(David Berger) Jeldos ist ein junger Mann, der sehr früh nach Deutschland kam, aber dem man seinen Migrationshintergrund ansieht. Und der aus seiner Homosexualität kein Geheimnis macht. Vor einigen Jahren ist er vom Bodensee nach Berlin gezogen, um hier eine Ausbildung zu machen. Mit dem beginnenden Schuljahr besucht er eine neue Berliner Schule. Gestern berichtete er auf Facebook, was er dort erlebt:

„Ich bin nun seit 3 Wochen immer wieder die Woche auf einer Kosmetik-Schule. Dort werden allerdings auch andere Klassen unterrichtet …ich vermute Deutschnachhilfe Kurse etc.

Wie auch immer, heute wurden ich und ein Klassenkamerad brutal angefeindet! Von Albanern / ob es relevant ist, dies zu erwähnen entscheidet selbst.

Es passierte auf dem gemeinsamen Schulhof und es wurden Sachen gerufen wie

„Solche Schwuchteln sollte man abstechen “ oder: „Wie ekelhaft diese Menschen sind !“

Ich war geschockt, dass so etwas tatsächlich noch mit so einem Hass ausgeübt wird und teilte dies unserer Schulleiterin mit, die direkt das Gespräch zu den vier jungen Männern suchte.

Während dessen lief ich zur Klasse zurück und begegnete auf dem Flur zwei stämmigen Männern, ebenfalls Albanern. Aber dieses Mal waren zwei Mädels dabei. Beim Vorbeilaufen rief eine vor sich her: „Was für ein Gay Pullover „. Und ich sprach sie direkt darauf an was dies sollte.
Sie antworte nur: “ Na dann kleide dich doch eben anders du Schwuchtel“ und die beiden liefen weiter.

Nach der Schule dann verfolgten uns vier Männer, beleidigten uns weiterhin und riefen:

„Los, lauft lieber schneller “

Wir suchten Schutz in einem Café. Warum ich euch das mitteile ? (…)
Ich bin wirklich schockiert und weiß auch noch nicht wie ich weiter agieren soll.“

Soweit Jeldos. Zu dem Post muss man bezüglich Albanien wissen: Zu den Religionen in Albanien mit den meisten Anhängern zählt – laut Wikipedia – der Islam.

Sein Post am gestrigen Abend wirkte geradezu tabubrechend. Zahlreiche junge Schüler schilderten daraufhin ihre Erfahrungen an Berliner Schulen. So etwa:

„Hey Jeldos. Ich wurde in der Schule angefeindet (Berlin Kreuzberg) weil ich Gothic/Hippie Klamotten trug, die Lehrer freundlich und mit Respekt behandelte und zudem weil ich deutsch war! Rassismus also mal andersrum. Als ich eines Tages einen Dutt trug (Ich hatte damals sehr lange,dichte Haare), hielt einer der jüngeren (5. Klasse oder so) namens „Ali“ ein entzündliches Spray auf mich, während er ein Feuerzug darunter hielt und mich somit anzündete. Meine Haare waren grösstenteils im Eimer…was ich tat? Ich schnitt mir einen Backhead – Iro, setzte die Schulleitung in Kenntnis und das war es auch schon.“

Und ein anderer junger Facebook-freund von Jeldos schreibt:

„Kommt davon wenn man für Multikulti ist und alles ins Land lässt. Wer noch nicht kapiert hat, dass Araber usw. meistens gegen Homos sind und dann linke Parteien unterstützt, der ist selbst schuld.“

Und ein anderer Freund von Jeldos schreibt, was inzwischen als Allgemeinplatz unter Homosexuellen mit Gewalterfahrungen durch Homo-Hasser mit Migrationshintergrund gilt:

Du kannst eine Anzeige machen, wird aber nicht viel helfen da solche Personengruppen tun und lassen können, was sie wollen hier in Deutschland … Es gibt eine Alternative an diesem Sonntag!

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Jeldos steht mir persönlich sehr nahe, ich habe ihn von Anfang seiner Berliner Zeit an journalistisch und in einer Art Vaterrolle begleitet. Auch deshalb geht mir dieser Vorfall, der nicht der erste in Jeldos‘  Leben ist, sehr nahe.

Ich denke dann auch immer an meine Jugendzeit: Es ist mehr als 25 Jahre her, dass ich in einem kleinen Ort in Bayern bemerkte, dass ich schwul bin. Ich besuchte in jener Zeit eine Klosterschule des Benediktinerordens.

Und wisst ihr was: Ich hatte dort keinerlei Probleme mich zu outen, kein böses Wort von Mitschülern, kein Protest der uns unterrichtenden Priester.

Vielleicht verstehen jetzt einige besser, warum ich vor einigen Tagen dieses Motto-Bild gepostet habe:

 

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