Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was getan wurde, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne (Prediger 1,9)

Eine Zeitungsmeldung

„Waldorfschule lehnt Kind ab, weil sein Vater in der AfD ist“, titelt die SZ im Netz am 17. Dezember dieses ausgehenden Jahres. Der staunende Leser erfährt: Die Mitgliedschaft des Kindesvaters in einer demokratisch gewählten und sich zu den Prinzipien der Demokratie bekennenden Partei führt dazu, dass eine Schule sich zu einem Schritt entschließt, der im offenen Widerspruch zu ihrem Leitbild steht. Laut dem geistigen Vater der Waldorfschule, Rudolf Steiner, ist das es das Ziel der Schule „Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen.“ (Quelle)

Schöne Gedanken im Härtetest

Fürwahr – sehr schöne Gedanken! Freilich scheint bei der folgenreichen Entscheidung der besagten Schule ein Nachdenken über das eigene Selbstverständnis entweder völlig gefehlt zu haben, oder es war zufällig deaktiviert.

Ehrfurcht vor dem Kind? Heißt dies nicht auch, vor dessen Vater, Mutter und deren Werte-Ordnung und Werte – Erziehung sowie deren Weltanschauung  Ehrfurcht zu zeigen und in Respekt vor all dem zu erziehen? Wie soll das Kind, wenn es von dem Vorgang erfährt, keine Störung im Vertrauensverhältnis zu seinem Vater erleiden? Mit welcher Rechtfertigung kann es in Kauf genommen werden, durch die Weigerung, das Kind aufzunehmen, dessen Familie zu diskriminieren?

Die politische Heuchelei hinter dem Fassaden— Humanismus der Schule stinkt zum Himmel. Auch wenn dahinter im Grunde nichts Neues zum Vorschein kommt. Ein Blick zurück genügt.

„Erinnerungen eines Davongekommenen“

Ralph Giordano, (*1923 †2014), Halbjude, Journalist, Regisseur, Schriftsteller, erzählt in seiner Autobiographie gleichen Titels, wie er 1935 als Kind erfahren musste, dass Anderssein zu Ausschluss, Diskriminierung und Demütigung führt.

Eines Tages macht er sich auf den Weg, um seine Schulkameraden zum Spielen zu treffen. Er hat ihnen aus Goodwill seinen „ Blockwagen“ überlassen, mit dem sie ihm entgegenkommen. Ihre Blicke verraten jedoch eine das Kind irritierende  Veränderung.

Giordano:“ Ich sehe in drei Gesichter, die mich anders anschauen als bisher. Da ist irgend etwas, irgend etwas Neues drin. Dann bleibt mein bester Freund kurz vor mir stehen und sagte:“ Ralle, mit dir spielen wir nicht mehr, du bist Jude!“

Wie hat er dies aufgenommen?

„Es war eine Hinrichtung. Die Welt blieb einfach stehen, mit einem Ruck, der mich ins Nichts schleuderte.“

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Wie war das nochmal im Konzept der Waldorfschule? „ Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen.“ (Quelle) Da bleibt noch eine Menge Erkenntnis bei den dort tätigen Pädagogen zu leisten.