wie das Wiederaufleben des „Sozialismus“ als Folge des Zusammenbruchs der „neoliberalen Epoche“ in der Corona-Krise klingt, scheint auch genauso gemeint zu sein. Der Berliner Tagesspiegel diagnostiziert dem lokalen Ableger der „Hygiene-Demo“ daher, dass es sich um eine „Querfrontdemonstration“ von „ganz links bis ganz rechts“ handle, bei der sich „Verschwörungstheoretiker“ sowie „linke und rechte Aktivisten“ zusammentäten.

Mittendrin ist hierbei auch Ken Jebsen, der auf seiner Website zu den Corona-Maßnahmen unter anderem einen Artikel von Rüdiger Lenz mit dem Thema „Der Mundschutz ist das neue Hakenkreuz“ veröffentlichte…

… in dem es u.a. heißt: „Der Mundschutz ist eine Marke, ein Erkennungszeichen, eine Parole für dieselbe Idee einzustehen, ein Gruppenideal, das ausdrückt, man sei besorgt und wolle dem anderen keinen Schaden zufügen. […] Doch in Wahrheit ist es ein Gehorsamsakt, der die ganze Gesellschaft in die Richtung zwingt, in die die Profiteure sie hinlenken wollen, um durch ein Inneres ‚Ich muss mich impfen, nur dann überlebe ich‘, sich einen festen Glauben an die heilige Aufgabe, die heilige Pflicht zur Gruppe, einzuprägen. […] Wer die Armbinde mit dem Hakenkreuz nicht trägt, wird automatisch beäugt. ‚Das ist keiner von uns!‘“

Vom Geiste dieser Gleichsetzung der gegenwärtigen Corona-Politik mit der NS-Vernichtungspolitik beseelt, trafen sich im baden-württembergischen Freiburg die Hygiene-Demonstranten am 25. April 2020 zu einem Protest unter dem Motto: „Staat regiert per Notrecht ohne Kontrolle des Parlaments“. Der Südwestrundfunk berichtete dazu:

[Es] protestierten über 100 Menschen auf dem Rathausplatz für den Erhalt der deutschen Grundrechte. Nach Ansicht der Veranstalter (Freunde der Freiheit) regieren in Deutschland ‚Horror-Virologen‘ und ‚Pharma-Lobbyisten‘“

„Wir sind die neuen Juden!“

Die „Corona Solidarität Freiburg“, einer der vielen Freiburger Vereine und Initiativen, die ehrenamtliche Hilfe in der Nachbarschaft anbieten – wie es die Stadt Freiburg selbst auf ihrer Homepage beschreibt – liefert in einem detaillierten Bericht über diese Demonstration weitergehende Informationen, die aufzeigen, wie die Freiburger Hygiene-Demonstranten ihren Wiener Brüdern im Geiste in deren Holocaust-Verharmlosung nacheifern.

Die Initiative berichtet zunächst davon, dass sich bei der „Nicht-ohne-uns“-Demo „Impfgegner“, „Corona-Leugner“ [gemeint sind wohl Menschen, die anzweifeln, dass es das Coronavirus überhaupt gibt], „meditierende Esoteriker“, sich „als links bezeichnende Verschwörungstheoretiker“ und auch „Rechtsextreme“ versammelten. „Insgesamt bot sich eine breit aufgestellte Querfront“, fasst die Initiative zusammen. So weit, so vertraut aus Berlin.

Die Redner dieser Demonstration verbreiteten in ihren Beiträgen dann wiederholt „NS- und Holocaust-Relativierungen“. Einer der Redner ging so weit, zu sagen: „Wir sind die neuen Juden“. Doch damit nicht genug. „Vereinzelt trugen Teilnehmer*innen einen ‚Gelben Stern‘ mit der Aufschrift ‚Impfgegner‘“, so die Initiative weiter. Die Protestierenden übernahmen also die Zwangskennzeichnung der Nazis für Juden und ersetzten das Wort „Jude“ durch „Impfgegner“! Die „Corona Solidarität Freiburg“ berichtet über die Reaktionen der Zuhörer:

Die Gleichsetzungen der Lockdown-Maßnahmen mit der Verfolgung von Jüdinnen und Juden in der Zeit des Dritten Reichs wurden durch frenetischen Applaus quittiert und mit Pegida-Parolen wie ‚Wir sind das Volk‘ oder ‚Widerstand‘ begleitet.“

