(Ifis) Damit hatten die Medienmächtigen wohl nicht gerechnet. Die Zensur einer Antisemitismus-Dokumentation durch ARTE schlägt hohe Wellen. Der offene Brief des Zentralratsvorsitzenden der Juden, Josef Schuster, in dem dieser sich über die Nichtausstrahlung der Dokumentation beschwert, blieb noch weitgehend ohne besonderes Medienecho.

Aber man hatte die Rechnung ohne „Bild“ gemacht. Das Flaggschiff des Springerverlags sprang ein und machte den Film für 24 Stunden über das Internet zugänglich. Wer die Dokumentation sah, begriff sofort, WARUM sie zensiert wurde.

Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, wurde nicht nur der „klassische“ rechtsextreme Antisemitismus zu Thema gemacht. In einem großen, inhaltlich sinnvollen Bogen wurde auch dem linken und dem islamischen Antisemitismus der nötige, breite Raum gewidmet.

Das war für die öffentlich-rechtlichen Medien wohl zu viel. Dass in der Dokumentation die direkte und indirekte Finanzierung von antisemitischen Organisationen durch die EU oder Mitgliedsländer, wie Deutschland, ins Fadenkreuz gerückt wurde, war wohl so auch nicht vom Auftraggeber gewollt.

Was ARTE wollte, wird jedoch deutlich, wenn man die Antwort des ARTE-Programmdirektors auf die Vorwürfe Josef Schusters liest.

image333924810Die Gründe für die Entscheidung seien „ehrenwert und gut“, schreibt Alain Le Diberder (Bild links). Sagt uns aber nicht, welche Gründe es denn seien. Und dass der WDR die Einschätzung teilen würde, beruhigt wohl auch nur Bürger, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Hort ausgewogener Meinungen ansehen.

Man sei „betroffen von den Vorwürfen“. Die Betroffenheit geht natürlich nicht so weit, dass man den Film doch ausstrahlen würde. Sie reicht nur so weit, dass man die Reaktionen der Öffentlichkeit nicht gut findet, sie als „verächtlich machend“ abkanzelt. Berechtigte Kritik an der ARTE Zensur wird so schnell als Hatespeech abgewertet.

Dabei geht der wahre Grund für die Zensur fast unter. Der Film entsprach nicht dem „genehmigten Projekt“, teilt Programmdirektor Le Diberder mit. Er geht sogar so weit zuzugeben, dass man bis kurz vor der Lieferung des Films an einen anderen Inhalt geglaubt habe. ARTE hatte also inhaltlich und tendenziell gebunden beauftragt. Was also hatte ARTE inhaltlich beauftragt?

Die Dokumentation enthielt, wie wir jetzt wissen, keine falschen Darstellungen. Das lässt nur den Schluss zu, dass ARTE die sich aus den gezeigten Fakten ergebenden Konsequenzen nicht genehm waren. Dass womöglich nicht die „richtige“ Art von Antisemitismus auf der Anklagebank saß.

Da es nie ein Problem ist, rechten Antisemitismus anzuprangern, ist es folglich nicht schwer, sich auszurechnen, was ARTE nicht senden wollte.

Das Ganze wirft aber unabhängig von der Frage „rechts“ oder „links“ ein vernichtendes Bild auf das journalistische Verständnis von ARTE.

David Berger dazu: Der Sender zeigt ein Gebaren, das Politikern ähnelt, die eine wissenschaftliche Studie in Auftrag geben und schon vor Beginn der Studie den Wissenschaftlern mitteilen, welche Ergebnisse am Ende dieser Studie herauszukommen haben. 

Ein Journalismusverständnis wie wir es bislang nur von totalitären Staaten kannten …

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