(David Berger) David Leukert gilt als jener Prominente unter den deutschen Kabarettisten, der es schafft zugleich intellektuell anspruchsvoll – und unterhaltsam sowie witzig zu sein. Seit 1994 tourt er über die Bühnen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Radio und Fernsehen und hat einige Kleinkunstpreise eingesammelt. Ich habe mit ihm gesprochen.

David Berger: Herr Leukert, wenn man sich so im deutschen TV bei den „Comedians“ umschaut, gewinnt man den Eindruck: Viel eingespielte Lacher, aber Lustiges oder gar Anspruchsvolles kann man suchen wie die Nadel im Heuhaufen. Funktioniert ihr anspruchsvoller Ansatz überhaupt noch?

David Leukert: Das tut er, gerade weil die meisten Kollegen im Fernsehen so innovativ sind und etwas kulturgeschichtlich Außergewöhnliches praktizieren, nämlich linientreues Kabarett. Das Publikum weiß meinen Ansatz um so mehr zu schätzen. Ich fülle ja eine Marktlücke, wenn ich etwa erzähle, dass der Satz „Wir schaffen das!“ gar nicht von Merkel stammt, sondern vom Kapitän der Costa Concordia.

Ihre Kritik richtet sich also hauptsächlich gegen die Bundespolitik?

Schon, wobei ich das Netzwerk der Bessermenschen in Medien, Universitäten, Kirchen und Gerichten mit einbeziehe. Natürlich ist auch der Personenkult spottwürdig, der um Kaiser Höcke auf dem Kyffhäuser gemacht wird.

Grundsätzlich richtet sich Satire gegen das Establishment, und seine Vertreter ticken nun mal globalistisch-sozialistisch. Sollte sich das ändern, würde sich meine Stoßrichtung ändern.
 
Sie haben früher eher über private Dinge gesprochen. Sie sind politischer geworden, wie kam es dazu?

Das stimmt. Ich denke, die schleichende Umwandlung der Bundesrepublik in eine Art bunte DDR hat mich dazu bewogen. Diese gruselige Entwicklung mit Blockparteien, Gesinnungsdruck, „legitimen Ansichten“ und seit Kurzem auch fingierten Wahlen. Ich habe die DDR ja noch kennengelernt. In der Sächsischen Zeitung stand immer dasselbe wie im ND. Heute fällt es wieder schwer, Unterschiede in den Reportagen bei SZ, FAZ und TAZ zu erkennen.

Vor ein paar Jahren gab es eine kritische Presse, vier Stühle und fünf Meinungen, politisches Kabarett schien mir nicht zwingend geboten. Gerade die Ostdeutschen erleben momentan ein deja vu. Und sie sind in der Lage, die Phrasen und die krummen Touren zu erkennen.

Die meisten Westdeutschen dagegen nehmen die Propaganda gar nicht wahr, wie mir in Gesprächen immer wieder deutlich wird und glauben immer noch, die Tagesthemen hätten etwas mit objektiven Nachrichten zu tun. Dabei müsste einem ja schon ein Licht aufgehen, spätestens wenn die Kanzlerin bei Anne Will so eine gewichtige Aussage trifft wie: „Strafdelikte sind bei uns nicht erlaubt“.

Sie sind aber in West-Berlin groß geworden und haben die DDR nicht unmittelbar erlebt, oder? 

Korrekt. Doch ich hatte Verwandte in der DDR, wir waren oft „drüben“, und die insuläre Lage West-Berlins hat mein Bewusstsein für Demokratie und Diktatur zusätzlich geschärft. Ich bin vielleicht etwas hellhöriger als andere, die etwa im Saarland leben und nur die Gefahr von rechts kennen.

Ich weiß, das Übel kommt immer von zwei Seiten. Ich meine das sowohl spirituell als auch historisch. Mein Urgroßvater war Polizist in der Weimarer Republik. Er erzählte, SA und Rotfront hätten sich in ihrer feigen Brutalität gegenüber Wehrlosen nichts genommen. Diese Erfahrung lebt in meiner Familie und hat mich geprägt.

Gibt es in ihren Augen zur Zeit überhaupt eine Gefahr von rechts?

Die ist immer gegeben. Ich bin vor Jahren mal von Neonazis überfallen worden, nicht angenehm. Insgesamt erscheint mir die Lage aber unübersichtlich. Ich wehre mich gegen einseitige Zuschreibungen, gegen diese ersatzreligiöse Tendenz, die Welt in links-gut und rechts-böse einzuteilen. Denn die „Bösen“ waren zu allen Zeiten der festen Überzeugung, das Richtige und Notwendige zu tun, trugen das jeweils angesagte Kostüm ihrer Epoche, viele sind darauf reingefallen.

