
Der ehemalige Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, hat dessen Kriegsführung gegen den Iran im Interview mit der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT (JF) scharf kritisiert. Trump habe sich nicht bemüht, „den für die Verhinderung der Fortführung des Atomprogramms dringend nötigen Regimewechsel richtig vorzubereiten. Etwa indem er versucht, die Europäer, und unsere anderen Verbündeten in der Nato, im Pazifik und am Persischen Golf dafür zu gewinnen“, sagte Bolton der JF. Ihm sei unklar, was die Motivation und die Ziele von Trump seien.
Noch schlimmer allerdings sei, dass Trump die iranische Opposition überhaupt nicht konsultiert habe, „er scheint keinerlei Zusammenarbeit mit ihr gesucht, sie nicht vorbereitet und ihr keine Unterstützung geleistet zu haben. Dabei ist die Opposition für einen Regimewechsel letztlich entscheidend.“ Während es Trump in seiner ersten Amtszeit darum gegangen sei, das iranische Atomprogramm zu stoppen, habe er nun möglicherweise seine Meinung geändert. „Meine Vermutung ist, Trump wollte möglicherweise schon den Regimewechsel, nur hat er die dafür nötigen Denkprozesse nicht durchlaufen.“
Grundsätzlich unterstützt der frühere Sicherheitsberater den Irankrieg. „Ich meine, dass es schlagende Argumente dafür gibt, die iranische Nuklearbedrohung zu stoppen und die Unterstützung des Regimes für weltweite terroristische Aktivitäten zu beenden – denn die gehören zu seiner DNS, zu seiner Ideologie. Ein Regimewechsel ist daher alternativlos“, unterstrich Bolton.
Bei Trump sei wichtig zu verstehen, dass er weder eine Philosophie noch eine umfassende nationale Sicherheitsstrategie habe. „Er verfolgt keinen politischen Ansatz im herkömmlichen Sinne.“ Auch innenpolitisch sieht Bolton den US-Präsidenten unter Druck. Er habe „nicht einmal das Nötigste getan, um die Amerikaner davon zu überzeugen, dass dieser Krieg in unserem Interesse ist. Und ich bin sicher, viel mehr Amerikaner würden dem zustimmen, wenn man es ihnen vernünftig erklärt hätte, so wie das normale politische Führer tun“.
Als größte Bedrohung für den Westen bezeichnete Bolton die Achse China-Russland. Es sei daher richtig, gegen den Iran als Satelliten dieses Bündnisses vorzugehen. John R. Bolton war von 2018 bis 2019 Nationaler Sicherheitsberater Donald Trumps. Bereits von 2001 bis 2005 war der Jurist Staatssekretär in der Regierung George W. Bushs und von 2005 bis 2006 US-Botschafter bei der UN. Geboren 1948 in Baltimore, gilt der Republikaner als Falke, der seit jeher eine harte Linie gegen den Iran befürwortet hat.
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