(David Berger) Ihr habt recht: alles, was wir bisher über Marcel Heße wissen, lässt einen erschaudern und ungemein wütend werden. Wer liest, wie er kaltblütig handelte, eventuell sogar noch unterwegs und bereit ist, erneut zu töten, den erfasst der Drang, ihn möglichst rasch zu stoppen.

Vor uns erscheint ein monströses Täterbild, wie wir es die meisten von uns nur aus Horrorfilmen kennen. Und auch dort kämpfen wir in unseren Gedanken und vor allem Gefühlen immer auf der Seite derer, die das Monster mit allen erdenklichen Mitteln stoppen, es noch mehr leiden lassen als es andere hat leiden lassen.

Vor diesem Hintergrund sind die Gefühle vieler Menschen, der Abscheu, ihr Hass, ihr Wunsch nach Rache verständlich. Besonders wenn sie eigene Kinder haben, wenn sie wahrhaft väterlich und mütterlich fühlen, wenn sie wissen, wie man noch die letzte Lebensenergie aufwenden würde, um die Schutzbedürftigen zu schützen und zu retten.

In der Antike drückte dies der Mythos vom Pelikan gut aus, der bereit ist, sich auch noch sein eigenes Herz auszuhacken, um seine Kinder vor dem Verhungern zu bewahren.

Was psychologisch verständlich ist, wird aber rational und in seinen letzten Konsequenzen betrachtet zur Katastrophe. Auch wenn Selbstjustiz immer einzelfallbezogen ist, so ist sie doch eine Attacke auf den Rechtsstaat.

Denn der Rechtsstaat ist jenes Modell, das die Gewalt aus der Hand des Einzelnen, von mächtigen Banden, Stämmen oder Familien wegnimmt und in die Hände des Staates legt. Wo der echte Rechtsstaat für Recht und Ordnung sorgt, schützt er zuerst immer die Schwächeren, die Kinder, Alten, Frauen.

Ganz anders eine Gesellschaftsform, in der Selbstjustiz geübt wird: Dort gilt das Recht des Stärkeren und Mächtigeren – der stärkeren Gruppe, des stärkeren Stammes oder der mächtigeren Familie. Die Leidtragenden sind die Schwachen bzw. Schwächeren, die Kleinen, es sind die Jadens, es sind die Kinder, Alten und Schwachen – jene, die wir schon aufgrund unseres menschlichen Instinktes schützen wollen.

Kurzum: Unser Kampf für das Gute, für den Schutz der Schwachen und Kleinen auf der einen Seite und die Forderung oder gar Ausübung von Selbstjustiz sind absolute Gegensätze, verhalten sich wie Wasser und Feuer zueinander.

Gefragt sind aber nicht nur wir, gefragt ist auch unsere Justiz. Die Forderungen nach Selbstjustiz in den sozialen Netzwerken ist in den letzten Tagen zu einem Sturm geworden. Einem Sturm, hinter dem immer wieder ausdrücklich oder indirekt der Eindruck steht, dass die staatliche Justiz versagt habe, dass sie unfähig und unwillig sei, in angemessenem Maß gegen Verbrecher vorzugehen. Wenn dem so sein sollte, gefährdet dieses Handeln der Justiz ebenfalls unseren Rechtsstaat und die Justiz schaufelt sich ihr eigenes Grab.

Es ist also jene Stunde gekommen, in der wir alle mit viel Disziplin unser Gewissen erforschen und wenn nötig das „Mea culpa“ sprechen wollten.

31 Kommentare

  1. […] (David Berger) Als der Fall des entführten und kaltblütig ermordeten Jaden Schlagzeilen machte und der nur einige Jahre ältere Täter, Marcel Heße in ganz Deutschland gesucht wurde, fiel mir eine Reaktion auf, die es in diesem Ausmaß – solange ich mich erinnern kann – so noch nie gegeben hat. Tausende, darunter mir sonst selbst als besonnen bekannte Personen riefen auf einmal zur Selbstjustiz auf. Selbst sadistische Gewaltphantasien waren an der Tagesordnung.Wie aufgeheizt die Stimmung war, bemerkte ich, dass ich bei nur wenigen Lesern auf Verständnis stieß, als ich Besonnenheit und Verzicht auf Selbstjustiz oder Aufrufe dazu anmahnte. […]

