In einem Kommentar für die sozialistische Tageszeitung „Neues Deutschland“ zu dem Massaker von Orlando singt Fabian Köhler ein offensichtlich stark von westlich-kapitalistischen Pornophantasien inspiriertes Loblied auf heimlichen Sex unter Männern in der arabischen Welt. Und kommt zu dem Fazit, dass die „islamische Welt bunt wie eine Regenbogenfahne ist“. Eine Replik von David Berger

Zunächst einmal darf man erfreut feststellen, dass der Artikel, um den es hier geht, einen großen Fortschritt innerhalb der Einstellung deutscher Linker bzw. Linkspopulisten zur Homophobie im Islam darstellt. Auch wenn der heute erschienene Kommentar von Fabian Köhler nur Fakten konstatiert, so ist dies für eine sozialistische Zeitung wie „Neues Deutschland“ schon ziemlich viel.

Egal, was in Orlando nun genau geschehen sei, komme man „trotzdem nicht umhin festzustellen, dass viele Muslime, die islamische Welt, der Islam ein gewaltiges Problem mit Homophobie haben. Oder besser: Dass viele Homosexuelle ein riesiges Problem mit ihrer islamischen Umwelt haben. In Iran hängen die Leichen von Homosexuellen an Baukränen, in Saudi-Arabien peitschen Sadisten Schwule zu Tode. In Syrien stürzt der selbst ernannte Islamische Staat (IS) Menschen von Hochhäusern, weil sie aus Sicht der Terroristen den falschen lieben. Umfragen unter Jugendlichen in muslimischen Ländern zeugen von einem weit verbreiteten Hass auf Homosexuelle. Nahezu alle religiösen Autoritäten, die im Islam Gehör finden, lehnen Homosexualität ab. Kurz: In der islamischen Welt öffnet sich ein Abgrund aus sexueller Verklemmtheit, Bigotterie und Schwulenfeindlichkeit.“

„Die wegen ihres Schwulseins zu Tode Verurteilten tröstet es nur begrenzt, wenn man ihnen – am Baukran oder auf dem Hochhausdach stehend – zärtlich Reminiszenzen an die Knabenliebe im Islam des 8. Jahrhunderts zuflüstert“

Dann ist aber schon Schluss mit dem Klartext. Um dann doch noch guten linkspopulistischen Traditionen und dem für den öffentlichen Diskurs unabdingbaren politischen Korrektheit gerecht zu werden, erfolgt dann eine fast zwei Drittel des Beitrags einnehmender Rückblick auf längst vergangene Zeiten: „Es gibt eine islamische Realität von Liebe, Zuneigung und Sex, die sich nur schwer mit dem Wissen um die weit verbreitete Homophobie unter Muslimen vereinbaren lässt“ heißt es in dem Beitrag weiter.

Um dann gleich den Präsens zur Vergangenheit werden zu lassen: „Die heute weniger bekannte Geschichte des Islam ist keine des Hasses, sondern der Liebe – die zum gleichen Geschlecht. In allen islamischen Dynastien vom 8. Jahrhundert bis zum Osmanischen Reich konnten Männer und Frauen unter einander treiben, was sie wollten. Rund 1000 Jahre lang hat die islamische Welt Formen der Homoerotik und Homosexualität zelebriert wie wahrscheinlich keine andere. Schon gar nicht Europa.“ Dass dann der schon obligatorische Hinweis auf Scheiterhaufen und Sodomiterverfolgung durch die Kirche kommt, verwundert nun nicht mehr. Um sich dann zu einem regelrechten Glaubensbekenntnis aufzuschwingen: „Dass Homophobie zwischen Marokko und Indien jahrhundertelang so gut wie unbekannt war, auch das hat etwas mit dem Islam zu tun.“

„Nach dieser Logik müssten auch der Vatikan bzw. die katholische Kirche frei von jeder Homophobie sein“

Ob der Autor nach dem Schreiben dieser letzten Zeilen den Koran geküsst hat, wissen wir nicht. Aber da er vermutlich ahnte, dass es die zum Tode Verurteilten nur begrenzt tröstet, wenn man ihnen – mit am Baukran oder auf dem Hochhausdach stehend – zärtlich Reminiszensen an den Islam im 8. Jahrhundert in Marroko zuflüstert, wagt er auch einen Blick in die Gegenwart. So wie er sie sich ausmalt: „Heute noch ist es für einen Heranwachsenden in der islamischen Welt viel wahrscheinlicher, gleichgeschlechtliche Erfahrungen zu machen als für seine Altersgenossen im vermeintlich liberalen Westen. Islam, das ist auch Gruppenmasturbation und Oralsex mit den pubertierenden Kumpels. Das sind Männer, die händehaltend arabische Straßen entlanglaufen und sich mit Küsschen überschütten. Islam ist Hamam-Besuch – nicht nur zum Baden.“

Dass das freilich alles nichts mit dem zu tun hat, was wir in der freien Welt unter Schwulsein verstehen, wussten wir schon, als wir zum ersten mal die „Bravo“ lasen und uns Herr Dr. Sommer erklärte, dass weder Knasthomosexualität noch Doktorspiele in der Pubertät mit anderen Jungs etwas mit einer homosexuellen Veranlagung zu tun haben. Macht aber nichts, denn die Pornofantasien a la Jean-Daniel Cadinot und Erik-Videos sind halt doch stärker. Und irgendwelche Argumente braucht der Autor für sein Fazit am Ende schließlich: „Denn die Welt ist bunt wie eine Regenbogenfahne. Auch die islamische.“

Als nächstes warten wir dann auf einen Artikel in der einstigen Lieblingszeitung Erich Honeckers und dem „Zentralorgan“ seiner Partei über jegliche Freiheit der katholischen Kirche von Homophobie. Mit dem Hinweis auf die Schwulendichte im Vatikan und auf Bel Amis Zweiteiler „Scandal in Vatican“.

© Foto: Gustave Boulanger [Public domain], via Wikimedia Commons