„Corona ist kein Inside-Job. Gegen jeden Antisemitismus“

Jedoch blieb diese unverhohlene Relativierung des Holocaust nicht ohne Widerspruch. Eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten, so berichtet es die Initiative, postierte sich in Sichtweite zur „Nicht-ohne-uns“-Demo und hielt ein Transparent mit der Aufschrift „Corona ist kein Inside-Job. Gegen jeden Antisemitismus“ (zu finden hier) hoch. Bezeichnend die Reaktion der Querfront-Demonstranten:

Einige Teilnehmer*innen der Querfront-Veranstaltung reagierten äußerst aggressiv auf den Gegenprotest. Sie diffamierten die Gegner*innen als ‚Faschisten‘ und beschimpften sie aufgrund ihres Alters oder ihres vermeintlichen sozialen Status.“

Der Pressesprecher der „Corona Solidarität Freiburg“ resümierte daher im Anschluss auch, dass es „ganz schlimm“ sei, „was sich da zusammentut“. Es sei eine „krude Mischung, die sich auf dem Rathausplatz darbot, mit Teilnehmer*innen aus allen bürgerlichen Alters- und Bevölkerungsgruppen“, die „durch ihre bundesweite Vernetzung eine neue Querfront mit Bedrohungspotenzial“ darstelle:

Angst kann Hass schüren und wenn in den Hetzreden von ‚Wehret den Anfängen‘ schwadroniert wird, klingt das in meinen Ohren nach einer Drohung. Ich finde es wichtig, dem stets mit fundierter Kritik zu begegnen, auch wenn wahrscheinlich einige dafür leider nicht mehr empfänglich sind.“

Demo am 2. Mai 2020 mit Auschwitz-Verharmlosung „Impfen macht frei“

Wer nun davon ausging, dass die Freiburger „Freunde der Freiheit“ aus diesen Holocaust-Relativierungen die entsprechenden Lehren für folgenden Proteste gezogen hätten, sieht sich seit dem 02. Mai 2020 eines Besseren belehrt. Wieder trafen sich hier die Freiburger Hygiene-Demonstranten zu einer Mahnwache für den „Erhalt der deutschen Grundrechte und unserer Freiheit“, wie es die Badische Zeitung berichtet.

Und wieder kam es zu Verharmlosungen der Shoa und des NS-Terrorregimes. So verglichen Redner die Corona-Maßnahmen im Hinblick auf die Einschränkungen der Grundrechte „mit Geschehnissen im Jahr 1933 “, sprachen von „Wahrheitsmedien“ und bezeichneten die Freiburger Antifa als die „neue SA“. Ein Redner forderte, dass sie „den Druck hochhalten [müssten] gegen diese Faschisten“.

Doch den widerlichsten Ausfall leistete sich ein Teilnehmer der Demonstration, der ein überdimensioniertes Schild mit dem Spruch „Impfen macht frei“ hochhielt, welches in Darstellung und Schrift dem Eingangstor des Konzentrationslagers Auschwitz nachempfunden war, das bekanntlich wie andere nationalsozialistische Konzentrationslager die Toraufschrift „Arbeit macht frei“ trug (ein Bild dazu findet man hier). Die Badische Zeitung schreibt dazu weiter:

Bei der Demo auf dem Rathausplatz hatte ein Demoteilnehmer einen Schild dabei mit der Aufschrift ‚Impfen macht frei‘ – grafisch der Aufschrift nachempfunden, wie sie einst am Eingangstor des Konzentrationslagers Auschwitz zu sehen war. Altstadtrat Simon Waldenspuhl hat gegen den Besitzer des Plakats an Ort und Stelle Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Beim zweiten Vorsprechen habe die Polizei die Anzeige dann auch aufgenommen.“

„Impfen macht frei“: Eine zynische Verharmlosung der NS-Todesmaschinerie, deren „Arbeit macht frei“ eine menschenverachtende Chiffre für „Vernichtung durch Arbeit“ war. So dass man vermuten darf, der Träger des Schildes meinte, heute gölte für ihn „Vernichtung durch Impfen“!?

Fazit

Halten wir fest: Freiburger Hygiene-Demonstranten schrecken vor keiner Relativierung des industriellen Judenmords zurück. Sie bezeichnen sich als „die neuen Juden“, tragen Judensterne mit der Aufschrift „Impfgegner“ und behaupten, dass man sie als „neue Juden“ durch das Impfen vernichten wolle, wie es das Schild „Impfen macht frei“ offenlegt.