  2. […] (David Berger) Als der Fall des entführten und kaltblütig ermordeten Jaden Schlagzeilen machte und der nur einige Jahre ältere Täter, Marcel Heße in ganz Deutschland gesucht wurde, fiel mir eine Reaktion auf, die es in diesem Ausmaß – solange ich mich erinnern kann – so noch nie gegeben hat. Tausende, darunter mir sonst selbst als besonnen bekannte Personen riefen auf einmal zur Selbstjustiz auf. Selbst sadistische Gewaltphantasien waren an der Tagesordnung.Wie aufgeheizt die Stimmung war, bemerkte ich, dass ich bei nur wenigen Lesern auf Verständnis stieß, als ich Besonnenheit und Verzicht auf Selbstjustiz oder Aufrufe dazu anmahnte. […]

  3. Meldung: „In Herne wurde ein 9jähriges Kind umgebracht“. Daraufhin wird knapp drei Tage nach einem Nachbarn gefahndet: mehrere seiner Selfies werden (nicht anonymisiert) veröffentlicht und auch sein voller Name. Die Medien präsentieren: „den Täter“. Der verdächtige 19jährige, ein auf den untypischerweise NICHT verpixelten Bildern erkennbar „nordischer“, blasser Typ, vermutlich Deutscher, wird also ohne den Ansatz eines rechtsstaatlichen Verfahrens vorverurteilt und medial hingerichtet. Völlig undenkbar wäre dies, hätte es sich beim Tatverdächtigen um einen erkennbar Nicht-Zentraleuropäer gehandelt. Allenfalls die zahlreichen Ferndiagnosen durch offenbar besonders medienaffine „Psychologen“, die den Verdächtigen schonmal als schuldunfähig qualifizieren, wären genauso gestellt worden. Deutsche Medien im Jahr 2017. Einfach nur noch jämmerlich.

    • Und du glaubst nicht, dass „nordische Typen“ zu derartigem in der Lage sind? Ich würde dir empfehlen, und sehr ans Herz legen, dir mal ein paar Geschichtsbücher zu Gemüte zu führen. Du wirst erstaunt sein – der größte Terrorist und Mörder aller Zeiten, ob man es mag oder nicht, ist der „nordisch aussehende“ kaukasische Europäer.

  4. Auf jedenfall sind hier die Eltern mit verantwortlich , daß ihr Sohn zum Mörder wurde.Hätte M.Heße einen liebevollen Umgang erlebt wo man auch seine eigenen Probleme mit Akzeptanz und Verständnis in Gesprächen erklärt hätte er sich bestimmt aufgehoben und verstanden gefühlt.Bin selber Mutter von 3 Kindern und Enkeln und ich versuche immer für sie und ihre Probleme dazusein . Selber kenne ich auch zuviele Jugendliche wo das Elternhaus zerrüttet ist manchen davon hilft es schon einfach mal über alles zu reden und verstanden zu werden und in den Arm genommen zu werden damit auch sie verstehen da ist jemand für sie da.

  5. Zitat: „Wo der echte Rechtsstaat für Recht und Ordnung sorgt, schützt er zuerst immer die Schwächeren, die Kinder, Alten, Frauen.“

    Sag mal, was stimmt denn bei Dir nicht??? Der „Rechtsstaat“ schützt Täter und verhöhnt Opfer. Er steckt Millionen in die Versorgung und Therapie und komfortable Unterbringung von Straftätern und lässt Opfer und deren Angehörige links liegen.

    Der Täter hatte die Wahl und er hat gewählt… was für eine Wahl hatte das 9-jährige Opfer??? Jetzt liegt es an den künftigen „Mitbewohnern“, ihm Gelegenheit zu geben, die Qualen seines Opfers und dessen Angehörigen nachfühlen zu lassen, den kein Richter in diesem Land wird ihm die Strafe zuteil werden lassen, die er verdient. Jetzt wird alle Energie aufgewendet, um strafmildernde Umstände zu suchen.

    … und dieses feige, nutzlose Subjekt hat noch nicht mal die Courage, sein unnützes Leben selbst zu beenden… das würde auch weitere Opfer verhindern… final.

    • Das sehe ich (täglich) genauso (…).
      Ich habe noch nie erlebt, dass dieser Staat Schutzbedürftigsten, insbesondere Ärmeren, faktisch Recht verschafft hätte! Ganz im Gegenteil.
      Unabhängige Staatsanwälte oder Gerichte?! Da muss man sich mal auspackende Richter anhören, viele der „Anwälte“ sind korrupt oder befangen, Schauprozesse Tagesordnung. Bereits durch das ausschließlich auf Täterinteresse ausgelegte Strafrecht wird unsere Verfassung (=Verpflichtung zum Schutz der Menschenwürde) ja ad absurdum geführt.
      Wo Recht nicht mehr dem beim Opfer angerichteten Schaden entspricht, nicht mehr dem Schutz der Gesellschaft, sondern allein der Täterverhätschelung dient, schafft sich ein Rechtsstaat selbst ab. Und an dieser Stelle stehen wir längst.
      In meinem durch -staatlicherseits gezielt ungestoppte- (sexuelle) Gewaltexzesse an Kindern berüchtigten Umfeld, ist das sehr eindrücklich zu beobachten: Hier grölt die regierungsaffine Mehrheit bereits öffentlich lüstern nach weiteren Gewalttaten! Ein Horror, kein Rechtsstaat.
      Angesichts eines derart funktionsuntüchtigen, pervertierten Rechtsstaates ist -bei solch schwerwiegenden Taten- der Ruf nach Selbstjustiz ein (willkommenes) Zeichen menschlich-geistiger Gesundheit.