Doch wie Matthäus sagt „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“. Es ist schon süß, wenn sich Halbstarke faschistischer Methoden bedienen, während sie vorgeben den Faschismus zu bekämpfen wie die Antifa, der bewaffnete Arm von ZEIT-Online. Ich will das Thema DDR 2.0 nicht breit treten, aber auch das ist typisch für den Bolschewismus und seine Derivate. Er immunisiert sich mit dem Kampf gegen den vermeintlichen Klassenfeind, rechtfertigt so die eigenen Schandtaten. Die Mauer hieß natürlich nicht Todesstreifen, sondern „Antifaschistischer Schutzwall“. Wer die Faschos sind, entscheidet dabei die Nomenklatura.

Heute fällt ja schon jeder einigermaßen freie Geist in diese Kategorie. Zwei ZEIT-Autoren haben kürzlich definiert, was typisch rechtsextrem sein soll, wenn sich zum Beispiel jemand auf die deutsche Kultur beruft und Schiller, Kleist oder Mendelssohn-Bartholdy erwähnt. Demnächst klingelt dann der Staatsschutz an der Tür, weil du im Volkswagen über die Kantstraße gefahren bist.

 Würden Sie sich denn als Patriot bezeichnen?

Zunächst steht für mich die Individualität des Menschen über allem anderen. Ich bin Patriot, was Kultur und Sprache betrifft.

Nationalismus stellt in meinen Augen eine Übertreibung dar, die Linke allerdings gerne zum Maßstab ihrer Verurteilung machen – putzig, als hätte der Sozialismus nie etwas mit Nationalismus tun gehabt. Der Stalinismus zum Beispiel vereinte ja das Schlimmste aus beiden Welten. Der 2. Weltkrieg bekam in der SU nicht den Titel „kommunistischer Befreiungskampf“ oder so was, sondern bezeichnender Weise „Großer Vaterländischer Krieg“. Aber das passt natürlich nicht ins Bild. Ich finde Nationalbewußtsein ein ganz gutes Wort. Historisch gesehen ging Rechtsstaat und Demokratie immer Nationalbewußtsein voraus. Ein Robert Habeck entlarvt seine totalitäre Gesinnung, wenn er behauptet „ein Volk gibt es nicht“. Kann kein Demokrat sein. Wie soll Volksherrschaft ohne Volk funktionieren?

Und es gibt noch einen anderen Gesichtspunkt, der in meinen Augen immer zu kurz kommt. Der Dichter Herder hat mal gesagt „Nationen sind göttliche Ideen“. Theodor Mommsen schrieb Ähnliches über Staaten. Hinter der Absicht der Globalisten Nationen zu planieren, stecken demnach auch Hybris und Blasphemie. An dieser Stelle muss ich mal sagen, dass ich Ihre Arbeit mit Philosophia Perennis sehr verdienstvoll finde, religiöse Aspekte kommen in den meisten anderen Publikationen immer zu kurz.

Sie selbst sparen nicht mit solch „blasphemischen“ Dingen wie Kritik an Merkel oder an der Beobachtung, dass sich die Kirchen derzeit in peinlicher Weise an den Refugee-Welcome-Zeitgeist ran werfen. Haben Sie deshalb schon Probleme bekommen?

Ja, ich habe mich mal öffentlich-rechtlich versündigt und auf die DDR-Vergangenheit der Gottkanzlerin hingewiesen, daraufhin wurden weitere Auftritte in der Sendung gestrichen. Der Intendant persönlich hatte sich eingeschaltet und mich dem Strafgericht medialer Nichtbeachtung überantwortet. Egal, Sender war unbedeutend. Allerdings habe ich auch schon Redakteure erlebt, die Größe zeigten, mir zu verstehen gaben, dass sie meine Ansichten nicht teilen, meinen Beitrag aber trotzdem ohne Schnitte sendeten. Das ist mir sogar lieber, als wenn man sagt, alles chic, alles super. Ich finde, man muss nicht einer Meinung sein, um sich zu verstehen.

Das Thema Migration ist ganz einfach zu handhaben. Ich würde so ein all inclusive Angebot auch annehmen, wie es die Bundesregierung offeriert. Ich kritisiere deshalb nicht die Migration, sondern diese Einwanderungspolitik des laissez faire. Natürlich kommt nicht die Creme de la Creme. Ich möchte mich da auch nicht auf eine ethnische Diskussion einlassen.

Es muss doch klar sein, was passiert, wenn ich meine Haustür offen lasse. Da sitzen sicher nicht Tom Brady und Giselle Bündchen auf dem Sofa. Wegen dieser „disruptiven“ Politik, um ein Merkel-Wort zu zitieren, haben wir momentan die Situation: Marodierende Banden, Schwimmbäder als Schlachtfeld, Frauen als Freiwild. Und der Bürgermeister von Dinkelsfelden erkennt die brisante Lage, schreitet sofort zur Tat und ruft den Klimanotstand aus.

