Sie gehen einfach an die Sonne, wenn’s regnet… Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Unsere Kultur der Infantilisierung der Heranwachsenden ist erschreckend blind für Notwendigkeiten. In einem gesellschaftlichen Klima, das sich vorrangig um Sensibilisierung für das Ich und dessen hedonistische Selbstverwirklichung  kümmert, kann der Einsatz für den zukünftigen Bestand eines stets zu erarbeitenden Wohlstands mit Härte und Verzicht nicht mehr vermittelt werden.

Es ist ein  niedlicher Anblick, wenn die Kleinen mit ersten Schritten  vor den stolzen Elternaugen umhertapsen, ohne gleich umzufallen. Sie greifen dies und das und lassen es ohne sichtbaren Grund wieder fallen. Begehrtes verliert sichtlich grundlos, plötzlich, an Attraktivität, nächstliegend Neuem gilt jetzt das ganze, ausschließliche Interesse. Der „Toddler“, wie ihn die Engländer liebevoll nennen, beginnt so seine Eroberung der Welt.

Infantilisierung bis ins Erwachsenenalter

Dieses infantile Verhaltensmuster bei der Begegnung mit Wirklichkeit endet im Normalfall schon vor der Einschulung. Dass er sich in Teilen der nachwachsenden Generation heute  bis ins Erwachsenenalter erstreckt, verheißt nichts Gutes. Der Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen, dass dafür eine realitätsferne Pädgogik, blühend in den Köpfen junger Gutmensch-Eltern, verantwortlich ist. „Die Kinder sollen eine schöne Kindheit haben, so lange wie möglich. Der Ernst des Lebens kommt früh genug.“ Die langsam sich steigernde Einübung von Pflicht und Verzicht, schon sanft beginnend im frühen Alter, hält man in diesen Kreisen nicht für lebensnotwendig, sondern für einen Mangel an Verständnis für die Seele des Kindes.

Der Bayerische Rundfunk, trotz vieler heimat-tümelnder Sendungen, konservativen Werten scheinbar zugetan, linkem Denken aber zunehmend verfallen, hat ein „cooles“ Format, wo ausgewachsene „Toddler“ ihre, nicht weiter entwickelte Kindergarten-Weltsicht, völlig frei von lästigem Nachfragen,  präsentieren können. Man sieht offenbar im Top-Management des Senders das zunehmende Ausklinken junger Menschen von der öffentlich-rechtlichen (Radio-) Szene als Herausforderung, der man mit Zeitgeistigem begegnen will, um zu retten, was noch zu retten ist.

„Solange es aber die Liebe gibt, ist alles ok“

BANKGEHEIMNIS nennt es sich das „coole“ Format. Youngsters werden auf einer Bank in einem Park befragt, was sie zu diesem und jenem denken, besser gesagt, meinen oder fühlen.  Letzten  Samstag, 7.Juno 2018, ging’s um vier 18-Jährige , die ihren Traum von Zukunft so formulierten:

„ …dass nicht immer nur Geld die Welt regiert und Konsum das Leben bestimmt. Solange es aber die Liebe gibt, ist alles ok.“

Lassen wir doch die Hoffnungsträger zukünftigen Wohlstands in Deutschland noch weiter zu Wort kommen. Die Fragen (F) und Antworten (A) machen Laune. (Die Antworten wurden auf den Kern der Aussage hin gekürzt, aber nicht sinnentstellend).

Frage: Habt ihr Angst um die Welt?

Antwort: Absolut. Volle Kanne. Auf der einen Seite sehe ich viele gute Bewegungen, z.B. dass linksradikales Gedankengut wieder salonfähig wird. Und es ist leider so, dass viele Menschen sagen, hey, hoppla, die Überproduktion, und der Konsum, und unsere kapitalistische Gesellschaft, bringt’s das? Haben wir den Karren schon an die Wand gefahren? Man fängt irgendwann an zu denken,  zu hinterfragen. Warum geht’s mir gut und so vielen Menschen auf der Welt nicht gut?

F: Wie baut ihr das in den Alltag ein? Studiert ihr?

A: Ich mach ’ne Ausbildung zur Krankenschwester. Mir fällts wahnsinnig schwer, in diesem System zu arbeiten, weil ich sozusagen als Marionette funktionier’. Mein Ziel ist es, ins Ausland zu gehen. Deshalb zwing’ ich mich in dieses System, in das ich überhaupt nicht reinpass’ und in dem ich mich auch nicht wohlfühlen kann und das auch nicht meinen Werten entspricht.

F: Womit willst du mal dein Geld verdienen?

A: Also, Zukunft ist eher schwammig immer so, aber ursprünglich hab ich ’ne Ausbildung als Sozialpfleger und Betreuer, und jetzt bin ich im Puppentheater und spiel’ Marionetten so. Ich weiß nicht, was ich in 10 Jahren machen werde so. Ich sammle halt Lebenserfahrung, und die ist cool.

F:  Was ist euer Bank-Geheimnis?

A:  Nicht so viel denken. Und mehr machen und mehr fühlen. Das Geheimnis ist: Alles ist Liebe. Und solange Liebe da ist, ist alles ok. Wenn’s einem schlecht geht und man von dem ganzen Trubel am Sack ist, dann einfach in die Sonne rausgehen. Wenn’s regnet, dann hofft man einfach bisschen auf die Sonne so.

Beim Bundesfinanzministerium und der Deutschen Rentenversicherung findet man eine Definition „Generationenvertrag“. Sie zeigt, inwiefern wir uns darauf verlassen können, dass auch in Zukunft unser Wohlstand von denen gesichert wird, die wir in hart erarbeitetem Wohlstand so aufwachsen und reifen ließen.

„Mit Generationenvertrag wird der unausgesprochene „Vertrag“ zwischen der beitragszahlenden und der rentenbeziehenden Generation bezeichnet. Die arbeitende und somit zahlende Generation erwartet ihrerseits, dass auch ihre Rente durch die Beitragszahlungen der nachfolgenden Generation gedeckt ist.“ (Wikipedia)

 

Wenn man die jungen Leute über ihre Biografie und ihre Pläne zur Gestaltung der Zukunftspläne reden hört, klingt das doch beruhigend, oder?

Auf eines werden wir uns nämlich verlassen können, selbst wenn wir nicht genügend Zuversicht haben: Der Strom wird auch in Zukunft immer aus der Steckdose kommen.