(David Cohnen) … da lebten die Menschen in dem Vertrauen, dass der öffentliche Raum kein Ort ständiger Wachsamkeit sein müsse. Man reiste, begegnete einander, stritt – und kehrte am Ende des Tages unversehrt nach Hause zurück.
Ordnung war nichts Bedrohliches, sondern ein stilles Versprechen. Der Staat galt als Hüter des Friedens, nicht als Ausrede für sein Versagen. Frauen gingen ihrer Wege, ohne den Blick zu senken. Gewalt war die Ausnahme, nicht die Erwartung.
Wenn Gefahr auftrat – ob als Angriff auf den Staat oder als Verbrechen gegen seine Bürger – wurde sie erkannt, benannt und bekämpft. Man suchte nicht nach Entschuldigungen, sondern nach Lösungen. Man identifizierte die Bedrohung und beseitigte sie, auch wenn es Mühe kostete.
Dann meinten die Mächtigen, Güte sei grenzenlos und Weisheit entbehrlich. Sie öffneten die Tore und erklärten Unterschiede für bedeutungslos. Kultur, Prägung und Herkunft sollten keine Rolle spielen – denn alle Menschen, so hieß es, würden sich gleichen, wenn man sie nur ließe.
Doch es kamen viele aus fernen Welten, aus Gegenden, in denen das Recht schwach war und Stärke herrschte, in denen Frauen Schutz suchten, den es nicht gab, und Gewalt zum Alltag gehörte. Und mit ihnen kamen diese Wirklichkeiten.
Und das Land veränderte sich.
Gefahr wurde nicht mehr benannt, sondern relativiert. Wer fragte, wurde ermahnt. Wer Zusammenhänge sah, wurde getadelt. Wahrheit galt als kalt, Schweigen als Tugend.
Dabei wusste man es längst besser.
In allen anderen Bereichen zog man Konsequenzen, wenn sich Gefahr häufte. Zeigte sich ein Muster, handelte man. Niemand nannte das Hass, sondern Verantwortung. Nur hier nicht.
Hier durfte nicht sein, was war.
Und so wurde aus Fürsorge Nachlässigkeit, aus Moral Blindheit und aus Mitgefühl ein Götze, dem man Sicherheit und Vernunft opferte.
So geschieht es immer, wenn Warnungen verlacht werden:
Das Haus bleibt offen –
und man wundert sich, wer einzieht.
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