So ganz haben sie die privaten Themen aber offenbar nicht aufgegeben, ihr Kabarett-Solo heißt immerhin „Schau Liebling, der Mond nimmt auch zu!“

Nein, die Übergänge sind ja fließend. Nehmen wir das Verhältnis von Jugendlichen zu Erwachsenen. Früher gab es da eine klare Hierarchie. Heute sind Eltern und Kinder bestenfalls Freunde. Mein sechsjähriges Patenkind hat ihrer Mutter jetzt das Du angeboten. Inzwischen lassen sich Erwachsene in ihrem Handeln von diesen gehirngewaschenen Klima-Komsomolzen dirigieren.

„Toll, dass sich die Kinder jetzt wieder politisch engagieren!“ höre ich immer. Aber doch im Sinne der Regierung, sie bekommen ja Zuspruch und Zuschüsse von ganz oben! Wenn FFF eine Jugendbewegung sein soll, dann war die FDJ auch eine.

 An und für sich ist es ja keine schlechte Sache für Klimaschutz zu demonstrieren..

Da sage ich mal ketzerisch: doch. Denn Klimaschutz widerstrebt dem Naturschutz. Einen toten Bussard unterm Windrad habe ich selber gesehen. Dagegen steht die Sache mit dem CO2 auf wackligen Beinen. Ich weiß, dass man als sogenannter Klimaskeptiker irgendwo zwischen Reichsbürger und Flatearther eingeordnet wird und finde das auch sehr amüsant. Doch bei genauerer Betrachtung sind die tatsächlichen Verschwörungstheoretiker die Kohlendioxid-Jünger. Was ist das denn für eine Beweisführung? „97 Prozent aller Forscher sind sich einig..“ Abgesehen davon, dass das so nicht stimmt, muss man sagen: Ja, bis ins 17. Jahrhundert rein war sich die Mehrheit der Wissenschaftler einig, dass die Sonne um die Erde kreist.

Ich bin nicht in die Fußstapfen meines Vaters getreten, der ein international anerkannter Naturwissenschaftler war, habe aber einigermaßen begriffen, was Wissenschaft bedeutet: Unvoreingenommenheit und Staunen gegenüber den Phänomenen. Beobachten, messen und bestimmen spielen ebenfalls eine Rolle. Ich las kürzlich eine Studie des Bio-Physikers W. Jackson-Davis, der das Verhältnis von Warmphasen und Kohlendioxid über eine Periode 400 Millionen Jahre untersucht hat. Das ist relevant, 400 Millionen Jahre sind nicht wenig. Kassenpatienten wie ich haben ein Gefühl für so lange Zeiträume. Anhand von stabilen Isotopen und über 500 Messungen konnte er zu seinem Erstaunen feststellen, dass Warmphasen immer mit niedrigen CO2-Werten einher gingen und umgekehrt, wobei er keine Kausalität festgestellt hat. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das in der Gegenwart plötzlich ändert?

Nennen Sie mich altmodisch, aber ich vertraue der Spektralanalyse doch mehr als Annalena „Wir brauchen die Hochspannungsleitungen um Strom zu speichern“ Baerbock. Außerdem vertraue ich meinen Augen und meiner eigenen Recherche inzwischen auch mehr als den üblichen Verlautbarungen. Ich war vor zwei Jahren in Grönland. Es gab dort im frühen Mittelalter eine Warmphase, sie betrieben im Süden des Landes Ackerbau. Eisbären haben diese Periode übrigens locker überstanden. Jetzt sind 80% des Landes mit Eis bedeckt. Ich sah einen Gletscher bei Ilulissat, bis 2006 ging der zurück, dann stagnierte er, seit Kurzem nimmt er wieder zu. Von einer rapiden Erwärmung kann nicht die Rede sein und ich weiß nicht, ob Panik in Sachen Klima eine angemessene Reaktion ist. Auf Grund meiner Erfahrung neige ich eher zu Gelassenheit, weil ich auch schon einige Katastrophen und Weltuntergänge überlebt habe wie das Waldsterben, Autos ohne Katalysator und Milli Vanilli.

Noch eine persönliche Frage: Wie sieht Ihr Privatleben aus? Ich habe gelesen, dass Sie einen Sohn haben? Leben Sie wirtschaftlich von Ihrer Künstlertätigkeit und sind daher auch ein Stück weit von den Wächtern über die politische Korrektheit abhängig?

Ja, ich zelebriere auf der Bühne meine erzieherischen Versuche und meine sozialen Unzulänglichkeiten. Es ist nicht abstrakt, wenn ich über Kinder oder Männer und Frauen spreche, sondern aus dem Leben gegriffen, wie man so schön sagt. Zu meinen Vermögensverhältnissen – es geht mir sehr gut.

Ich bin allerdings nicht so geschäftstüchtig, dass ich mir den Mund verbieten lasse, damit ich dann bei „Clowns für Toleranz und Vielfalt“ mitmachen darf. Niemand muss mit den Wölfen heulen, es gibt in meinen Augen keine Entschuldigung für Opportunismus.

David Leukert ist Autor und Kabarettist- Er hat am 10. August 2019 Berlin -Premiere bei den Wühlmäusen am Theo mit dem Programm „Schau Liebling, der Mond nimmt auch zu! Vol.2″

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