Als vor über 60 Jahren die sich auf das Zweite Vatikanische Konzil berufende Liturgiereform erfolgte, geriet der überlieferte Römische Messritus vielfach in Vergessenheit, das heißt jener Ritus, der für die Kirche des Westens bis dahin allenthalben, sowohl innerhalb als auch außerhalb der katholischen Kirche, als Ausdruck der Normalität ihres liturgischen Lebens betrachtet wurde.
In dieser Kleinschrift eröffnet Eduard von Habsburg eine persönliche Perspektive auf die überlieferte Römische Messe und unternimmt damit den Versuch, Vorurteile, die auch heute noch hie und da gegen sie bestehen mögen, abzubauen und ihre spirituelle Tiefe zu verdeutlichen.
Das vorliegende Zeugnis ist vor allem eine Einladung zur Entdeckung der Schönheit dieser – heute leider zu Unrecht –, weitgehend unbekannten Liturgie. Gleichzeitig verdeutlich es, daß die heilige Liturgie gerade kein bloßes »Gemeinschaftsereignis« ist, sondern ein prägendes und tiefes Erlebnis, das zu Christus führt.
Die „alte Messe“ als Neuheitserlebnis
Er schreibt über eine ganz persönliche Erfahrung, die ich selbst gut nachvollziehen kann, da mein
Weg zurück in die katholische Kirche und den Beichtstuhl vermutlich ohne den Besuch der „alten Messe“ niemals stattgefunden hätte. E von Habsburg dazu passend: „Wer in die Alte Messe geht, ist umgeben von Menschen (und Geistlichen), welche die Beichte sehr ernst nehmen“. Und weiter:
„Selten hat etwas für mich in meinem katholischen Leben so einen gewaltigen Unterschied gemacht wie die Begegnung mit dem Alten Ritus. Und ich bin wahrlich kein unbeschriebenes Blatt – Ministrant seit früher Kindheit, zwei Brüder meines Großvaters Priester, lebenslanger regelmäßiger Sakramentenempfang, regelmäßige Romreisen, Wall fahrten, wie etwa nach Medugorje; Kontakte mit den Jesuiten, mit dem Opus Dei, den Dominikanern, und dann nach meiner Eheschließung etwa 10 Jahre in der charismatischen Gemeinschaft Emmanuel. Klar, danach war ich dann 15 Jahre lang »einfach nur katholisch«, aber weit jenseits der 50 kam dann plötzlich etwas völlig Neues, in Rom: Ich lernte die Messe im Überlieferten Ritus kennen. Für mein persönliches Glaubens- und Gebetsleben, mein Leben mit den Sakramenten, für meine Beziehung zu Christus und meine Treue im christlichen Alltagsleben, begann wirklich etwas neues, das für mich einzig und allein die Frucht dieser Liturgie und ihres Umfeldes ist. Es ist so, als sei mir »ein Licht aufgegangen«. Und nicht nur ich allein – auch für meine Frau und alle meine Kinder war das der absolute Game-Changer. Wie kann das sein, nach reichlich mehr als 50 katholischen Jahren auf dem Buckel?“
Der vorliegende Reiseführer ist daher ein sehr existentiell begründeter Anreiz, sich auf den Weg zu machen und eine Liturgie (wieder) zu entdecken, die nie verboten sondern nur verschüttet war und, die ein wirkliches Fortkommen im persönlichen Glaubensleben bewirken kann.
Bereits vor Erscheinen dieser Schrift hat der ehemalige Botschafter Ungarns am Heiligen Stuhl in verschiedenen Interviews betont, dass die alte Messe ist für ihn keine ideologische Kampfansage ist, wie man gerne deren Freunden nachsagt.
Lebendige geistliche Heimat
Von Habsburg widerspricht ausdrücklich dem verbreiteten Klischee, Anhänger der alten Messe seien rückwärtsgewandt oder rebellisch. Nach seinen eigenen Beobachtungen handelt es sich vor allem um Familien mit Kindern, die aus spirituellen Gründen kommen – nicht aus Protest oder politischer Motivation. Die TLM sei „nicht das, wofür man sie karikiert“, sondern Ausdruck von Glauben, Gebet und Ehrfurcht.
Für Habsburg steht die Transzendenz, Stille und Sakralität der alten Messe im Vordergrund. Er stellt sie nicht als Ersatz für die ordentliche Form dar, sondern als legitimen geistlichen Reichtum der Kirche, der vielen Gläubigen – besonders jungen Familien – Orientierung und Tiefe gibt. Zudem ist festzuhalten, dass die Mehrheit der Gläubigen, die die alte Messe besuchen, nicht gegen das letzte Konzil oder die Einheit der Kirche stehen. Gerade deshalb hält er pauschale Einschränkungen für pastoral problematisch. Implizit knüpft seine Position an die Linie Benedikts XVI. an: Die Koexistenz verschiedener liturgischer Formen schade der Kirche nicht, sondern könne sie bereichern. Die alte Messe sei kein nostalgisches Relikt, sondern für viele eine lebendige geistliche Heimat.
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