  6. Ich frage mich ernsthaft wieso sich hier jeder nur an den Worten wie Rechtsstaat etc pp aufhalten.Das an dem viele zweifeln schön und gut. Wie wäre es mal mit dem überdenken ob ein Mord einen Mord ausgleicht oder irgendwas besser macht. Soweit scheint das Hirn der Masse nicht zu reichen,lieber blind und so sorry blöd vor Wut und Hass einher gehen. Natürlich ist so etwas das aller schlimmste was passieren kann, das schlimmste was einer Mutter angetan werden kann. Und doch weder das KInd wird lebendig noch den Verwanden wird es auch nur im Innerem einen Deut besser gehen wenn wild los laufende den Täter ebenfalls ermorden. Mord mit Mord begleichen, das klingt wie das Denken des 16. Jahrhunderts und ist es auch.Entweder ist Mord eine schlimme Straftat oder Mord ist berechtigt und nicht strafbar. Man kann nicht einen Mörder jagen aber gleichzeitig am Ende genauzso dreckig handeln wie der Mörder nämlich mit Mord und auch noch Freude darüber zum Ausdruck bringen. Der Typ der so eine Schandtat gemacht hat ist zweifels ohne nicht dicht im Kopf, krank-rafft evt nicht einmal was er da tut oder wird noch von größeren Bestien evt per Darknet angefeuert wie doll es ist weil sich noch perversere daran laben. Kranke gehören behandelt, gefährliche weg geschlossen um andere davor zu schützen, alles ok aber Mord mit Mord ausgleic hen ist genauso krank wie die Täter und vor allem es ändert schier nichts im Nachhinein, aber auch gar nichts. Die eigene Schwester hat ihn als Psyscho bezeichnet. So etwas merkt man also erst in den 3 Tagen nach einem bestialischem Mord ??? Ahh ja ist klar. Die Frage wieso Eltern nicht bemerkt haben was die Schwester bemerkte und gehandelt haben bevor ein Mord kommt die stellt sich von den Neunmalklugen richtenden Selbstjustizlern aber komischerweise niemand. Warum nicht ????

    • … nichts kann den Tod eines ermordeten Kindes ausgleichen… darum geht es auch gar nicht… jedwede Energie, jedwede Aufmerksamkeit und jedwedes Geld, das an das Subjekt verschwendet wird, ist zuviel und wäre bei den Angehörigen des getöteten Jungen besser investiert.

      Es gibt nur eine einzige Frage, die zu beantworten ist: Wie kann garantiert werden, dass das Subjekt niemals wieder eine Gefahr für andere darstellt. Wie kann verhindert werden, dass eine „günstige Sozialprognose“ eines Psychologen ihm frühestmöglich wieder den Weg zu neuen Opfern bahnt?

      Ein Täter sollte so lange in einem finsteren Loch sitzen, bis sein Opfer wieder vollständig genesen ist…. in diesem Fall könnte das lange dauern…..

  7. Man sollte daran denken,daß wir unser Informationen aus der deutschen Presse haben. Und das Vertrauen in diese ist nicht mehr existent. Sie will bestimmte Meinungen erzeugen und durch ihre Berichterstattungen lenken. Aus diesem Grund kann man nur hoffen daß Gerichte halbwegs neutral sind.

  8. Ich wiederhole hier nochmals meine Antwort an Jörg S. für alle:

    „Um so mehr sollten wir alle daran arbeiten, in diesem Lande wieder einen Rechtsstaat zu etablieren!
    Und das wird uns, so fürchte ich, nur durch einen „Elitenwechsel“ gelingen.“

    Von bösen Verwünschungen des Täters oder der Justiz oder der Legislative wird nichts besser.
    Es gibt nichts Gutes, außer man tut es…

    • Fakt ist das deutsche Gesetz schützt Verbrecher und versagt .
      Daher sind viele Menschen dessen bewusst das der Kerl nicht so bestraft wird was nur im Entferntesten dieser tat gerecht wird. Aber wehe man zahlt eine Strafe nicht.
      Gesetzte sollten mal gründlich überholt werden. Wie kann es sein ein Typ gibt zu mehr als 200 Kinder missbraucht zu haben und läuft frei in Kassel rum unfassbar

  9. Zugegeben, ich bin kein Befürworter eines demokratischen Rechtsstaats in dem ich mir nur den Rechtsanwalt aussuchen darf und der keine Rechtsauskunft geben darf.
    Richter sind nämlich unabhängig. Sterbehilfe gibt es nur für diejenigen, die noch nicht sterben wollen durch die Willkür der staatlichen Gewalt.

  10. Naja die Rufe nach Selbstjustiz sind mMn. nur Ausdruck der eigenen momentan hochkochenden Gefühle, ich denke die wenigsten die das öffentlich fordern/androhen hätten tatsächlich die Nerven dazu… Davon ab, ist es aber auch nicht weiter verwunderlich: In diesem Staat werden nach jedem größeren Vorfall die Freiheiten des Volkes zugunsten der Sicherheit geopfert, aber ein mehr an Sicherheit wird nicht wirklich geschaffen. Wenn man dann noch so Stories zu hören/Lesen bekommt, wie bei euch über die Geschichte in Beeskow, wo jemand Morde begeht, obwohl man den Mann schon längst aus dem Verkehr hätte ziehen können… Gleiches ding wie mit dem Freak der den Truck of Peace zum Weihnachtsmarkt gebracht hat… Man bekommt mehr und mehr das Gefühl, dass der Staat a) unfähig oder b) Unwillens ist. Ich weiß nicht was schlimmer ist…

  11. Ich bin selber Vater von vier Kindern,Ich bin Opa von demnächst vier Enkelkindern.

    Ich kann den Zorn der Menschen verstehen,aber liebe Leute,David Berger hat Recht.

    Lassen wir die Polizei und die Gerichte das Recht umsetzten,auch wenn wir nicht immer verstehen können wie bestimmte Taten abgeurteilt werden,aber Selbstjustiz wäre ein Rückfall in die Barbarei,das können wir nicht wirklich wollen!!

    • Zum einen gibt es bereits Teile in der Bevölkerung, die sich einen Dreck um das deutsche Recht scheren. Und der offensichtlich wehrunfähige Staat lässt das zu, begünstigt es teilw. sogar noch.
      Mit welcher Legitimation kann da noch eine Beachtung des Rechts gefordert werden? Wenn sie an einem Pokertisch sitzen, an dem alle außer sie selbst falsch spielen, dann können sie zwar erhobenen Hauptes gehen, aber ihre Taschen sind leer, die anderen trinken den Schnaps und wo die Frauen sind ist auch klar.
      @Jörg & Hans Wurst: richtig, wir leben in einem Rechtsstaat. Wo viele aber lieber leben würden, ist in einem Gerechtigkeitsstaat. Hat mit unserem Rechtsstaat leider nur wenig zu tun.

      • Sie mögen mit vielen Dingen wahrscheinlich sogar recht haben,aber es handelt sich hier nicht um Poker,es geht vielmehr in anderen Medien schon fast um Aufruf zum Lynchen,das ist was mir nicht gefällt.Das unser Rechtsstaat seit längerer zeit Probleme mit dem Recht hat,auch da haben Sie Recht.
        Gerechtigkeit ist im Moment vor allem für „die,die schon länger hier wohnen“ zum äußerst rarem Gut geworden.Das kann man aber mit den nächsten Wahlen ändern,man muss nur Mut haben gegen den Strom das rot-grün-linke-Gutmenschen Volk aus den Parlamenten zu verdrängen.

        Zum Aufruf zur Selbstjustiz sage Ich trotzdem zwei Worte unseres Herrn Jesus: Richte nicht,auf das Du nicht gerichtet wirst!
        Und noch: Wer das Schwert zieht,soll durch das Schwert umkommen!

        Also sollten wir auch in diesem Fall soviel Vertrauen in Polizei,Staatsanwaltschaft und Gerichte aufbringen,in der Hoffnung das Gerechtigkeit geschieht.

        Aber der kleine Junge hat leider nichts mehr davon,das Kind ist Tod,bestialisch ermordet,mein Mitgefühl gilt seinen Eltern und Freunden!

  12. „Wo der Staat für Recht und Ordnung sorgt, schützt er zuerst
    immer die Schwächeren, die Kinder, Alten, Frauen.“

    Wenn das stimmen würde, Herr Berger, müssten Sie jetzt
    nicht Ihre Leser zur Ordnung rufen. Wo befindet sich der
    „Rechtsstaat“, von dem Sie hier schreiben..?

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